Drei Rocker swingen auf der Bühne

  • Nastasja Akchour-Becker
    vonNastasja Akchour-Becker
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Drei Männer in Anzügen vorn am Bühnenrand, dahinter eine 17-köpfige Big Band: Die "Swingin’ Buddies" geben im Kino "Traumstern" in Lich eine ganz besondere Konzertpremiere.

Wenn Rockmusiker für sich den Swing entdecken, die Gießener Jazz-Big-Band mit ins Boot holen und Wochen vorher alle Karten ausverkauft sind, dann ist klar, dass die Licher Kulturtage wieder ein besonderes Konzerterlebnis zu bieten haben. Und tatsächlich legten die "Swingin’ Buddies" Nils Hofmann sowie Michel und Gerhard Schmied am Mittwochabend eine Premiere im Kino "Traumstern" hin, die sich sehen lassen konnte. Alle, die es verpasst haben, dürfen sich freuen, denn weitere Auftritte sind Ende Mai und im Juli im "Traumstern" geplant.

Wochenlang hatten das Orchester und die drei Musiker für das Projekt geübt, das für alle eine reizvolle Herausforderung war. Rein räumlich mussten beispielsweise alle 17 Musiker der Jazz-Big-Band erst einmal einen Platz auf der Traumstern-Bühne finden. Und gesanglich tauchten die drei Rock-Sänger in ein ganz anderes Genre ein. Doch das Ergebnis war verblüffend, die Musiker zauberten feinste Swing-Klassiker von Frank Sinatra, Sammy Davis Junior und Dean Martin auf die Bühne – und sorgten damit beim Publikum für Begeisterung. Dazu gab es grandiosen Big-Band-Sound unter der Leitung von Andreas Kühr, der auch als Leiter der Musikschule Lich und des Eberstädter Blasorchesters kein Unbekannter ist. Obendrein lieferte Zauberer Ralf Weber eine abwechslungsreiche Moderation mit "messerscharfen" Kartenspiel-Tricks.

Es mag vielleicht dem anderen als ihrem gewohnten Genre geschuldet sein, dass die Sänger anfangs etwas verhalten auf der Bühne waren. Doch nach und nach tauten sie auf, bis sie es sichtlich genossen, auf der Bühne zu swingen. Nils Hofmann machte den Anfang mit Sinatras "The Lady is a Tramp". Im Wechsel mit den anderen beiden Sängern glänzte er solo auch mit "Fly Me to the Moon" (Sinatra), "Cheek to cheek" (Fred Astaire) und "Save the Last Dance for Me" (The Drifters). Ein interessanter Ausflug, denn eigentlich interpretiert Hofmann mit seiner Band Mandowar Rock- und Metalsongs in einem Country-/Folk-Gewand und rockte mit ihr schon beim berühmten Heavy-Metal-Festival "Wacken Open Air".

Ähnlich experimentierfreudig war Gerhard Schmied, der dem heimischen Publikum als Schmied Loaf einer gefeierten Meat-Loaf-Tribute-Band bekannt ist und bei der Gießener Band Peep Durple seine Rockstimme zum Einsatz bringt. Im "Traumstern" legte er, nie um den einen oder anderen Scherz verlegen, mit "Mack the Knife" aus Bertolt Brechts "Dreigroschenoper" los. Schmied stach aber auch mit "Somewhere Over the Rainbow", "Have You Met Miss Jones" (Sinatra) und "What a Wonderful World" (Louis Armstrong) hervor.

So gut wie King Louie

Da der Apfel bekanntermaßen nicht weit vom Stamm fällt, machte auch sein Sohn Michel Schmied ein genauso gutes Bild auf der Bühne. Er startete mit "Sway" (Dean Martin) und machte weiter mit Sinatras "It was a very good Year", "I’ve Got You Under My Skin" und "I Get a Kick Out of You". Bei Nina Simones "Feeling good" glänzte der ehemalige The-Voice-of-Germany-Teilnehmer und Sänger diverser Bands besonders.

Einen krönenden Abschluss legten dann alle drei "Gigolos" mit dem Dschungelbuch-Klassiker "I Wanna Be Like You" hin, bei dem sie King Louie beim Rhythmus in nichts nachstanden. Nach weiteren Zugaben – natürlich durfte "My Way" nicht fehlen, bei dem Gerhard Schmied für ein bisschen Gänsehaut sorgte – legten sie als Zugabe nach der Zugabe noch einmal richtig viel Gefühl in Dean Martins "Everybody Loves Somebody sometimes", das sie nahezu a cappella, nur von wenigen Gitarrenakkorden begleitet, sangen. Man muss sagen, der Anzug stand den Herren gut – und man darf auf Weiteres gespannt sein. (Foto: nab)

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