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Ob Kartoffeln, Spinat und Omelette oder gefüllte Paprika mit Tomatensoße und Reis: Im "Hessischen Hof" sorgen Kai Buchholz und Kollegen auch in Krisenzeiten für den Mittagstisch. FOTOS: IK

Durchhalten mit Hausmannskost

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Man muss schon eine Weile suchen im Gießener Land, um eine solche Location wie den "Hessischen Hof" in Fernwald-Steinbach zu finden: Das Haus besteht seit 150 Jahren, der denkmalgeschützte Saalbau wird oft auch von Auswärtigen gebucht, etwa für Vereins- und Familienfeiern. Wegen der Corona-Krise ist so ziemlich alles abgesagt "bei Görlachs" - die Küche bleibt aber keineswegs kalt.

Gaststätte geschlossen, Saalbau mit Bühne leer, Hotelbetrieb eingestellt, Kegelbahn verwaist. Die einzige Konstante scheinen derzeit die Energiekosten zu sein, die laufen munter weiter. Der "Hessische Hof" ist kein Einzelfall.

Der Coronavirus sorgt für Ebbe in der Kasse, ohne einen "Plan B" kommen auch Gastronomen in diesen Tagen kaum über die Runden. Am vergangenen Samstag mussten die Betriebe vorerst ihre Pforten schließen - weiterhin möglich bleiben Lieferservice und Außer-Haus-Verkauf. Da ist Fantasie gefragt und eine Crew, die mitzieht.

In Steinbach jedenfalls kann Wirtin Heidrun Görlach auf ihr Team zählen. Sie selbst weilt noch bis Anfang April in Thailand, unterdessen halten im "Hessischen Hof" drei Herren über Töpfe und Pfannen den Betrieb am Laufen - darauf bedacht, den gebotenen Mindestabstand und alle Vorgaben einzuhalten.

Noch während des vergangenen Wochenendes wurde man sich auf "kleinem Dienstwege" und mit Hilfe von WhatsApp einig, weiterhin montags bis freitags einen Mittagstisch anzubieten. Schließlich gibt es nicht nur die Stammkunden aus dem eigenen Dorf, die auf die tägliche Versorgung zählen, sondern auch Mitarbeiter von Betrieben aus benachbarten Gemeinden und von Handwerksfirmen, die Steinbach in ihrer Mittagspause ansteuern.

Seit Dienstag steht täglich ein Gericht auf der Speisekarte, das - frisch zubereitet - im Zeitraum zwischen 12 und 14 Uhr abgeholt werden kann. Schnitzel Cordon Bleu mit Pommes und Salat oder Leber "Berliner Art" und die grobe Bauernbratwurst auf Sauerkraut und Kartoffelstampf zählen ebenso zu den Hausmannskost-Klassikern wie das gebackene Fischfilet mit Kartoffelsalat und Remoulade oder Tafelspitz mit Kartoffeln und Meerrettich. Bestellungen sind jeweils am Vortrag zwischen 10 und 12 Uhr aufzugeben; dann kann die Küchencrew die Vorräte checken und die Einkäufe ergänzen.

Unmittelbar hinter der Eingangstür ist ein Tisch aufgebaut (Desinfektionsmittel in Reichweite); er dient zugleich als Sperre zum Gastraum und als Theke, über die das jeweilige Warmhaltepaket den Besitzer wechselt. Das Außer-Haus-Angebot kann auch nutzen, wer schlecht zu Fuß oder an sein Zuhause angebunden ist: "Kommen die Gäste nicht zu uns, kommen wir zu ihnen", so lautet die Devise "bei Görlachs". Ein Freund des Hauses hat sich bereit erklärt, den Fahrdienst innerhalb der Großgemeinde zu übernehmen. Das kostet einen Euro Aufpreis und deckt gerade mal die Spritkosten. "Das Ganze machen wir, um noch etwas Umsatz zu machen. Es bricht ja alles im Moment zusammen und die Gastronomie liegt am Boden", meldet sich die Wirtin per Kurznachrichtendienst.

Damit Ostern nicht ausfallen muss

I n der Tat: Auch im "Hessischen Hof" war das Auftragsbuch voll, nun sind Reservierungen schon bis weit in den Mai hinein storniert. Galten das traditionelle Osterbüfett und Konfirmationsfeiern bislang noch als "sichere Bank", so drohen diese für die Gastronomie umsatzstarken Termine nun ebenso auszufallen wie die Buchungen zu Hochzeits- und anderen Familienfeiern. Zu letzteren gehören auch Trauerfeiern, für die der historische Saalbau einen würdigen Rahmen bietet - doch auch diese Art Zusammenkünfte sind vorerst untersagt.

Was bringen die nächsten Wochen und Monate? Ob zumindest für die Osterfeiertage ein "Menüpaket zum Abholen" geschnürt werden kann? Entsprechende Überlegungen gibt es "bei Görlachs".

Die Corona-Krise aber zeigt, dass man gegenwärtig nicht allzu forsch planen sollte. Momentan konzentriert sich das Team auf den Mittagstisch, um die treue Kundschaft bei der Stange zu halten. Das soll schließlich nicht nur dienstags funktionieren - denn dienstags ist Schnitzeltag. Und Schnitzel "geht immer".

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