»Ein Schlag ins Gesicht«

  • vonRoger Schmidt
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Gießen (rge/bf). Die Reaktionen der Chor- und Orchestervereine auf die neuesten Regelungen, die das hessische Sozialministerium im Hinblick auf Freizeitaktivitäten und Veranstaltungen erlassen hat, ließen nicht lange auf sich warten. Von »extrem verärgert« bis zu »einem Schlag ins Gesicht« reichen sie. Kurzum: Die hiesige Szene ist reichlich verstimmt.

Genau genommen geht es um zwei Formulierungen in der jüngsten Corona-Verordnung. »Es wird davon ausgegangen, dass ein besonderes öffentliches Interesse für Chorproben nicht besteht; Chor- und Orchesterproben, die nicht beruflich bedingt sind und für die deshalb kein öffentliches Interesse besteht, dürfen daher aktuell nicht stattfinden« heißt es. Und weiter: »Zusammenkünfte und Veranstaltungen mit geselligem Charakter (z.B. Chorproben, Junggesellinnen- und Junggesellenabschiede) können aufgrund der aktuellen pandemischen Lage nicht im besonderen öffentlichen Interesse stehen.«

Die neueste Verordnung stelle die Arbeit der Vereine so dar, als ob es dort nur um Feiern und Geselligkeit gehe, kritisieren Klaus Kummer, Vorsitzender des Sängerbundes Hüttenberg-Schiffenberg, und Daniel Rac, Chef des Sängerkreises Gießen. Das man gar in einem Atemzug mit Junggesellenabschieden genannt werde, stößt den Beteiligten besonders bitter auf.

Protestbrief an Bouffier

Die Chöre würden seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag für die kulturelle Vielfalt und das soziale Miteinander leisten, so die beiden Vorsitzenden. Bei Gedenkveranstaltungen werde man von der Politik gerne gesehen, ansonsten anscheinend nicht, das könne man nun unterstellen. Das Ministerium habe jedenfalls den Blick für die Basis verloren, urteilen sie. Die Empörung geht gar so weit, dass der Hessische Sängerbund nun zu einem Protestbrief an Volker Bouffier aufgerufen hat.

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