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Umweltbeauftragter Uwe Port kontrolliert den Abfluss.

Ehrenamtlich im Paradies

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Etwas Schöneres als einen stillen Sommermorgen im Licher Waldschwimmbad kann sich Uwe Port kaum vorstellen. Er kommt täglich, denn er ist der Umweltbeauftragte des Waldschwimmbadvereins. Doch er sorgt sich um die Zukunft seines kleinen Paradieses.

Morgens zwischen fünf und sechs ist Uwe Port in seinem Paradies. Dann sitzt er im Licher Waldschwimmbad, sieht über dem See die Sonne aufgehen und genießt die Ruhe. Der Eisvogel zum Beispiel lässt sich in diesen stillen Stunden beobachten und neulich ist eine Waschbärmutter mit ihrem Jungen ganz nah an Port vorbeigetappt. Doch der 53-Jährige kommt nicht einfach so ins Naturbad am Rande von Lich. Seit zweieinhalb Jahren engagiert er sich für den Waldschwimmbadverein SEK als Umweltbeauftragter. "Das macht viel Spaß", sagt der Mann, den seine Eltern von klein auf mit der Natur vertraut gemacht haben. Aber auf ihm ruht große Verantwortung, denn in sein Aufgabengebiet fallen auch Wasserstand und Wasserqualität. Beides ist wichtig für den Fortbestand des Bades, das in der laufenden Saison den Betrieb nur mit einer Sondergenehmigung aufnehmen konnte. Ob und wie es im nächsten Jahr weitergeht, ist noch ungeklärt.

Kurze Rückblende: Das Waldschwimmbad gibt es seit 1937. Seither wird es aus dem Albach gespeist, dessen Wasser in Teilen durch den Badessee und dann zurück ins Bachbett geleitet wird. Das ging 80 Jahre lang gut. Doch im Dürre-Sommer 2018 fiel der Albach vor dem Zufluss zum See auf einigen Hundert Meter trocken. Das darf nicht sein, denn der Bach hat nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie einen besonderen Schutzstatus.

Es soll auch nicht wieder passieren. Deshalb hat sich der Waldschwimmbadverein für den Zulauf ein neues System ausgedacht. Es handelt sich um ein oben offenes 20er Rohr, das im 90-Grad-Winkel aus dem Wasser ragt und rundum mit mehreren Löchern versehen ist. Nur wenn der Pegel des Albachs hoch genug ist, kann Wasser ins Rohr schwappen und in den hinteren See fließen, der als Reservoir für den großen Badesee dient. Der Damm des hinteren Sees wurde extra abgedichtet. "Seither ist der Wasserspiegel dort gestiegen", berichtet Port. Das habe auch Auswirkungen auf die Natur: "Teich- und Schilfrohrsänger sind zurück." Und mit ihnen der Kuckuck, der seine Eier von den Rohrsängern ausbrüten lässt. "In diesem Jahr konnte man ihn am Waldschwimmbad zum ersten Mal wieder hören", erzählt der Umweltbeauftragte. Für ihn ist die Rechnung einfach: "Ohne Wasser kein Badesee. Und ohne Badesee keine Wasservögel." Auch bei Starkregen, der immer öfter auftrete, erfülle das Naturbad eine wichtige Funktion als Rückhalteraum. "Gäbe es keinen Zufluss zum See, würde das Wasser einfach so durchrauschen."

Wenn der Umweltbeauftragte am frühen Morgen zum Schwimmbad geradelt ist, führt ihn sein erster Weg zum Zulauf, schauen, ob er frei ist. Dann geht es ans andere Ende des Sees. Direkt vor dem Biergarten hat der Waldschwimmbadverein ein zweites Rohrsystem für den Abfluss installiert. Hier legt Port je nach Windrichtung die Oberflächen-absaugung so, dass Wasserlinsen, Seegras oder Blätter über den Ablauf aus dem See herausgeschwemmt werden. Port macht das nicht alleine, sondern abwechselnd mit zwei, drei Mitstreitern. "Wir sprechen uns ab, dann funktioniert das auch." Wenn um 10 Uhr die ersten Gäste kommen, ist der Badebereich sauber.

Allerdings: Klares Wasser hat auch Nachteile. "Dann wächst das Seegras schneller", weiß Port. Etwa alle drei Tage stechen die Aktiven des SEK mit ihrem Boot und einem Mähwerk aus den USA in den See. Dann wird in eineinhalb Metern Tiefe gemäht. "Danach merkt man nichts mehr von dem Gras", verspricht der Umweltbeauftragte und lacht: "Außer, man schwimmt im Seepferdchen-Stil..."

Schädlich sei das Gras ohnehin nicht, im Gegenteil. Es diene als Filter für den See und als Versteck für Fische. Deshalb darf es außerhalb des markierten Badebereichs auch wachsen. Die Wasserqualität sollen zudem die Fische optimieren, die der SEK alljährlich in den See einsetzt, darunter Spiegelkarpfen, Schleie, Rotauge oder Bitterling. Beim Besatz folgt der Verein den Ratschlägen des Gießener Tiermediziners Prof. Dr. Michael Lierz. "Das ist wichtig für uns, wir sind dafür sehr dankbar", sagt Port.

SEK - die drei Buchstaben, die der Verein in seinem Namen trägt, stehen für Sport, Erholung, Kultur. Der Umweltbeauftragte verortet seine Tätigkeit unter dem E. Aber auch das K sei wichtig, die Kultur. Also Veranstaltungen wie das Techno-Festival oder das Kinderfest. Sie spülen Geld in die Kasse, die der Verein für Investitionen dringend nötig hat.

Auf seinem Handy hat Port zahlreiche Bilder von der Tierwelt rund um den See gespeichert, Bilder von majestätischen Schwänen, kämpfenden Hirschkäfern oder einer Gebirksstelze, die sich für ihre Brut eine der Umkleidekabine ausgewählt hat. Und natürlich vom Eisvogel. "Letztes Jahr hat er hier neun Junge groß gezogen", weiß der Umweltbeauftragte, der sein Wissen gerne an die Besucher des Waldschwimmbades weitergibt. Er kramt noch einmal sein Handy hervor und zeigt auf ein Bild vom Sonnenaufgang über dem See: "Dieses Paradies muss man doch erhalten."

In stillen Stunden kann man rund ums Licher Waldschwimmbad viele Tiere beobachten: junge Waschbären zum Beispiel oder kämpfende Hirschkäfer. Auch der Eisvogel ist hier zu Hause.(Fotos: Port)

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