Eine Frage der Größe

  • Rüdiger Soßdorf
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Gießen (so). Als »NimmMit« in den 1990er Jahren vor den Toren von Gießen in Heuchelheim Möbel verkaufte, wurde folgende Frage heftig diskutiert: Wie viel Einzelhandel darf es wo geben? Was gehört in ein Oberzentrum wie Gießen, was darf in einem Unterzentrum nicht angesiedelt werden? Auch bei dem einen oder anderen Einkaufsmarkt, der 1000 Quadratmeter an Verkaufsfläche reißt, wird darum gerungen.

Ist das nötig? Und vor allem: Ist das an dem gewünschten Standort erlaubt, wenn die Gemeinde nicht eine bestimmte Größe hat?

Grundversorgung sicherstellen

Die altbekannte Diskussion wird auch beim Ausarbeiten des neuen Regionalplans für Mittelhessen wieder diskutiert. Demnach ist großflächiger Einzelhandel nur in den Kernstädten von Ober- und Mittelzentren zulässig. Die Fachleute nennen dies Zentralitätsgebot.

Dient großflächiger Einzelhandel der Grundversorgung, etwa mit Lebensmitteln, dann ist ein solcher Markt auch in zentralen Orten von kleinen Gemeinden (im Regionalordnungsdeutsch: »Grundzentren«) erlaubt. Ausnahmsweise soll dies auch in nicht zentralen Orts- oder Stadtteilen möglich sein. Jedenfalls dann, wenn die Grundversorgung im zentralen Ort einer Gemeinde sichergestellt ist und durch den weiteren Markt nicht gefährdet wird. Das jedenfalls hat die SPD in den Fachausschüssen der Regionalversammlung beantragt - und erfährt dabei Unterstützung unter anderem von CDU, Freien Wählern und FDP.

Warum dieser Wunsch nach einer Ausnahme von der Regel? Damit auch auf den Dörfern flächendeckend eine Versorgung sichergestellt ist. Vor allem für die nicht mobilen Menschen. Stichworte sind da Wohnqualität und Daseinsvorsorge. Zumal dies letztlich auch Verkehr reduziert.

Dieses Abweichen vom Zentralitätsgebot wird vom Land abgelehnt, und auch die Grünen artikulieren Bedenken. Eine Entscheidung steht aus.

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