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»Drive-in« und virtueller Segen

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Von: Constantin Hoppe

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Ein Bild aus Vorpandemiezeiten: Große Gruppen und Besuche der Sternsinger in den Häusern wird es diesmal nicht geben. ARCHIVFOTO: KJG © Red

Auch in diesem Jahr macht die Pandemie den Sternsingern einen Strich durch die Rechnung. Vielerorts haben die Gemeinden jedoch Alternativen entwickelt, um Geld für Kinderhilfsprojekte zu sammeln. Selbst einen »Segens-Drive-in« gibt es im Landkreis.

Ihre Enttäuschung kann Kerstin Rehberg-Schroth auch am Telefon nicht verbergen. »Es ist sehr traurig, dass die Kinder diese Erfahrung, von Haustür zu Haustür zu gehen und den Segen zu spenden, wieder nicht machen können«, sagt die Pastoralreferentin der Pfarrgruppe »Am Limes« über die diesjährige Sternsingeraktion. Rehberg-Schroth ist für die Planung der Aktion in Pohlheim, Linden und Langgöns verantwortlich. Und die steht auch in diesem Jahr unter keinem guten Stern.

»Da sich die Sternsinger in den drei Kommunen als Segens- und nicht als Virusboten verstehen, kann es auch in diesem Winter keine Besuche an der Haustür geben«, sagt Rehberg-Schroth.

Schon im vergangenen Jahr machte die Pandemie das Sternsingen fast unmöglich. Jetzt steht der Dreikönigstag erneut vor der Tür. Doch die Inzidenzzahlen und die hochansteckende Omikron-Variante spielen all den Kaspars, Melchiors und Balthasars und ihren Sternträger und Betreuern, die normalerweise in diesen Tagen unterwegs wären, wahrlich nicht in die Hände.

Das Kindermissionswerk hatte eigens ein Hygienekonzept erarbeitet, anhand dessen die Gruppen unterwegs sein dürfen. Dabei gilt sowohl für die Kinder als auch für die erwachsenen Begleiter eine Maskenpflicht, beim Singen sind mindestens drei Meter Abstand einzuhalten. Doch manchen Gemeinden war das dennoch zu heikel, sie haben das Sternsingen abgesagt. Zumindest in Präsenz.

Es ist wie vielerorts während der Pandemie. Alternative Konzepte müssen her, sollen zumindest im Ansatz an das eigentliche Anliegen erinnern. In der Pfarrgruppe »Am Limes« etwa greift man auf Bewährtes aus dem vergangenen Jahr zurück: »Wir haben uns entschieden, auch diesmal nur virtuell als Sternsinger unterwegs zu sein«, berichtet Rehberg-Schroth. Allerdings habe man diesmal deutlich früher angefangen, das Ganze vorzubereiten. »Bereits im November haben wir einen Film mit Kindern aus allen drei Kommunen gedreht. Dieser wird in den nächsten Tagen online gehen«, sagt sie.

Daneben sollen auch Handzettel und Segensaufkleber an die Haushalte verteilt werden, die sich für die Aktion angemeldet haben. Trotzdem ist die Pastoralreferentin über die aktuelle Situation alles andere als glücklich: »Zwei Jahrgänge von Kindern, die dieses Erlebnis nicht machen konnten, das ist schon hart.«

In Linden haben sich die Sternsinger zusätzlich zum Film noch etwas Besonderes einfallen lassen. Am kommenden Sonntag werden sie auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Großen-Linden ein »Segens-Drive-in« einrichten. Singen, Segnen, Spenden - alles kann quasi auf der Durchfahrt aus dem Auto heraus geschehen.

Filme, Handzettel, Segensaufkleber, der Drive-in oder aber eine Segensbriefaktion, für die sich die Pfarrgruppe Laubach-Grünberg entschieden hat - so versuchen die Gemeinden, die auf Präsenz-Sternsingen verzichten, den Kindern etwas davon mitzugeben, was normalerweise an diesen Tagen stattfindet.

In den Gemeinden, in denen Sternsinger unter Hygieneauflagen durch die Straßen ziehen, haben sich viele Eltern im Vorfeld gefragt: Wie sicher ist das in Zeiten von Corona? Trotz aller Schutzmaßnahmen setzen etliche Eltern lieber auf Verzicht. So sind insgesamt deutlich weniger Kinder für die wenigen noch stattfindenden Aktionen angemeldet worden. In den Dörfern, die der Pfarrgemeinde »Sankt Marien Buseck« angehören, sind diesmal 50 Kinder unterwegs - gerade einmal die Hälfte verglichen mit der Vor-Corona-Zeit.

Direkt nach Weihnachten haben die Busecker ihre Touren begonnen, da diese mit kleineren Gruppen zeitaufwendiger sind. Doch natürlich sind auch das keine Hausbesuche in der üblichen Form. Ähnliches berichtet auch Claudia Seck aus dem Pfarrbüro St. Anna Biebertal: »Die Kinder dürfen nichts von den Hausbewohnern annehmen. Aber den Segen können sie überbringen.«

Beim Sternsingen geht es je-doch um mehr als nur darum, den Menschen eine Freude zu machen. Es werden Spenden für Kinder in aller Welt gesammelt, die Not leiden. Gerade deshalb wollen die Gemeinden die Aktion auf die eine oder andere Weise und trotz der Pandemie weiter verfolgen. Selbst wenn das bedeutet, dass der Segen nur virtuell oder in Briefform den Weg in die Haushalte findet.

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