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Seit 27 Jahren lebt Alida Leimbach in Buseck. Kürzlich ist ihr neuer Kriminalroman »Tod unterm Nierentisch« erschienen.

Eiche-Vollholz und WM-Euphorie

  • Lena Karber
    vonLena Karber
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Mitten in der WM- Euphorie von 1954 wird ein Friseur erschossen. War es der aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrte Ehemann seiner Geliebten? Oder der Kohlenhändler, der mit dem Getöteten noch eine Rechnung aus dem Krieg offen hatte? Der neue Kriminalroman der Busecker Autorin Alida Leimbach spielt in einer bewegten Zeit.

Eine gewisse Leichtigkeit in der Mode, im Möbel-Design sowie in der Musik auf der einen Seite - und die erdrückende Schwere der nationalsozialistischen Vergangenheit auf der anderen Seite. »Es sind die Brüche, die mich an dieser Zeit interessieren«, sagt die Busecker Autorin Alida Leimbach über die 1950er Jahre, die Schauplatz ihres neuen Kriminalromans sind. »Einerseits dieses Zuckersüße der Farben und Formen und andererseits das Bittere, das unter der Oberfläche noch brodelte.«

Die 1950er Jahre hat die gebürtige Lüneburgerin zwar nicht miterlebt, doch als Angehörige des Jahrgangs 1964 fühlt sie sich durchaus gewissermaßen als Kind der Nachkriegszeit. Die Spiele, die Süßigkeiten, das zerschossene Hühnerhaus im Garten - all das sind Details, an die sie sich selbst erinnert. »Ich bin mit meinem Opa in der Innenstadt spazieren gegangen und war erschrocken über die Trümmerberge, die dort noch immer lagen«, erzählt die heute 57-Jährige, die in Osnabrück aufgewachsen ist und der im Alter von fünf Jahren zum ersten Mal vom Krieg erzählt wurde. »Mein Großvater war in dieser Zeit Kriminalkommissar. Er ist auch ein bisschen Vorbild für Johann Conradi«, verrät sie über die Hauptfigur ihres neuen Krimis »Tod unterm Nierentisch«, der vor Kurzem erschienen ist.

Der fiktive Kommissar steht nach dem Krieg vor dem Nichts. Als er aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft heimkehrt, existiert seine Wohnung nicht mehr, er muss bei einer Witwe ein Zimmer zur Untermiete beziehen. Zudem leidet er unter einem schrecklichen Verlust: Seine Liebsten sind im Krieg ums Leben gekommen. »Er ist am Anfang des Romans ein gebrochener Mann«, sagt Leimbach.

Anders steht es um das zukünftige Mordopfer, den Friseur Rolf Schmalstieg. Er hat sich mit der verwitweten Lieselotte ein gemeinsames Leben aufgebaut. Doch dann taucht plötzlich Liselottes verschollener Ehemann wieder auf - und kurz darauf wird der Friseur erschossen aufgefunden.

Allerdings hätte nicht nur Lieselottes Mann ein Motiv für den Mord: Der Kohlenhändler Bartsch hatte mit Schmalstieg noch eine Rechnung aus dem Krieg offen. Während die Ermittlungen im Fall des erschossenen Friseurs laufen, fiebert das Land mit der Fußball-Nationalmannschaft mit, die bei der WM letztlich die Sensation schafft und Weltmeister wird. Es ist eines der historischen Details, die den Krimi im Sommer 1954 verankern.

Für Leimbach ist diese Zeit nicht nur eine der Brüche, sondern auch eine der Gegensätze, was selbst anhand der Einrichtungen deutlich werde. So habe es Familien gegeben, die aus einem Bedürfnis nach Tradition und Beständigkeit an ihren Vorkriegs-Möbeln und dem Heizen mit Kohle festhalten wollten, sagt Leimbach. Doch auf der anderen Seite gab es auch den Wunsch nach einem strikten Neuanfang. »Diese Familien sehnten sich nach modernen Wohnungen mit Zentralheizung, Badezimmer und großen Südfenstern«, beschreibt die Autorin. »Man wollte den Krieg verdrängen, deshalb schien es, als wäre irgendwie alles neu erfunden worden, doch die Traumata waren noch da und wirkten noch sehr lange nach.«

Für viele Familien war die Situation nicht leicht. Wenn Männer nach langer Zeit verletzt oder traumatisiert heimkehrten, nachdem die Frauen jahrelang gearbeitet hatten, führte das zu Rollenkonflikten und Problemen, während Scheidungen verpönt und psychologische Hilfen kein Thema waren. Auch in ihrem Roman »Ostfriesenkind«, der 2016 erschienen ist, hat Leimbach sich diesem Thema bereits gewidmet. Es war das erste ihrer Bücher, das in einem historischen Kontext spielt.

Ihre erste Veröffentlichung verbuchte Leimbach indes bereits im Alter von neun Jahren. Damals wurde ein Märchen, das sie selbst geschrieben hatte, in der Zeitung veröffentlicht - ein besonderer Moment für die heutige Autorin. »Dass andere Leute meine Geschichte lesen können, hat mir als Kind schon einen Push gegeben«, erinnert sie sich.

An eine Laufbahn als Schriftstellerin dachte Leimbach dennoch lange Zeit nicht. Erst durch das positive Feedback bei einem Wochenend-Schreibworkshop 2009 kam es zu dem Entschluss. Die Teilnehmer seien begeistert gewesen und hätten ihr geraten, mit dem Schreiben weiterzumachen, erzählt Leimbach. »Das habe ich beherzigt und sofort weitergeschrieben.«

Seitdem hat die 57-Jährige mehrere Bücher veröffentlicht, die alle in Osnabrück und Umgebung spielen, obwohl Leimbach seit 27 Jahren in Buseck lebt. Bei ihrem jüngsten Roman sei das auch darauf zurückzuführen, dass aus Osnabrück sehr viel überliefert sei, auch innerhalb ihrer Familie, sagt Leimbach. Ansonsten gehe es jedoch auch um das Verhältnis zwischen Nähe und Distanz. »Ich mag es, meine Geschichten woanders spielen zu lassen, so kann ich mich umso besser in die Szenerie und in die Figuren hineinversetzen.«

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