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Die Dialogtafeln - hier jene an der Grundschule in Beuern - zeigen den Fahrern nicht nur an, wie schnell sie sind. Sie erfassen auch, wie viele Fahrzeuge mit welcher Geschwindigkeit unterwegs sind.

Eine Karte des Rasens

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"Da rasen alle" - diese Beschwerde von Anwohnern kennt jeder Bürgermeister. In Buseck wollte Dirk Haas es nun genau wissen: Er hat an kritischen Punkten Langzeitmessungen veranlasst - mit erstaunlichen Ergebnissen.

Ein Auto rollt durch die Ortsdurchfahrt von Beuern. Eigentlich gilt hier Tempo 30. Doch der Wagen ist zügig unterwegs, eine junge Frau sitzt am Steuer. Direkt gegenüber der Grundschule hängt ein sogenanntes Dialogdisplay. Es misst die Geschwindigkeit der vorbeikommenden Fahrzeuge. Der Fahrerin leuchtet ein trauriger Smiley entgegen: 36 km/h blinken danach auf. Und das, obwohl die Bremslichter des Wagens schon leuchten.

"Da wird immer gerast" oder "da fahren alle zu schnell" - mit diesen Beschwerden der Bürger sehen sich Kommunen im Landkreis konfrontiert. Und dann kommt meist die Forderung "da muss was gemacht werden" oder "da muss mehr geblitzt werden".

Auch an den Busecker Bürgermeister Dirk Haas wurde dieses Thema schon oft herangetragen. Doch die "subjektive Wahrnehmung" reichte ihm als Basis nicht aus. "Es macht ja schon in der Wahrnehmung einen Unterschied, ob ein großer Bus mit 30 durch eine schmale Ortsdurchfahrt fährt oder ich mit meinem Rad genauso schnell ankomme", gibt er ein Beispiel für die Probleme solcher Beobachtungen.

Dank moderner Technik lässt sich der Verkehr exakt erfassen. Denn das eingangs erwähnte Dialogdisplay zeigt den Fahrern nicht nur an, ob sie zu schnell unterwegs sind. Es speichert auch, wie viele Fahrzeuge mit welcher Geschwindigkeit unterwegs sind. Zusätzlich gibt es graue "Radarkoffer". Die Gemeinde Buseck hat sie an Stellen aufhängen lassen, wo spezielle Maßnahmen geplant sind. Die Koffer lassen sich an Schildern und Ampelmasten montieren. Sie zählen, welche Fahrzeugtypen mit welcher Geschwindigkeit vorbeikommen. Und nicht zuletzt blitzt die Gemeinde Buseck auch an kritischen Punkten.

All diese Daten sind Basis für die Busecker Karte des Rasens. In Verkehrsplanungen wird dabei der sogenannte V85-Wert zugrunde gelegt. Dieser gibt die Geschwindigkeit an, die von 85 Prozent aller Fahrzeuge eingehalten wird. In Trohe etwa wurde in der Dresdener Straße Richtung Mühlweg gemessen. Hier gilt Tempo 30, 85 Prozent der Fahrzeuge waren mit maximal 24 Stundenkilometern unterwegs. Ein guter Wert. Anders in Oppenrod in der Hauptstraße. Hier wurde auf Höhe des Hauses 26 in der 20 Tage andauernden Messung ein V85-Wert von 37 Kilometern festgestellt - bei erlaubten Tempo 30.

An 39 Punkten wurde bereits gemessen. Die Ergebnisse zeigen: Nicht immer stimmen die gefühlten Raser-Hotspots mit den tatsächlichen überein. So gibt es etwa oft Beschwerden über zu schnelle Fahrzeuge im Alten-Busecker Rinnerborn. Hier liegt der Wert jedoch nur einen Kilometer über den erlaubten 50 Stundenkilometern. An elf Messpunkten wurde eine leichte Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit festgestellt.

An neun Punkten liegt der Wert jedoch zwischen fünf und zehn Kilometern über dem Tempolimit, beispielsweise in Fünfhausen in Beuern. "Da muss was gemacht werden", sagt auch Bürgermeister Haas. Nur in einer Straße wird deutlich zu schnell gefahren: in der Bahnhofsstraße. Jedoch ist hier ein verkehrsberuhigter Bereich. 85 Prozent der Fahrzeuge sind mit maximal 24 km/h unterwegs - sie dürften aber eigentlich nur zehn fahren. "Das ist absolut nicht in Ordnung", sagt der Bürgermeister.

Die erfassten Daten sollen jetzt nicht in der Schublade verschwinden, sondern als Basis für ein Bündel von Maßnahmen dienen. Zum einen soll an den kritischen Punkten öfters kontrolliert werden. Für die Großen-Busecker Bahnhofsstraße denkt Haas darüber nach, die Straße im Zuge des Umbaus der Bahnhaltestelle im Bereich des Bahnhofs in eine Fahrradstraße umzuwandeln und den Radweg R7 hierhin zu verlegen. Dann dürfte hier kein Auto mehr durch.

Der Großen-Busecker Landwehrweg soll in den nächsten Jahren saniert werden. Dabei will man mit Verengungen durch Parkflächen und Pflanzinseln dafür sorgen, dass der Verkehr langsamer wird. Ähnliches kann sich Haas auch für die breiten Fahrbahnen in der Tulpenstraße und der Oberstruth vorstellen: "Das sind Autobahnen." In der Einmündung der Zeilstraße in die Tulpenstraße soll bereits zeitnah ein Fahrbahnteiler montiert werden, um so Geschwindigkeit herauszunehmen.

Besonders ärgert den Bürgermeister jedoch ein Wert: In der Neuen Straße in Beuern wird das erlaubte Tempo 30 deutlich überschritten. Hier sind vor allem jene zu schnell unterwegs, die eigentlich ein besonderes Interesse daran haben müssten, wegen der Kinder langsam zu fahren: Eltern. "Beim Anlieferverkehr für Grundschule und Kindergarten gibt es einige uneinsichtige Menschen."

Dieses Phänomen lässt sich übrigens auch andernorts, etwa in Großen-Buseck an der Kita Georg Diehl, beobachten. Hier ist aus Sicherheitsgründen eine Zufahrt mit einem Pfosten gesperrt. "Der wurde mittlerweile dreimal umgefahren", sagt Haas und seufzt.

Insgesamt zieht Haas aber ein positives Fazit: "Die Werte sind im Rahmen." Buseck ist keine Raserhochburg.

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