Auch Fragen rund um die Pflege sind ein Schwerpunktthema des VdK. FOTO: CHRISTOPH SCHMIDT/DPA
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Auch Fragen rund um die Pflege sind ein Schwerpunktthema des VdK. FOTO: CHRISTOPH SCHMIDT/DPA

Eine gewichtige Größe

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Rund 14 000 Mitglieder zählt der Sozialverband VdK im Landkreis Gießen. In den mehr als 100 Dörfern bestehen 63 Ortsverbände. Tendenz steigend! Welcher Verein erfährt vergleichbaren Zuspruch? Dabei kommen längst nicht nur ältere Semester. Der VdK wird immer jünger.

Allein in diesem Jahr haben im Kreis rund 1000 Mitglieder neu zum VdK gefunden; etwas mehr als 14 000 Mitglieder sind es im Kreis Gießen. In den vergangenen zehn Jahren ist die Mitgliederzahl um mehr als 50 Prozent angewachsen. Auch der Vergleich mit den politischen Parteien zeigt: Fast zwei Millionen Mitglieder sind bundesweit im VdK engagiert - das ist rund doppelt so viele, wie die im Bundestag vertretenen Parteien Mitglieder haben. Damit ist der VdK eine gewichtige Größe in der sozialpolitischen Landschaft. Was aber steckt hinter den drei Buchstaben? Was leistet der VdK? Woher rührt dieser Zulauf?

"Dem VdK ist der Wandel von einer Interessenorganisation für Kriegsinvaliden und Hinterbliebene hin zu einem modernen Sozialverband gelungen, der für die Anliegen aller benachteiligten Menschen in der Gesellschaft kämpft", sagt der amtierende Kreisvorsitzende Burkhard Menges. Menschen mit Behinderungen, Pflegebedürftigte, Rentner, Kranke oder von Armut Betroffene können auf Hilfe und Unterstützung zählen. Das Angebot an Informationen und sozialrechtlicher Vertretung treffe vor allem seit den Hartz-IV-Reformen au und den Kürzungen mancher Sozialleistungen auf immer größer werdenden Beratungsbedarf bei den Menschen, sagt der Kreisvorsitzende.

In Grünberg lädt der VdK etwa regelmäßig zu Stammtischen ein, in Großen-Linden heißt das Format "Info-Nachmittag", und zwar viermal im Jahr. Hinzu kommen Ausflüge und Tagesfahrten. Geselligkeit tut gut, führt Menschen zusammen. Gemein ist allen diesen Veranstaltungsangeboten, dass sich dort Mitglieder und Interessierte sowie Ratsuchende zwanglos zusammenfinden. Dort erfahren sie beispielsweise Wissenswertes rund um Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht oder zu Fragen des Testaments. Genauso gut kann der örtliche Apotheker kommen und zu Gesundheitsthemen sprechen. Aber da ist eben noch viel mehr.

Auch wer (noch) kein Mitglied ist, der kann sich vertrauensvoll dorthin wenden und erfahren, wo er den richtigen Ansprechpartner für seine Fragen findet. Sei es zur Rente, sei es zur Finanzierung von Pflege, sei es Unterstützung bei einer Behinderung.

"Die Ortsverbände haben eine ganz wichtige Lotsenfunktion", sagt Vorsitzender Menges. Die eigentliche Beratung wird derweil beim Kreisverband oder im Bezirk geleistet. Dort sitzen ausgebildete und qualifizierte Fachleute. Der Landesverband Hessen-Thüringen etwa schult diese Berater in der VdK-Ehrenamtsakademie, die einen Standort in Grünberg hat. Sie erfahren dort Grundlagen in Sozialrechtsberatung, im Schwerbehindertenrecht, in Fragen zur Krankenversicherung oder der Pflegeversicherung. Hinzu kommen Service-Angebote wie etwa Dienstleistungen eines Wohnraumberaters oder der Fachberater für Barrierefreiheit - in einer tendenziell immer älter werdenden Gesellschaft Themen von Relevanz. Jedes Jahr werden allein in Hessen 3000 VdK-Mitglieder geschult oder weiterqualifiziert.

Der Mitgliedsbeitrag liegt bei 66 Euro im Jahr. Kein Pappenstiel, wird da jemand denken, der die üblichen Jahresbeiträge von Vereinen im Kopf hat, die vielfach irgendwo zwischen 12 und 25 Euro liegen. Aber: In diesen 66 Euro im Jahr steckt nicht nur die Rechtsberatung drin, sondern auch die Vertretung vor Gericht, wenn nötig, dann auch bis hin zum Bundessozialgericht. Wichtig aber dabei: Anspruch auf qualifizierte Beratung respektive Leistungen hat nur, wer Mitglied ist. Das muss auch jenen Ratsuchenden gesagt werden, die noch kein Mitglied sind, aber bereits mit der Akte unterm Arm auf der Matte der Geschäftsstelle in der Gießener Liebigstraße stehen.

Eine Erfahrung, die Menges und auch Mo- nique Schmitt aus der VdK-Kreisgeschäftsstelle gemacht haben: So schön und vielfältig online-Service-Angebote auch sind, so können sie doch nicht vollumfänglich eine persönliche Beratung ersetzen.

Wer kommt zum VdK? Wer tritt dem Verband bei? Sind es nur die Älteren? Beileibe nicht: Der Altersschnitt in Hessen und Thüringen liegt zwar bei rund 63 Jahren, aber der Schnitt der Neueintritte liegt heute im Kreisverband Gießen bei 56 Jahren, erläutert Menges. "Die Menschen kommen in immer jüngeren Jahren zu uns." Die steigenden Mitgliederzahlen zeigen dem Kreisvorsitzenden auch, dass die Strukturen vor Ort funktionieren. Und gerne verweist er da auf das Motto des VdK: "Wir lassen keinen alleine."

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