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Drei Roboter und kein Blühstreifen

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Sie kommen heimlich, still und leise daher. Als könnten sie kein Wässerchen trüben. Für Naturschützer aber sind sie "Gift": Mähroboter. Geschredderte Igel und Grashüpfer, im Keim erstickte Blühpflanzen, die Insekten Nahrung bieten - Kritik, die auch in Queckborn laut wird, da Roboter erstmals am Wasserwerk "kurzen Prozess" machen.

Ernst Heger, langjähriger Stadtverordneter der Freien Wähler, ist mit seinen 83 Jahren schon lange im politischen Ruhestand. Als Herr über zwölf Völker frönt der Queckbörner heute seinem Hobby, der Imkerei. Unweit seines Bienenhauses entfaltet ein rund 3000 Quadratmeter (!) großer Blühacker seine Pracht. Spät ausgesäte Sorten sind gerade jetzt, da nach der Lindenblüte die Nahrung nicht nur für Bienen rar wird, sehr wertvoll. "Die Pollen braucht es als Futter für die Jungbienen, die sich um die Eier kümmern", erklärt Heger.

Just direkt gegenüber vom Blühacker, am Wasserwerk, breitet sich eine im Vergleich dazu "steril anmutende " Wiese aus, über die sich gerade drei autonom fahrende Rasenmäher bewegen.

Die Kritik von Imkern und Naturschützern an diesen Mährobotern, von mehreren Bürgern an ihn herangetragen, sei auch im Ortsbeirat geteilt worden, sagt Ortsvorsteher Wilhelm Zoll (Grüne). Zunächst aber habe man das Gespräch mit den SWG gesucht. Dies in der Hoffnung auf die Rückkehr zur herkömmlichen Pflege der Wiese sowie die Anlage von Blühstreifen. Zoll: "Die Stadtwerke leben ja schließlich von und mit der Natur, dem Wasser." Die Gespräche aber hätten nicht das gewünschte Ergebnis gebracht, die Anliegen seien negativ beschieden worden.

SWG: Kommen Kritikern entgegen

"Den Stadtwerken Gießen ist der Schutz von Umwelt, Klima und Natur seit Jahrzehnten eine Herzensangelegenheit und Verpflichtung", schickt Ina Weller, Pressesprecherin der SWG, voraus. Als Betreiber stelle man an eine Wassergewinnungsanlage sehr strenge Anforderungen, wozu eine möglichst pflegeleichte Fläche gehöre. "Deshalb haben wir ein Interesse daran, den Rasen auf möglichst wirtschaftliche Weise kurz zu halten, wie es mit den Mährobotern geschieht." Sehr wohl aber sei man zu einem Entgegenkommen bereit.

Grundsätzlich könnten die Geräte schon eine Gefahr für Igel darstellen, doch nur, wenn sie zu den Aktivitätszeiten der Tiere in Betrieb seien, also abends und nachts. Auf Hinweis eines Queckbörners habe man die Roboter so umprogrammiert, dass sie ausschließlich tagsüber in Betrieb seien. Als die Gärtner noch selber mähten, sei der Rasen im Übrigen auch sehr kurz gehalten worden. CO2-Ersparnis durch Wegfall langer Anfahrtswege der Mitarbeiter von Gießen nach Queckborn oder weniger Lärm als Benzin- oder Aufsitzrasenmäher nannte Weller als weitere Vorteile.

Um sodann auf die Möglichkeit zu verweisen, die Messerhöhe der Roboter so verstellen, dass das Gras ein wenig länger werden, zumindest Wildkräuter wie Klee und Gänseblümchen auf niedrigem Niveau wachsen kann. Weller: "Das werden wir umgehend umsetzen." Was die Blühstreifen angeht, so sei eine Fläche mit Futterpflanzen für Insekten im Eingangsbereich des Wasserwerks angelegt worden. Eine Ausdehnung aber werde es nicht geben, liefe dies doch den hohen Hygieneanforderungen eines solchen Geländes zuwider. Abschließend machte die Sprecherin darauf aufmerksam, dass die SWG - auch das im Sinne ihrer Unternehmensphilosophie - das Gelände an den Außenbrunnen naturnah gestaltet habe, damit dort heimische Insekten- und Vogelarten gute Lebensbedingungen vorfinden. FOTO: TB

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