Drei Freunde und ein Mord

  • VonConstantin Hoppe
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Im Prozess um den »Mord ohne Leiche« hat am Montag der Vater des Opfers ausgesagt und von den letzten Lebensmonaten seines Sohnes berichtet. Es ging dabei um die Freundschaft zu den Angeklagten, jede Menge Geld und die geplante Eröffnung eines Swingerclubs.

Olaf C. schaute zu Boden, während der Senior sprach. Jenes Szenario änderte sich über mehrere Stunden kaum. Denn der 85-Jährige hatte einiges zu erzählten aus dem Leben seines ermordeten Sohnes. In seinen Ausführungen ging es auch um die beiden Angeklagten, besonders um die Freundschaft seines Sohnes zu Olaf C.

Im Prozess um den sogenannten »Mord ohne Leiche« in einer Hofreite bei Hungen stand am Montagmorgen der Vater des 2016 ermordeten Daniel M. im Zeugenstand. Im Prozess tritt er als Nebenkläger auf. Am Montag berichtet er nun ausführlich aus dem Leben seines Sohnes und dessen Verbindung zu den beiden Angeklagten. Dabei kam immer wieder der Name Olaf C. vor: Er und der Ermordete waren bereits seit der Schulzeit befreundet - sehr zum Verdruss seiner Eltern. »Meine Frau hatte eine wahre Antipathie gegen Olaf C. Es war ihr auch nicht recht, dass er bei uns im Haus war. Ich habe ihn dagegen geduldet«, sagte er. Sein Sohn habe allerdings immer an der Freundschaft festgehalten.

Aber es gab auch immer wieder Konflikte. »Daniel hat es nicht gefallen, wie Olaf C. mit seinem Geld umging«, sagte der Vater. Dass Olaf C. trotz seiner Geldprobleme immer wieder ins Bordell ging, habe seinen Sohn erheblich gestört.

Seit April müssen sich der 44-Jährige Olaf C. und sein Studienkollege Robert S. wegen Mordes vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Gießen verantworten. Sie sollen am 17. November 2016 ihren Freund Daniel M. entführt und umgebracht haben. Die Leiche wurde bis heute nicht gefunden. Als Motiv für die Tat wird die finanzielle Lage der Angeklagten vermutet: Beide hatten finanzielle Schwierigkeiten. Bereits Monate vor der Tat sollen sie eine Entführung geplant haben, um Lösegeld zu erpressen.

Die Frage nach dem Motiv für die Tat kam auch am Montag auf: »Wissen Sie, ob Olaf C. von Ihrer finanziellen Situation wusste?«, wollte der Vertreter der Nebenklage, Alexander Hauer, von seinem Mandanten wissen. »Ja. Olaf C. war bereits an dem Verkauf einer Immobilien unserer Familie 2015 beteiligt. Diese wurde damals auf einen Wert von 450 000 Euro geschätzt«, antwortete der 85-Jährige. Zudem hätte sein Sohn über die finanzielle Situation von Olaf C. Bescheid gewusst. »Dieser Informationsweg war bestimmt keine Einbahnstraße. Daniel und Olaf haben sich bestimmt von ihren Finanzen erzählt.«

Von den Plänen seines Sohnes und der beiden Angeklagten, in der besagten Hofreite einen Swingerclub einzurichten, hatte auch der Vater Kenntnis. Jedoch wusste er nur wenige Details: »Daniel hatte mir erzählt, dass er eine Immobilie anmieten wolle, um sich dort mit einem Café oder einer Bar selbstständig zu machen. Diese sollte auch erotische Elemente beinhalten.« Der Begriff »Swingerclub« sei dabei aber nie gefallen. »Ich hielt das Ganze für eine Fantasie meines Sohnes, die sich schon bald von selbst erledigen würde.«

Während seiner weiteren Aussage musste der Senior wiederholt Pausen einlegen. Weiterzusprechen fiel ihm sichtlich schwer. Das war auch der Fall, als er von den ersten Tagen nach dem Verschwinden seines Sohnes berichtete: »Daniel meldete sich sonst mehrmals am Tag bei uns. Nachdem er am 17. und 18. November nicht anrief, machten wir uns große Sorgen.« Die Eltern versuchten über Freunde ihres Sohnes herauszufinden, ob ihn jemand gesehen hatte, allerdings ohne Erfolg.

Eine Begegnung hat sich ihm dabei besonders eingeprägt: Zwei Tage nach dem Verschwinden seines Sohnes habe plötzlich Olaf C. vor der Haustür gestanden: »Er wollte den Schlüssel zu Daniels Wohnung abholen, um dort mit uns nach Spuren zu seinem Verbleib zu suchen.« Besonders gut kann er sich an das Verhalten des Angeklagten erinnern. »Er verhielt sich bei uns irgendwie merkwürdig, lief ständig auf und ab und antwortete auf unsere Fragen merkwürdige Dinge«, gab er zu Protokoll. Warum Olaf C. ihn und seine Frau besuchte, frage er sich noch heute: »Wie kann man nur so etwas tun? Er wusste genau, was mit unserem Sohn geschehen ist und kam trotzdem zu uns ins Haus. Und dann bot er uns auch noch seine Hilfe bei der Suche nach Daniel an.«

Der Prozess wird fortgesetzt.

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