Hühner dürfen nur an Stellen gefüttert werden, zu denen Wildvögel keinen Zugang haben. FOTO: DPA
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Hühner dürfen nur an Stellen gefüttert werden, zu denen Wildvögel keinen Zugang haben. FOTO: DPA

Eindringlicher Appell der Veterinäre

  • vonred Redaktion
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Gießen(pm). Hans-Peter Stock wählt deutliche Worte: "Die Einschleppung der Geflügelpest in den Landkreis Gießen sollte mit allen Möglichkeiten verhindert beziehungsweise sehr früh eingedämmt werden", sagt der Dezernent für Veterinärwesen im Landkreis Gießen. Er und das Team der Kreis-Veterinäre appellieren dringend, die erforderlichen Biosicherheitsmaßnahmen in Hausgeflügelbeständen einzuhalten.

Die jetzt geltenden Vorgaben fußen auf einer neuen Risikoeinschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts zum Eintrag der Geflügelpest durch Wildvögel nach Deutschland. Danach wird das Risiko der Einschleppung derzeit als hoch eingestuft. Das Hessische Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat daher ein Merkblatt herausgegeben, das sich an alle Geflügelhalter wendet, insbesondere an die Verantwortlichen von kleineren Geflügelhaltungen mit weniger als 100 Tieren.

So dürfen Hühner, Enten und anderes Federvieh grundsätzlich nur an Stellen gefüttert werden, zu denen Wildvögel keinen Zugang haben. Auch die Tränke und das verwendete Wasser muss für Wildvögel unzugänglich sein. Futter, Einstreu, Gerätschaften und Maschinen, mit denen das Hausgeflügel in Berührung kommen kann, müssen so aufbewahrt werden, dass Wildvögel nicht damit in Berührung kommen können, um direkten und indirekten Kontakt der Tiere außerhalb und innerhalb des Geheges zu verhindern.

Beim Betreten und Verlassen der Geflügelställe ist auf Hygiene zu achten. Was bei großen Geflügelhaltungen grundsätzlich vorgeschrieben ist, sollte deshalb jetzt auch für kleine Haltungen berücksichtigt werden. Dazu gehört das gründliche Händewaschen mit Seife und die Trennung zwischen Straßen- und Stallkleidung. Zudem sollten nur Personen zu den Tieren gelassen werden, deren Besuch unbedingt erforderlich ist. Auch Hunde und Katzen gelten als Gefahr, ebenso Nagetiere, deren Bekämpfung deswegen angeraten ist.

Dr. Stefanie Graff, kommissarische Fachdienstleiterin des Veterinäramts und im Landkreis für die Eindämmung und Bekämpfungen von Tierseuchen zuständig, erinnert an die ohnehin geltende Meldepflicht sämtlicher Tierhaltungen und das Führen eines Bestandsregisters gemäß den geltenden Vorgaben. "Bitte nehmen Sie zusätzlich die neuen Vorgaben ernst und helfen Sie mit, dass die Geflügelpest in unserer Region kein leichtes Spiel hat", ruft sie auf.

Höheres Risiko als 2019

Laut Loeffler-Instituts besteht in diesem Herbst oder Winter im Vergleich zum vergangenen Jahr ein höheres Risiko, dass durch Zugvögel Geflügelpest verbreitet wird. "Da der Vogelzug in den nächsten Wochen seinen Höhepunkt erreichen wird, sind die vorgeschriebenen Biosicherheitsmaßnahmen wichtig, damit das Virus nicht in Geflügelhaltungen eingeschleppt wird", sagt Expertin Graff.

Das Merkblatt des Ministeriums steht zum Download auf der Internetseite des Kreises unter www.kgi.de bereit.

Das Friedrich-Loeffler-Institut empfiehlt außerdem eine erhöhte Wachsamkeit gegenüber Wildvogel-Totfunden. Im Landkreis Gießen verendete Wildvögel, insbesondere Wasservögel, Greifvögel, Eulen und Schreitvögel, sollten dem Fachdienst Veterinärwesen gemeldet werden, Telefon: 06 41/93 90-62 00, E-Mail: poststelle.avv@lkgi.de.

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