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Charly Weller (l.) stellt im Kino Traumstern seinen neuen Krimi "Gallus" vor, der unter anderem in Lich spielt. Moderator Rüdiger Geis nimmt den Autor zwischendurch ins Kreuzverhör.

Düstere Machenschaften

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Nicht zufällig hat Charly Weller das Kino Traumstern für seine Premierenlesung ausgewählt. Denn schließlich spielt sein neuer Roman "Gallus" auch in Lich. Dort geht es um zwei tote Waschbären, eine Tierauffangstation und ein Waldstück bei Muschenheim. Aber auch nach Laubach, Hungen und vor allem Frankfurt führt die Spur.

VON NASTASJA AKCHOUR-BECKER

Als die Ermittler statt eines toten Waschbären im Muschenheimer Vorderwald etwas anderes zutage fördern, treten Kommissar Roman Worstedt und dessen Kollegin Regina Maritz auf den Plan. Es ist der sechste Fall für den Ermittler aus Gießen, den Krimiautor Charly Weller seit seinem Debüt "Eulenkopf" (2011) in der Region ermitteln lässt.

Am Sonntag stellte Weller seinen neuen Roman "Gallus" im Kino Traumstern in Lich vor. Und auch diesmal führt der Kriminalroman an allerlei Schauplätze, die einem bekannt vorkommen: Gießen, Lich, Muschenheim, Hungen, das Falltorhaus in Laubach, das Treffen der Oberhessischen Jägervereinigung in Grünberg und eine Jagd in Pohlheim finden darin ebenso Anklang wie Handlungsstränge, die in Ostanatolien und Kenia spielen.

Und dann gibt es noch die zahlreichen Frankfurter Schauplätze. Denn im Park der Frankenallee im Gallusviertel wird eine männliche Leiche gefunden, die ein Waschbärkostüm trägt. Der Mann hat nichts bei sich, außer eine Einladung zu einer Feier des Liebigmuseums in Gießen. Bei den Ermittlungen stoßen der "Worschtfett" genannte Kommissar und Kollegin Maritz auf die Frankfurter Drogenszene und düstere Machenschaften der Gießener Obrigkeit.

Es sind die kleinen Dinge, die etwas größere entstehen lassen. Im Gespräch mit GAZ-Redakteur Rüdiger Geis verriet Weller, dass er auf vielfältige Weise zu seinen Ideen und teils skurilen Figuren und Milieuschilderungen kommt. "Manchmal gibt es eine kleine Idee", berichtet Weller, der zusammen mit Ehefrau Ritchie in Annerod lebt. "Ich habe in der Zeitung ein Foto von Demonstranten in Waschbärkostümen gesehen und mich gefragt, was passiert, wenn so jemand tot aufgefunden wird?" Die Rolle der Liebig-Kompagnie im damaligen Deutsch-Südwestafrika hingegen hätten ihn schon länger beschäftigt. Weller recherchiert für seine Geschichten, war diesmal beispielsweise im Konsumraum in der Elbestraße in Frankfurt, in dem Süchtige ihre mitgebrachten Drogen unter Aufsicht nehmen können. Den besucht im Roman auch die Prostituierte Reinhild, die im Mittelpunkt der Handlung steht.

Beim Schreiben ist dem Autor, der Regisseur zahlreicher Folgen von TV-Krimi-Serien wie "Ein Fall für Zwei", "Die Kommissarin", "Im Namen des Gesetzes" oder "Auf Achse" war, dann vor allem die Dramaturgie wichtig. Dafür ist man beim Buch viel freier als bei einem Drehbuch, berichtet Weller. Für ein Drehbuch müsse man zunächst ein Exposé entwickeln, das durch viele Hände geht, und jeder hat Änderungen.

Zum Abschluss verriet Weller, dass er an einem Roman arbeitet, der sich mit dem Riconelly-Mord in Gießen beschäftigt. Dafür habe er den Prozess gegen die Mörderin besucht, der der Gießener Zauberer zum Opfer gefallen war, und dabei viele beeindruckende Schilderungen gehört. Doch dies will er nicht einfach nacherzählen. Weller betont: "Das, was ich schreibe, ist alles erdacht, eine Fiktion."

Man darf also gespannt sein, was noch kommt. Das Publikum der Premierenlesung hat Weller jedenfalls neugierig gemacht, wie die "Gallus"-Passagen sich am Ende zusammenfügen und Worstedt den Fall löst. Denn die Spannung bleibt bis zum Schluss.

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