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»Ein ziemlicher Kraftakt«

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Von: Gabriele Krämer

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Im Rathaus - hier ein Blick von der Oberstadt aus - fließen die Ideen für das umfangreiche Antragspaket zusammen. © Gabi Kraemer

Diesmal soll es klappen - aber die Zeit drängt: Bis 31. März muss der Antrag auf den Weg gebracht sein, an dessen Ende für Lich die Aufnahme in das hessische Dorfentwicklungsprogramm stehen könnte. Profitieren sollen Kernstadt und Stadtteile.

Die erste Fragerunde ist längst absolviert - in den Ortsbeiräten. Deren Mitglieder sind um Ideen kaum verlegen, wenn es darum geht, wie Fördermittel vor Ort sinnvoll einzusetzen wären. In Nieder-Bessingen wäre etwa die Umgestaltung das Dorfplatzes denkbar, in Birklar könnte ein Leerstand erworben und zu einem Begegnungsort umgebaut werden, in Eberstadt gibt es Vorschläge rund um das großzügige »Pfaffenhof«-Areal, Ober-Bessingen hat Bedarf an einer Ertüchtigung des Jugendraums und in Bettenhausen liegt der Fokus auf der künftigen Nutzung des alten Spritzenhauses. Öffentliche Mittel für Vorhaben wie diese könnten, wenn es gut läuft, bald bereitstehen.

Die Stadt Lich bewirbt sich mit allen Stadtteilen um die Aufnahme in das hessische Dorfentwicklungsprogramm. Ziel des Förderprogramms ist es, die Orte in den ländlichen Räumen als attraktiven und lebendigen Lebensraum zu gestalten. »Wir sind willens und sehr, sehr motiviert, in dieses Programm reinzukommen«, unterstrich Bürgermeister Dr. Julien Neubert am Donnerstag vor Pressevertretern. Bei einer Aufnahme dürfe Lich mit Fördergeldern »im siebenstelligen Bereich« rechnen.

Geld, das für den Ausbau der Infrastruktur wichtig ist. Die Stadt ist im Zeitraum von 2012 bis 2022 um 1000 auf insgesamt 15 200 Einwohner angewachsen (Haupt- und Nebenwohnsitze); das ist unterm Strich ein neuer Stadtteil. »Es gibt in Hessen eigentlich kein richtiges Förderprogramm, das zugeschnitten ist auf Kommunen, die massiv wachsen«, merkte Neubert kritisch an.

Bereits vor zwei Jahren hatte sich die Stadt für eine Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm beworben, hatte ein 50-seitiges Antragspaket geschnürt - und wurde abgelehnt: Lich erfüllte die damaligen Kriterien nicht, die im wesentlichen aus der (zu hohen) Einwohnerzahl resultierten.

Motivation für den neuen Anlauf: Das Bewerbungsverfahren für die neue EU-Förderperiode ab 2023 wurde vereinfacht. »Wind« davon bekommen hatten die Licher im Sommer. Die Mindestanforderungen an das kommunale Entwicklungskonzept als Fördergrundlage wurden deutlich reduziert und lösen das bisherige »IKEK« (integriertes kommunales Entwicklungskonzept) ab. Das neue Konzept wird im Vorfeld des Dorfentwicklungsprozesses erstellt und als Bewerbung eingereicht. »Grünes Licht« dafür gab es im November. »Ein ziemlicher Kraftakt«, sagte Neubert mit Blick auf die kurze Zeitspanne, in der alles zusammenzustellen ist. Zugutekommt die Vorarbeit von 2021.

Mit der Erstellung des kommunalen Entwicklungskonzeptes (KEK) hat die Stadt ein Fachbüro aus Wetzlar beauftragt; dafür gibt es eine Förderung im Rahmen der Dorfmoderation. Die Diplom-Geografen Andreas Richter und Henriette Klinkhart haben längst jeden Stadtteil erkundet, um ihre aufwendigen Erhebungen mit Eindrücken und Gesprächen vor Ort abzurunden. Nun sind die Bürger gefragt (siehe Kasten). Die Dorfentwicklung bietet auch Privatleuten die Möglichkeit, für Vorhaben der Daseinsvorsorge und der Grundversorgung sowie für Sanierung und Neubauten in den Ortskernen Fördermittel zu erhalten. Damit umfassen die Fördermöglichkeiten neben den klassischen Gebäudeinvestitionen auch soziale und kulturelle Vorhaben, wie etwa Begegnungsstätten. Auch eine Unterstützung von städtebaulich verträglichem Abriss von Gebäuden ist möglich.

Vorbehaltlich der Zustimmung durch das Stadtparlament am 29. März wird das Antragspaket fristgerecht zum 31. März auf den Weg gebracht. Die Anerkennung der neuen Förderschwerpunkte ist für September 2023 geplant.

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