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Die winterliche Hauptstraße in Krofdorf mit Blick auf den Gleiberg.

Eine Frage des Gleichklangs

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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In Wettenberg regiert die SPD seit 2016 mit Unterstützung durch die Grünen. Inwiefern die Karten neu gemischt werden, zeigt sich nach der Wahl am 14. März. Die Gemeinde nahe Gießen punktet mit herausragender Infrastruktur, muss sich aber in Fragen von Wachstum, Verkehr und Entwicklung Herausforderungen stellen. Im Folgenden die Antworten von SPD, CDU, Grünen, Freien Wählern und FDP.

?In der Vergangenheit wurde seitens der Politik immer wieder der Gleichklang der Entwicklung in den drei Dörfern unterstrichen. Aus Launsbach kommen aber seit Monaten Signale, zu kurz zu kommen. Wie sehen Sie die Entwicklung mit Blick auf »ein einig Wettenberg«?

SPD: Von der positiven Entwicklung der Wettenberger Ortsteile in jüngster Zeit hat auch Launsbach stark profitiert: So wurde dort der erste Mehrgenerationen-Begegnungsplatz am Bürgerhaus verwirklicht, die Kita Mäusenest wurde um zwei U3-Gruppen erweitert und »Hinter dem Dorf« wurde ein attraktives Neubaugebiet erschlossen. 2021 steht die Erweiterung des Gewerbegebiets an sowie die Kernsanierung der »Nau Schul«, für die ein namhafter Betrag in den Etat eingestellt wurde. Auch wenn sich nicht jeder Wunsch realisieren lässt, haben uns viele Gespräche mit Launsbachern gezeigt, dass unser Engagement und die Ergebnisse vor Ort ein hohes Maß an Anerkennung finden.

CDU: Der Ortsteil Launsbach kommt nicht zu kurz: der erste der drei Mehrgenerationenplätze, neue Kita-Gruppen Zwergenland. Der Unmut über die Untätigkeit zur »Nau Schul« trotz sichtbaren Verfalls ist nachvollziehbar. Die CDU hat einen konkreten Vorschlag zu Erhalt und Sanierung in gemeindlicher Hand gemacht. Der Unmut im Kleinen darf nicht abgetan werden: Die Verwaltungsstelle Launsbach während der Urlaubszeit der Mitarbeiterin zu schließen, ist nicht akzeptabel, die Vertretung muss gesichert sein.

FW: Wir achten auf die Gleichbehandlung aller Ortsteile. Das ist in Launsbach u.a. am Mehrgenerationenplatz sowie der Kernsanierung der Kita zu erkennen. Um noch deutlicher Interessen zu vertreten, kandidiert auf Nr. 3 der ortskundige Andreas Bittendorf. Funktionsfähige Brunnen zu Brauchwasserentnahme, kontinuierliche Instandhaltung gemeindlicher Infrastrukur, Erhalt innerörtlicher »grüner Lungen« und Flächen für dörfliche Belange sind wichtig für alle Wettenberger. Den Antrag »Verkauf Belzgass« lehnten wir ab.

Grüne: Für uns Grüne sind alle drei Ortsteile gleich wichtig und liebenswert. Jeder hat seine Vorteile und Besonderheiten. Launsbach hat als erster Ortsteil einen Bürgerpark erhalten, hat als einziger Ortsteil einen Waldkindergarten und sowohl Bäcker als auch Nahversorger mitten im Dorf. Auch in den parlamentarischen Debatten kommt Launsbach regelmäßig und intensiv vor. Für uns Grüne sind unsere wichtigsten Wahlforderungen - Bekämpfung des Klimawandels, Verbesserung des Radverkehrs, Wohnraum in den Ortskernen und Verschönerung des Ortsbilds - nicht an einen Ortsteil gebunden. Gemeinsam müssen wir diese Punkte in allen Ortsteilen angehen.

FDP: Ortsteildenken liegt uns fern. Wichtig sind ein offenes Ohr und der stetige Dialog mit den Bürgern über ihre Anliegen. Damit kann ausgeschlossen werden, dass wichtige Themen verloren gehen und sich Bevölkerungsgruppen nicht vertreten fühlen. Eine Situation wie mit der denkmalgeschützten »Nau Schul« in Launsbach ist ärgerlich und geht an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger in Launsbach vorbei.

?Innerörtliche Nachverdichtung oder neue Bauplätze und Gewerbeflächen auf der grünen Wiese - wie wird die weitere Siedlungsentwicklung aussehen?

SPD: Um den Flächenverbrauch so gering wie möglich zu halten, sind Wohnflächen nach Möglichkeit in der bebauten Ortslage auszuweisen. Andererseits darf es zwischen den bestehenden Häusern keine Nachverdichtung im Übermaß geben. Zu Recht haben Anwohner für eine investorengetriebene Ausschöpfung der maximal zulässigen Nutzung kein Verständnis. Dass durch Neubauten gewachsene Gebietsstrukturen beeinträchtigt werden, haben wir durch behutsame Modernisierung unserer Bebauungspläne verhindert, siehe zuletzt »Am Wingert« in Wißmar. Unsere Maßgabe bleibt daher auch in Zukunft: Nachverdichtung in Maßen, da wo sie sinnvoll ist.

CDU: Nachverdichtung ist bei der starken Nachfrage nach Wohnraum nötig. Wir müssen sie auf den bebauten Flächen ermöglichen, weil wir die Zersiedelung der Landschaft ablehnen. Die alten Bebauungspläne müssen überarbeitet oder - falls nicht vorhanden - neu geschaffen werden, damit die Innenentwicklung geordnet und nicht investorgesteuert erfolgt. Der Charakter der Wohngebiete muss erhalten bleiben. Ermutigt werden sollen Aufstockungen oder der Umbau alter Gebäude auf heutigen Standard. Wir brauchen dabei Wohnraum für jeden Geldbeutel.

FW: Wir ziehen die Innenverdichtung aller drei Ortsteile der Ausweisung neuer Baugebiete vor. Sie muss, beginnend mit vorhandenen Baulücken, bedarfsorientiert, maßvoll, feinfühlig und unter Erhaltung unseres typischen Ortsbildes erfolgen. Fehlende innerörtliche Bebauungspläne werden aufgelegt. Wir unterstützen Mehrgenerationenwohnen. Der Bestandsgebäude-Umbau sowie die energetische Gebäudesanierung werden durch Programme gefördert und die Erweiterung des Gewerbegebietes Launsbach wird weiterhin unterstützt.

Grüne: Die Zukunft der Gemeinde liegt für uns in den Ortskernen; in den vielen Wohnungen und Häusern, die nicht vermietet sind. Oft gibt es Leerstand, weil ältere Menschen davor zurückscheuen, die 2. Wohnung, die für die Kinder gedacht war, an Dritte zu vermieten. Diese stillen Potenziale wollen wir aktivieren. Die Pläne am Wißmarer Festplatz begrüßen wir, obwohl hier die Anzahl der Wohneinheiten geprüft werden muss. Potenziale sehen wir z. B. auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Leib. Bei allen Nachverdichtungen wollen wir sicherstellen, dass der Charakter des Dorfes erhalten bleibt. Das Projekt Seegarten in seiner jetzigen Dimension lehnen wir ab.

FDP: Wir sehen vor allem Potenzial für eine behutsame Nachverdichtung in Siedlungsbeständen der 50er und 60er Jahre. Darüber hinaus gibt es alte Rahmen- und Bebauungspläne, die bezogen auf die städtebauliche Dichte nicht zeitgemäß sind. Diese sollen überprüft und ggf. angepasst werden. Die fortlaufende Nutzung aufgedeckter Pozentiale aus den überarbeiteten Bebauungsplänen sowie Aufstockungen und Dachausbauten können einen wirksamen Beitrag zur Entspannung am Wohnungsmarkt leisten.

?Wo wollen Sie ansetzen, um die innerörtliche Mobilität zu verbessern?

SPD: Eine Patentlösung, wie man zugeparkte Straßen zu lebenswerten Orten machen kann, hat noch niemand gefunden. Aber die Themen Sicherheit - gerade für spielende Kinder - und Attraktivität unserer Ortsteile werden immer wichtiger. Daher müssen wir Angebote machen zum Umsteigen und zum »Umparken«. Denn klar ist: Die Verkehrswende kann nur mit den Bürgern funktionieren. Dazu müssen die Angebote stimmen. Wir werden das Fahren mit dem Rad, E-Bike und mit dem Wettenberger »Bussi« attraktiver machen. Dazu gehört eine Direktverbindung nach Biebertal ebenso wie der Ausbau bestehender und die Ausweisung zusätzlicher Radwege, auch in den Dorfkernen.

CDU: Wir wollen Anrufsammeltaxen mit vielen Haltestellen, wenn man sie braucht, statt des leeren »Bussis«. Wir brauchen eine Buslinie von Biebertal über Wettenberg zum Bahnhof in Gießen. Fahrradwege müssen innerörtlich gepflegt und zwischen den Ortsteilen verbessert werden. Gehwege und Überwege müssen auf Barrierefreiheit überprüft werden. In engen Straßen ist Parkverbot erforderlich, damit Feuerwehr und Krankenwagen überall durchkommen. Einbahnstraßen sollten in Einzelfällen überdacht werden.

FW: Alle Ortsteile erhalten zentral gelegene E-Bike Ladesäulen und wir fördern deren Nutzung. Die Radwege zwischen den Ortsteilen werden verbessert und machen den innerörtlichen Kfz-Verzicht lukrativer. Wir fordern ein Nahmobilitätskonzept mit Ausweitung des ÖPNV und kostenfreier und erweiterter Nutzung des Wettenberger »Bussi«. Engstellen und überbelastete Verkehrswege werden geprüft und Alternativen geplant. Verbesserte Stellplatzmarkierungen im öffentlichen Bereich fördern das geordnete Parken.

Grüne: Im öffentlichen Verkehrsraum sind für uns alle Fortbewegungsarten gleichberechtigt. Alle sollen sich darin ungefährdet bewegen können und müssen angemessen berücksichtigt werden. Nur so gelingt die Verkehrswende. Entsprechend ist der Masterplan um die Wegebeziehungen der Kinder und Jugendlichen zu ergänzen. Insgesamt sind Fußgänger und Radfahrer mehr zu beachten. Maßnahmen sind: Verbesserung des ÖPNV, ein Budget für den Ausbau/Erhalt der Radwege auf Basis der Empfehlungen des ADFC (30 Euro je Einwohner:in p.a.), bedarfsgerechter Betrieb des »Bussi«, Ladesäulen in wichtigen Ortslagen.

FDP: Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Direktverbindung mit dem Bus nach Gießen, ob zum Einkaufen oder für Pendler direkt zum Bahnhof, verbessert und in einen nachfrageorientierten Takt überführt wird. Mitfahrbänke als innovatives und nachhaltiges Angebot können die Mobilität innerhalb und zwischen den Ortsteilen er- höhen. Sichere und ausreichend dimensionierte Fahrradabstellmöglichkeiten sowie Ladestationen für E-Bikes unterstützen die alternative Mobilität .

Die ehemalige Launsbacher Schule, die »nau Schul« .

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