Befallen vom Eichenprozessionsspinner: In diesem Jahr wurden vor allem in Wettenberg etliche Nester entfernt. ARCHIVBILD: SCHEPP
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Befallen vom Eichenprozessionsspinner: In diesem Jahr wurden vor allem in Wettenberg etliche Nester entfernt. ARCHIVBILD: SCHEPP

Gesundheit

Eichenprozessionsspinner hält Kommunen im Kreis Gießen auf Trab

  • vonLena Karber
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2019 stellte der Eichenprozessionsspinner etliche Kommunen vor große Probleme. Und auch in diesem Jahr können die umfangreichen Präventivmaßnahmen die Gefahr nicht vollständig bannen.

Am Tag nach dem ersten Freibadbesuch des Jahres war der Schock bei einer Mutter aus Launsbach groß: Der Körper ihrer Kleinen war komplett übersäht mit roten, juckenden Pünktchen. Ein Besuch beim Kinderarzt bestätigte ihre Befürchtung: Der große Baum, unter dem die Dreijährige im Freibad Gleiberger Land so schön gespielt hatte, war vom Eichenprozessionsspinner befallen.

Seit einigen Jahren hat sich die Schmetterlingsart, deren Raupen durch ihre feinen Brennhärchen beim Menschen allergische Hautreaktionen auslösen können, in Deutschland verbreitet und stellt die Kommunen vor neue Herausforderungen. So wie in diesem Jahr in Wettenberg. "Wir verzeichnen den stärksten Befall, seit der Eichenprozessionsspinner bei uns in Wettenberg aufgetreten ist", sagt Rathaus-Chef Thomas Brunner. Die Gemeinde hat nach dem Vorfall umgehend gehandelt, schon im Vorfeld hatte sie etliche Nester aus Eichen entfernt.

Doch die Bilanz im gesamten Kreis Gießen fällt unterschiedlich aus. Kommunen wie Langgöns, Staufenberg und Buseck gehen davon aus, dass der Befall mit dem Aufkommen im vergangenen Jahr vergleichbar ist. Lollar und Heuchelheim vermelden hingegen sogar einen deutlich geringeren Eichenprozessionsspinner-Befall als im Jahr 2019.

Markus Steinbichler, der mit seiner Fachfirma für Schädlingsbekämpfung in diesem Jahr unter anderem schon in Staufenberg, Großen-Buseck und Langgöns im Einsatz war, stuft das Problem in diesem Jahr generell als eher gering ein. "Gegenüber dem vergangenen Jahr haben wir in diesem Jahr verhältnismäßig wenig", sagt er. Und im Kreis Gießen sei es sogar "fast gar nichts". Woran das liegt, kann Steinbichler nicht genau sagen. "Wir hatten noch einmal einen sehr späten Frost, vielleicht sind da einige Raupen abgestorben", vermutet er.

Trotzdem hat Steinbichler auch schon größere Vorkommen gesichtet. Wenn man Richtung Frankfurt fahre, sehe man nach der Raststätte Wetterau links und rechts von der Autobahn Waldgebiete, in denen die Bäume komplett kahlgefressen seien, erzählt er. "Man sieht von der Autobahn die Nester in den Bäumen hängen." In Wäldern sei das jedoch nicht ungewöhnlich, Waldbesitzer würden meist erst handeln, wenn die Bäume durch Laubabfraß geschädigt würden.

Anders steht es jedoch um viel frequentierte Wege und Plätze. Dort wird in der Regel schnell reagiert oder im Vorfeld bereits präventiv gehandelt. Dies berichten auch die Verantwortlichen der Kommunen im Kreis Gießen. Zu den Orten, auf die ein besonderes Augenmerk gelegt wird, zählen etwa Kindergärten, Schulen, Schwimmbäder, Friedhöfe, Sportplätze und Parks.

Während Lollar, um auf eine "Chemiekeule" zu verzichten, auf die gezielte Entfernung von Nestern durch einen Baumkletterer setzt, haben Heuchelheim, Langgöns, Staufenberg, Lich und Buseck im Frühjahr gespritzt - in der Regel mit biologischen Mitteln. "Dies hat erneut sehr gut und auch eine großflächige Ausbreitung ist bis dato nicht zu verzeichnen", heißt es aus Langgöns. Dort setzt man wie im Vorjahr auf den Bacillus thuringiensis, ein Bakterium, das Insektenlarven tötet.

Auch Fachmann Steinbichler glaubt, dass die Präventivmaßnahmen hierzulande Wirkung zeigen. "Die Bäume, die wir im Frühjahr behandelt haben, haben gar nichts." Zwar gebe es immer wieder einzelne Bäume mit Befall, wo man aktiv werden müsse, aber das halte sich im Rahmen. "Wir sind mit dem Absaugen so gut wie durch", berichtet er. Das Problem mit dem Eichenprozessionsspinner dürfte im Kreis Gießen für dieses Jahr also weitgehend im Griff sein.

Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Davon können die Verantwortlichen in Wettenberg berichten. Auch dort waren im Vorfeld umfangreiche Maßnahmen eingeleitet worden. Bürgermeister Brunner gibt einen Einblick: Bei Baumpflegearbeiten im Bereich des Waldkindergartens wurden zwei alte Nester entfernt, außerdem wurde die gesamte Fläche im Verneblungsverfahren behandelt. Im Bereich der Launsbacher Seen wurden 20 Nestern aus zwei Eichen geholt und im Westpark wurden insgesamt 24 Bäume gesäubert. Auch aus der Eiche im Freibad Gleiberger Land, unter der das dreijährige Mädchen in Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner kam, waren im Vorfeld acht Nester entfernt worden. Die Kommunen, das sagen Brunner und auch Experte Steinbichler, müssen jederzeit auf kurzfristige Einsätze vorbereitet sein.

Als die Verantwortlichen der Gemeinde Wettenberg vom Vorfall im Freibad hörten, haben sie noch am selben Tag den Baum abgesperrt. Die Mutter des betroffenen Kindes jedenfalls war trotz der eigenen misslichen Lage voll des Lobes für die Reaktion aus dem Rathaus: "Das fand‹ ich wirklich gut, dass sie direkt gehandelt haben."

Eine ganzjährige Gefahr

Der Eichenprozessionsspinner ist eine Schmetterlingsart, deren Raupen ab dem dritten von sechs Entwicklungsstadien feine Brennhärchen entwickeln, die bei Mensch und Tier schwere allergische Reaktionen auslösen können. Die Gefahr besteht etwa ab Mai. Zwischen Mitte und Ende Juni verpuppen sich die Raupen, doch die Gespinnster, die sie dabei bilden und in den Bäumen hinterlassen, lösen ebenfalls toxische Reaktionen aus. Daher sind auch Altnester eine Gefahr.

Markus Steinbichler, der eine Fachfirma in Pohlheim betreibt, hat die ersten Eichenprozessionsspinner im Kreis Gießen vor 15 Jahren bekämpft. Die Größe des Vorkommens schwanke von Jahr zu Jahr, sagt er. In diesem Jahr sei der Befall eher gering.

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