Besonderer Moment: Doris Klinder überreicht dem Teamleiter des Kinder-Palliativteams Mittelhessen, Holger Hauch, den Sscheck über 2430 Euro. Darüber freuen sich Regierungspräsident Christoph Ullrich (l.) und Abteilungsleiter Manfred Becker.
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Besonderer Moment: Doris Klinder überreicht dem Teamleiter des Kinder-Palliativteams Mittelhessen, Holger Hauch, den Sscheck über 2430 Euro. Darüber freuen sich Regierungspräsident Christoph Ullrich (l.) und Abteilungsleiter Manfred Becker.

Eine Glühwein-Idee und die Folgen

  • vonred Redaktion
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Aus einer Schnaps- bzw. Glühwein-Idee ist in wenigen Jahren ein soziales Projekt gewachsen: RP- Mitarbeiterin Doris Klinder aus Niederkleen sammelt in den sieben Abteilungen der Behörde für die Arbeit des Kinder-Palliativteams Mittelhessen. Rechtzeitig vor Heiligabend wurde ein Rekordscheck übergeben.

Ich bin ein Arbeitstier, ich brauche das": Doris Klinder gibt Gas beim Regierungspräsidium Gießen, erst als Fahrerin während der Flüchtlingskrise und aktuell im Haushandwerker-Team in der Erstaufnahmeeinrichtung an der Rödgener Straße. Als gelernte Maler- und Lackiererin sorgt sie zusammen mit Flüchtlingen dafür, dass die Räume in den Unterkünften einen frischen Anstrich erhalten. Mit demselben Elan hat die 59-Jährige aus Langgöns-Niederkleen auch eine Sammelaktion innerhalb der Behörde gestartet, die dem Kinder-Palliativteam Mittelhessen des UKGM Gießen-Marburg um den Leiter des Teams Dr. Holger Hauch zugutekommt. Selbst das Coronavirus konnte sie in diesem Jahr nicht davon abbringen. Nun hat sie einen symbolischen Scheck und den dazugehörigen Geldsack an den Teamleiter übergeben. Bis kurz vor Heiligabend sind 2430 Euro zusammengekommen - und es wird noch mehr, denn RP-Beschäftigte überweisen auch direkt auf das Spendenkonto.

"Ich habe immer wieder mal Schnapsideen", berichtet Kinder. Eigentlich war es eine Glühweinidee, denn einmal im Jahr, kurz vor Heiligabend nachmittags, lädt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich die RP-Beschäftigten zum Glühweinfest in den Hof des Dienstsitzes am Landgraf-Philipp-Platz in Gießen, so auch 2016. Da Ullrich auch Schirmherr des Kinder-Palliativteam Mittelhessen ist, stellten sich dessen Leiter Dr. Holger Hauch sowie Kolleginnen mit ihrer Arbeit bei dieser Veranstaltung vor. "Als ich davon gehört habe, dass es Menschen gibt, die sich speziell um schwerkranke Kinder und Jugendliche und deren Familien kümmern, dachte ich mir, das musst du unterstützen", berichtet Doris Klinder.

Zunächst konzentrierte sie sich auf ihr direktes Umfeld, die Erstaufnahmeeinrichtung Hessen, und klapperte zwischendurch auf dem weitläufigen Gelände ihre Kolleginnen und Kollegen ab. 600 Euro kamen so im ersten Jahr zusammen. Mittlerweile hat sich ihr Einsatz für die gute Sache im gesamten Regierungspräsidium herumgesprochen.

Jährlich wechselnde Sammelbeutel kursieren in den Dienststellen, und in diesem Jahr fanden sich auch Lösungen fürs Homeoffice. Erstmals hat die Initiatorin in diesem Jahr auch die externen Dienstleister angesprochen, die rund um die Erstaufnahmeeinrichtung Hessen tätig sind. Beteiligt haben sich Beschäftigte der Firmen European Homecare, Mattzick, Pond und Spie.

Hartnäckigkeit hat Doris Klinder im Leben lernen müssen. In ihrem erlernten Beruf als Maler- und Lackiererin fand sie als Frau keinen Arbeitgeber. Also schwenkte sie um, machte eine Ausbildung zur Wachpolizistin und später den Lkw-Führerschein. Zehn Jahre lang war sie auf Achse - in Frankreich, England, Spanien oder auch Portugal. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise vor über fünf Jahren startete sie dann beim RP Gießen in der Erstaufnahmeeinrichtung Hessen an der Rödgener Straße und fühlt sich heute pudelwohl beim Streichen der Zimmer und Flure. Unterstützt wird sie dabei von Bewohnerinnen und Bewohnern, die freiwillig für ein kleines Entgelt mitmachen. "Meine Gemeinnützigen" nennt Doris Klinder sie mit familiärem Tonfall. Wenn sie die Einrichtung verlassen, schreiben sie noch lange Zeit Mails: "Hallo Mama Doris, wie geht es Ihnen?".

Dr. Holger Hauch freut sich sehr über den diesjährigen Spendenrekord aus dem RP Gießen. "Ich bin aber vor allem davon begeistert, dass da jemand wie Frau Klinder einfach loslegt." Diesmal soll die Spende für den Aufbau der psychosozialen Versorgung der schwer belasteten Familien verwendet werden.

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