Kein Krater, sondern eine Baugrube: In dieser Vertiefung entsteht das Fundament für eines von drei Windrädern im Staufenberger Stadtwald.
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Kein Krater, sondern eine Baugrube: In dieser Vertiefung entsteht das Fundament für eines von drei Windrädern im Staufenberger Stadtwald.

Im Stadtwald

Neuer Windpark in Staufenberg soll 8000 Haushalte versorgen können

  • Jonas Wissner
    VonJonas Wissner
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Die Energiewende kommt in Staufenberg voran: Bei einem Vor-Ort-Termin haben die Projektverantwortlichen nun über die entstehenden Windräder und Möglichkeiten der Beteiligung informiert.

Noch lässt sich auf der Baustelle im Staufenberger Stadtwald und nahe der Grenze zu Hachborn kaum erahnen, dass hier ab nächstem Sommer drei Windkraftanlagen Strom erzeugen sollen - doch immerhin gibt ein Windrad bei Hassenhausen in Sichtweite schon mal einen Eindruck, was hier entsteht: Bei einer Besichtigung der Fläche für den »Windpark Lumdatal« haben am Samstag Bürgermeister Peter Gefeller und weitere Projektbeteiligte einigen Interessierten erklärt, wie die konkrete Planung für Bau und Betrieb aussieht. Zuvor hatte Förster Jacob Thomaka an mehreren Stellen den teils besorgniserregenden Zustand des Waldes erläutert.

Rund drei Hektar Fläche nimmt das Bauprojekt laut Gefeller in Anspruch. »Bäume mussten in nicht unerheblichem Maße gefällt werden, das ist klar«, allerdings seien zumindest jene Richtung Treis ohnehin weitgehend durch den Borkenkäfer befallen gewesen. Laut dem Bürgermeister wird der Eingriff in die Natur durch Aufforstung an anderer Stelle ausgeglichen.

Über die Bauplanung informierte Guido Marks, Geschäftsführer der Max Bögl Eventus GmbH (Generalunternehmerin). Die Windräder bei Hassenhausen seien circa 200 Meter hoch - ein paar Dutzend Meter weniger als ihre künftigen Staufenberger Nachbarn, so Marks. Von Staufenberg aus werde man aber wohl keinen gravierenden Höhenunterschied sehen. Die Nabenhöhe (Rotormitte) der neuen Anlagen betrage 166 Meter.

Zunächst würden nun die Fundamente mit je 24,5 Metern Durchmesser errichtet, dann ein Betonturm aus Dutzenden, je 1,80 Meter hohen Ringen, die aufeinandergesetzt werden. Oberhalb davon werde Stahl verbaut. Die Betonringe werden laut Marks über Spannstahl mit dem Kopf der Windkraftanlagen verbunden.

Ursprünglich seien vier Anlagen mit je 4,8 Megawatt Leistung geplant gewesen. Doch dank der höheren Leistung der nun verwendeten Turbinen (je sechs Megawatt) reichten drei Anlagen aus. Geplant sei, den Turbinenbau im Mai abzuschließen und die Windräder im August in Betrieb zu nehmen, zunächst für eine mehrwöchige Testphase. Marks: »Wir gehen davon aus, dass wir Ende 2022 ein abgenommenes Projekt haben.«

Die Gesamtleistung der drei Windräder werde ausreichen, um 8000 Haushalte zu versorgen, laut Gefeller etwa das 1,6-fache des Staufenberger Stromverbrauchs. Jedoch fließt der erzeugte Strom nicht gezielt dorthin, sondern wird über ein im Bau befindliches Umspannwerk in Fronhausen ins Stromnetz eingespeist. Die Anlagen seien für 25 Jahre genehmigt und zertifiziert, eine Verlängerung danach möglich, sagte Marks.

Eine Besonderheit des Projekts: Als Betreiberin steht eine Bürgerenergiegesellschaft bereit, laut Gefeller nach ähnlichem Prinzip wie beim Solarpark »Buchenberg«. Kommunen und Bürger sollen paritätisch beteiligt werden. Jene zehn Kommunen, die bereits zur Energiegesellschaft Lumdatal gehören, »haben Erstzugriffsrecht«, so Gefeller, wobei jeweils die Parlamente entscheiden müssten. Bürger aus diesen Kommunen könnten dann über die Busecker Sonnenland eG mitmachen. Gefeller rechnet mit einem hohen Interesse. Neben Gewinnen über die Beteiligung erzielt Staufenberg auch Pachteinnahmen. Das eingebrachte Eigenkapital von Kommunen und Bürgern werde sich auf etwa sechs Millionen Euro belaufen, der Rest der Herstellungskosten (insgesamt etwa 30 Mio. Euro) durch Banken finanziert.

Sonnenland-Vertreter Uwe Kühn betonte, es sei ein Vorteil, dass Bürger durch die Genossenschaftsstruktur nicht selbst zu Unternehmern werden müssten. »Ziel war von Anfang an, die Wertschöpfung in der Region zu halten«, so Kühn. Er gehe von einer Verzinsung von zwei bis drei Prozent aus. Kühn weiter: »Es soll kein Windhundrennen werden, sondern alle sollen zum Zug kommen.«

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