Dass Staufenberg und Lollar kein gemeinsames Mittelzentrum bilden sollen, stößt in beiden Kommunen auf Unverständnis. FOTO: LKL
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Dass Staufenberg und Lollar kein gemeinsames Mittelzentrum bilden sollen, stößt in beiden Kommunen auf Unverständnis. FOTO: LKL

Dringender Appell an das Land

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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In einer gemeinsamen Resolution üben die Bürgermeister der Landkreis-kommunen massive Kritik am Entwurf des neuen Landesentwicklungsplans, auch der Kreis unterstützt den Vorstoß. Trotz dynamischen Wachstums werde Mittelhessen stiefmütterlich behandelt.

Der Frust ist groß, auch bei Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller: "Man kann zu der Erkenntnis kommen, dass aus Sicht der Landesregierung die Welt nördlich von Bad Homburg aufhört." Während die Entwicklung Südhessens gefördert werde, würden Mittel- und Nordhessen - und damit auch der Kreis Gießen - massiv benachteiligt, so die Kritik. Konkret geht es um den Entwurf für die vierte Änderung des Landesentwicklungsplans (LEP). Er ist auch Grundlage für Regionalpläne und weist Kommunen als Ober-, Mittel- oder Grundzentren aus - je nachdem, inwieweit ihnen eine überörtliche Bedeutung in Sachen Versorgung und Infrastruktur zugemessen wird. Während der neue LEP-Entwurf eine weiterhin hohe Dichte von Mittelzentren für Südhessen vorsieht, werden die Hoffnungen im Gießener Land nicht erfüllt: Nur Grünberg sowie Hungen-Lich-Laubach sind im Fortschreibungs-entwurf als Mittelzentren im Kreis ausgewiesen. In einer Resolution üben die Bürgermeister der Kreiskommunen nun gemeinsam Kritik, auch der Kreisausschuss unterstützt die Initiative (siehe Kasten).

Bei einem Pressetermin in der Kreisverwaltung wurde der Vorstoß nun erläutert. Es brauche ein "gemeinsames politisches Aufbegehren", sagte Landrätin Anita Schneider. Nötig sei eine bessere finanzielle Ausstattung der Region, der ländliche Raum müsse gestärkt werden. Zwar werde in Wiesbaden viel über gleichwertige Lebensverhältnisse gesprochen, doch der Entwurf konterkariere diese Ziel, monierte Dr. Bernd Wieczorek, Lollarer Rathauschef und Sprecher der Bürgermeister im Kreis.

So würden Lollar und Staufenberg gern ein gemeinsames Mittelzentrum bilden. In gleichlautenden Stellungnahmen an das Land haben die Magistrate beider Kommunen ihre Einordnung als Grundzentren beanstandet. Schon seit Langem erfülle man gemeinsam die an ein Mittelzentrum gestellten Anforderungen, etwa durch Nahversorgung und Verkehrsinfrastruktur. Davon profitiere sowohl das gesamte Lumdatal als auch der Süden des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Doch bislang, so Wieczorek, gebe es nicht einmal eine Anwort auf die Stellungnahmen. Was man für die Nachbarkommunen leiste, werde man ohne gesteigerte finanzielle Unterstützung nicht aufrechterhalten können - und diese wäre mit dem Mittelzentrumstatus verbunden. "Wir fühlen uns nicht ernst genommen", so Wieczorek. In Staufenberg stößt zudem übel auf, dass die Stadt dem Oberzentrum Marburg zugeordnet werden soll.

Nicht nur im Nordkreis herrscht große Unzufriedenheit über den LEP-Entwurf: "Es geht nicht um Gejammere einzelner Kommunen", betonte Lichs Bürgermeister Dr. Julien Neubert beim Pressegespräch. Zwar sei der Landesentwicklungsplan an sich "eine richtig gute Sache" und ziele darauf ab, den ländlichen Raum zu stärken.

Doch der konkrete Entwurf entspreche "nicht der Realität, die wir haben". Laut den Plänen aus Wiesbaden soll Laubach dem gemeinsamen Mittelzentrum Hungen-Lich zugeteilt werden - aus Neuberts Sicht "planerisch das völlig falsche Signal". Es entstehe der Eindruck, dass die Versorgungslage im Teilraum Ost nicht ausreichend sei, das Land daher eine weitere Kommune hinzuschlage. Doch schon jetzt sei Lich eine Stadt, "die aus allen Nähten platzt". Insofern gehe die Landesplanung an der Realität vorbei und beschneide die Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln, kritisierte Neubert.

Der Ex-Demografiebeauftragte des Landkreises hob auch die "unglaublich hohe Bevölkerungsdynamik" im Landkreis hervor. Nach Frankfurt und Offenbach verzeichne der Kreis mit das höchste Wachstum in Hessen, hieß es bei dem Termin. Trotzdem blieben Entwicklungsmöglichkeiten verwehrt.

Auch Linden und Pohlheim haben gegenüber dem Land unterstrichen, dass sie sich als gemeinsames Mittelzentrum sehen, der Protest geht also quer durch den Landkreis. In der Resolution wird auch bezweifelt, ob die Einteilung in Ober-, Mittel- und Grundzentren heute noch zeitgemäß ist. Jedenfalls könne man dem LEP-Entwurf in der jetzigen Form nicht zustimmen.

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