Eine Folge des Bundestrends?

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Wetzlar/Biebertal/Wettenberg (lkl). Hans-Jürgen Irmer zieht sich nicht aus der Politik zurück. Entsprechende Berichte, wonach er dies noch am Wahlabend angekündigt habe, wies der CDU-Politiker auf Anfrage dieser Zeitung zurück. »Ich habe nur gesagt, dass ich jetzt etwas mehr Freizeit habe«, erklärte der 69-Jährige, der am Sonntag den Einzug in den Bundestag verpasst hat.

Das sei logischerweise so, da er nun nicht mehr 20 oder 21 Wochen im Jahr nach Berlin fahre. »Aber ich bin Fraktionsvorsitzender der Kreistagsfraktion, und die Politik macht mir nach wie vor viel Freude«, sagte Irmer. »Ich habe auch eine Verpflichtung meinen Parteifreunden gegenüber, die mich im Übrigen mit einem fantastischen Wahlkampf unterstützt haben, auch wenn die Rahmenbedingungen nicht so waren, wie wir uns das vorgestellt haben.«

Irmer: »Historischer Fehler« der CDU

Für den Verlust des Direktmandates, das er vor vier Jahren im Wahlkreis 172, zu dem auch Wettenberg und Biebertal gehören, gegen die SPD-Kandidatin Dagmar Schmidt gewonnen hatte, macht Irmer den Bundestrend verantwortlich. Bei einem Minus von etwa neun Prozent für die CDU und einem Plus von über fünf Prozent für die SPD laufe das auf ein Saldo von ca. 14 Prozent hinaus. »Als einzelner Kandidat können Sie einen solchen Bundestrend nicht umkehren«, sagte Irmer, der die Wahl des Kanzlerkandidaten durch das Präsidium der Bundes-CDU als eine » historische Fehlentscheidung« betrachtet, während sein Wahlkampf vor Ort gut gelaufen sei. »Wir haben über fünf Prozent mehr Erststimmen als Zweitstimmen. Das ist ein Zeichen dafür, dass die persönliche Arbeit durchaus anerkannt wird«, so Irmer.

SPD-Kandidatin Dagmar Schmidt, die sich mit 33,05 Prozent der Erststimmen gegen Irmer durchsetzte, sieht den Erfolg der Bundes-SPD ebenfalls als Faktor für ihren Erfolg. »Der Bundestrend ist schon etwas, das einem Rückenwind gibt«, sagte sie. »Aber trotz allem muss man das Direktmandat dann auch nach Hause bringen.«

Da sowohl die Linkspartei als auch die Grünen im Wahlkreis 172 einen ausgeprägten Erststimmenwahlkampf geführt hätten, sei sie »schon auch ein bisschen stolz« auf ihr Ergebnis. »Ich glaube, dass ich in den letzten acht Jahren gezeigt habe, dass ich ansprechbar bin und die Probleme vor Ort kenne - und so möchte ich gerne weitermachen«, sagte Schmidt, die seit 2013 im Bundestag sitzt.

Irmer will zur nächsten Bundestagswahl altersbedingt allerdings nicht mehr antreten. »Ich schaue gelegentlich auf meinen Personalausweis und bin dankbar dafür, dass ich ein viertel Jahrhundert die Ehre hatte, im Landtag und zuletzt im Bundestag etwas für die Menschen in der Region zu bewirken«, erklärte der 69-Jährige. Die CDU werde in vier Jahren mit einem anderen Kandidaten antreten. »Wir haben so viele tolle junge Leute in der CDU, da ist mir überhaupt nicht bange.«

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