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Ausgewandert

Ehemaliger Verleger Stephan Hock lebt heute in Namibia

  • vonChristina Jung
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Früher verlegte er die MAZ. Heute ist er Hotelier. Stephan Hock wanderte 2007 mit seiner Familie nach Namibia aus. In der Nähe von Windhoek betreibt er mit seiner Frau Sabine eine Lodge:

Im Straßenbild vermitteln Sehenswürdigkeiten, Cafes und Restaurants den Charakter einer mitteleuropäischen Stadt. Neben der modernen Skyline ist die Architektur vielfach von der wilhelminischen Kolonialzeit geprägt. Seit 1992 ist Windhoek die Hauptstadt Namibias und außerdem Dreh- und Angelpunkt der Reisenden im Land. Ein kleiner Teil von ihnen macht während des Urlaubes Halt auf der Immanuel Wilderness Lodge rund 15 Kilometer nördlich der Metropole. Betrieben wird die Anlage von einem Ehepaar, das früher in Stadt und Landkreis Gießen zu Hause war: Stephan und Sabine Hock.

Vor 13 Jahren wanderte Hock mit seiner Familie in das frühere Deutsch-Südwestafrika aus und hat dort seine Passion zum Beruf gemacht, denn die Speisen für seine Gäste bereitet er persönlich zu. "Seit meinem sechsten Lebensjahr koche ich leidenschaftlich gerne" erzählt der 53-Jährige im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung.

Angefangen hatte alles im Rahmen der Ferienspiele. Seitdem bildete sich Stephan Hock in zahlreichen Kursen weiter, zauberte sogar gemeinsam mit Spitzenköchen kulinarische Köstlichkeiten.

Vielfach ausgezeichnet

Heute ist er selbst ein gefragter Mann am Herd, wurde mehrfach ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Titel "Maitre Rotisseur". 2012 gewann Hock den nationalen Kochwettbewerb "The Ultimate Establishment of Namibia". Außerdem wurde sein Restaurant zum besten des Landes gekürt.

Geplant hatte der gebürtige Gießener, der in der Universitätsstadt sowie in Limburg aufwuchs und später in Leihgestern und Allendorf lebte, das alles nicht. Der gelernte Einzelhandelskaufmann arbeitete für Karstadt, unter anderem in Hamburg. 1991 kehrte er an die Lahn zurück und übernahm ein Jahr später den Verlag seines Vaters - die MAZ. Doch als Hock 2005 erstmals nach Namibia reiste, war es um ihn geschehen. "Das Land hat mich von der ersten Sekunde an gefesselt", erzählt Hock.

Und das blieb auch seiner Frau im entfernten Deutschland nicht verborgen. "Sie hat damals schon am Telefon gemerkt, dass sich in mir etwas verändert hat." Warum das Land an der Atlantikküste, in dem heute rund 2,4 Millionen Menschen leben, ihn so fasziniert, kann der ehemalige Mittelhesse nicht genau sagen. "Es ist die Sonne, die Weite, es sind die Menschen - einfach alles." Zudem verspürte er dort von Anfang an ein "ganz tiefes Gefühl von Heimat".

Von Anfang an gefesselt

Nach seinem ersten Besuch in Namibia erzählte er seiner Familie von dem Wunsch, dort neu anzufangen. Mittelfristig, in zehn bis 15 Jahren. Es folgten gemeinsame Aufenthalte. Grundlegende Fragen, beispielsweise zur Sicherheitslage, dem Gesundheitsystem oder den Entwicklungschancen der Kinder, wurden aufgeworfen und geklärt. Und dann spielte der Zufall Schicksal.

Während eines Urlaubs war die ursprünglich von den Hocks gebuchte Unterkunft aufgrund eines Fehlers belegt. Die Gießener mussten ausweichen und landeten in der Immanuel Wilderness Lodge, deren damalige Besitzer das Anwesen verkaufen wollten. Eines kam zum anderen und ein Jahr später übernahmen die Hocks, die sich damit einen Traum erfüllten. "Es war schon immer ein großer Wunsch von mir und meiner Frau, in die Gastronomie zu gehen", sagt Stephan Hock.

Leicht haben sie sich diesen Schritt dennoch nicht gemacht. "Wir haben das in der Familie sehr intensiv besprochen. Jeder musste für sich entscheiden, ob er möchte oder nicht", erinnert sich Hock. Letztlich fiel der Entschluss einstimmig für Namibia. "Und das habe ich bisher keine Sekunde lang bereut", unterstreicht er.

4000 Gäste pro Jahr

Der Lodge, die 2007 ziemlich heruntergewirtschaftet war, wie der 53-Jährige sagt, verhalfen er und seine Frau zu neuem Glanz. Neun Zimmer mit 22 Betten in drei reetgedeckten Gästehäusern warten inmitten der namibischen Savanne auf Besucher aus der ganzen Welt. Etwa 4000 Menschen buchen jährlich einen Urlaub in der Ferienanlage der Hocks. Und die bieten ihren Gästen dort eine Mischung aus deutscher Gemütlichkeit und afrikanischem Abenteuer. Im Restaurant steht der Chef natürlich selbst am Herd und kreiert allabendlich einen Mix aus afrikanischer und europäischer Küche.

Ihr Leben als Hoteliers macht den Hocks so viel Spaß, dass sie im Dezember einen weiteren Gästebetrieb übernommen haben - ein altes Herrenhaus auf einem rund 10 000 Hektar großen Grundstück östlich der namibischen Hauptstadt.

Domizil in Gonterskirchen

Ob er Deutschland vermisst? Eigentlich nicht, sagt Hock. Er und seine Frau hätten immer wieder Besuch aus der alten Heimat, und auch die Wahl-Afrikaner selbst kommen regelmäßig ins Gießener Land zurück. Nach Gonterskirchen, um genau zu sein. Dort nämlich besitzt die Familie noch ein Holzhaus im Wochenendgebiet, in dem sie früher oft Ferien machte. "Immer, wenn wir in Gießen sind, ist das unser Domizil", sagt Hock.

Und Fasching? Auch darauf muss der ehemalige Prinz des Gießener Karnevalvereins nicht verzichten, denn Namibia ist ein Paradies für passionierte Narren. In der ehemaligen deutschen Kolonie wird quasi von April bis September Karneval gefeiert. Nur, dass die Städte die "tollen Tage" nicht gleichzeitig begehen, sondern nacheinander. Ansonsten warten die Namibianer vom Elferrat bis zum Umzug mit allem auf, was auch hierzulande zu einer ordentlichen Kampagne gehört. In diesem Sinne: Helau!

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