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Ein weiteres schwieriges Jahr

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Von: Lena Karber

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Wie in den meisten Freibädern hierzulande wurden in Laubach in diesem Jahr weniger Besucher gezählt als 2020. ARCHIVFOTO: PM © Red

Der Sommer 2020 war für die Freibäder wegen der Pandemie sehr schwierig, keine Frage. Allerdings könnte man rückblickend sagen: Zumindest das Wetter hat gepasst. In diesem Jahr kamen zu den Corona-Regeln auch noch eine Menge Regen und wenig wirklich sommerliche Tage. Wie hat sich das auf die Besucherzahlen ausgewirkt?

Große Unsicherheit, verspätete Öffnungen und strenge Hygieneregeln - der erste Corona-Sommer im vergangenen Jahr war für die Betreiber von Freibädern hierzulande eine besondere Herausforderung. Das schlug sich auch in den Besucherzahlen nieder, die bisweilen um rund 32 bis 62 Prozent zurückgingen. Doch nun, ein Jahr später, fällt die Bilanz nicht besser aus, im Gegenteil. Schließlich konnte der Sommer 2021 in puncto Freibadwetter nicht mit dem ersten Corona-Sommer mithalten, während die Pandemie abermals für Einschränkungen sorgte. Beispielsweise durften die hiesigen Freibäder erst öffnen, nachdem der Landkreis Gießen am 30. Mai die zweite Stufe des hessischen Stufenplans unterschritten hatte. Zudem galten weiterhin Zugangsbeschränkungen und Hygieneregeln.

Insofern verwundert es nicht, dass einige Freibäder in diesem Jahr einen weiteren Rückgang der Besucherzahlen hinnehmen mussten. So verzeichnete Hungen im Vergleich zum ersten Corona-Sommer ein Minus von etwa 16 Prozent und hatte damit nur etwa halb so viele Gäste wie vor zwei Jahren, als die Sonne schien und das Virus noch kein Thema war. Und auch in Laubach, Krofdorf und Ettingshausen fanden sich weniger Badegäste ein als im Vorjahr.

Hinzu kommt, dass in einigen Schwimmbädern nicht alle Gäste zahlende Gäste waren, denn mancherorts hatten die Kommunen beschlossen, Kindern und Jugendlichen in diesem Jahr freien Eintritt zu gewähren. »Wir haben 344 Karten kostenlos an Jugendliche ausgegeben, diese wurden insgesamt 546 mal genutzt«, berichtet der Wettenberger Bürgermeister Thomas Brunner. In Laubach haben laut der städtischen Bäder GmbH 992 Kinder und Jugendliche die Möglichkeit des freien Eintritts genutzt.

Immer mehr private Pools

Zudem hat sich die Freibadnutzung verändert, wie man in Hungen beobachtet hat. »Unser Freibad wurde mehr als Sportstätte zum ausgiebigen Schwimmen, weniger für Freizeitaktivitäten und Sommertreffpunkt im Freien genutzt«, sagt Thomas Ewert.

Aus Lollar und Lich liegen für diese Saison noch keine finalen Zahlen vor. Während der Lollarer Betreiber Michael Langelage von einer »relativ normalen Saison« spricht, gibt es in Lich jedoch eine Besonderheit: Gemessen an den Besucherzahlen bezeichnet Markus Schneider, zweiter Vorsitzender des Vereins »Sport Erholung & Kultur« (SEK), die Saison wegen des Wetters als »durchwachsen«. Allerdings habe die Pandemie hier für einen positiven Nebeneffekt gesorgt. »Wir haben einen sehr hohen Mitgliederzuwachs«, erklärt Schneider. Dies könnte damit zusammenhängen, dass bei hoher Auslastung bisweilen nur noch Vereinsmitglieder Zugang hatten.

Keinen weiteren Rückgang der Besucherzahlen haben indes zwei Freibäder aus dem Kreisgebiet verzeichnet, bei denen dieser im vergangenen Jahr besonders deutlich ausgefallen war: Linden und Grünberg. »Unter Corona-Bedingungen können wir auf eine gute Saison zurückblicken«, bilanziert daher Florian Jochim für die Stadt Linden und lobt das Verhalten der Gäste, die durch das Einhalten der Regeln zu einem reibungslosen Ablauf beigetragen hätten. Diese Erfahrung teilt man auch in Ettingshausen, weshalb die Gemeinde Reiskirchen sowie der Betreiber laut Gabriele Reichold »trotz der erschwerten Situation zufrieden sind« - auch wegen des positiven Feedbacks der Besucher.

Bessere Zahlen als 2020 meldet Grünberg, wo die Saison wegen Verzögerungen beim Aufbau der neuen Sprunganlage erst am 11. Juni starten konnte. Nachdem das Freibad im vergangenen Jahr einen sehr deutlichen Rückgang bei den Besucherzahlen verzeichnet hatte, profitierte man laut Hauptamtsleiter Edgar Arnold nun von den Erfahrungen der ersten Corona-Saison, vor allem was die Umsetzung der Hygieneauflagen anging. Und so erhöhte die Stadt die maximale Besucherzahl von 300 auf 500 und nutzte die behördliche Vorgabe von zehn Quadratmeter je »Wasserratte« diesmal voll aus. Am Ende standen 1758 Besucher mehr zu Buche als im Vorjahr - und auch die 75 000-Euro-Investition für die Sprunganlage hat sich laut Arnold gelohnt. »Die ist sehr gut angenommen worden«, berichtet er.

Neben Corona, dem Wetter und dem verspäteten Saisonstart der Freibäder nennt Michael Köppen, Geschäftsführer der Laubacher Bäder GmbH, noch einen weiteren Faktor, der sich auf den Rückgang der Besucherzahlen ausgewirkt haben könnte: die stetig steigende Zahl der privaten Pools. Dieser Trend war zwar schon zuvor zu erkennen gewesen, hat durch die Pandemie jedoch weiteren Antrieb bekommen - und könnte die Freibad-Betreiber möglicherweise noch länger beschäftigen.

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