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Draußen Baustelle, drinnen Abstandsregeln

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Die Kita an der Asklepios-Klinik in Lich ist ein Vorzeige-Objekt, ihre Inbetriebnahme war bis ins i-Tüpfelchen geplant. Dann kam Corona und schmiss alle Pläne über den Haufen. Eine Herausforderung für Kita-Leiterin Sabine Hilcken, ihr Team und nicht zuletzt die Familien.

Ein grünes kindgerechtes Außengelände mit vielen Nischen und einem schattenspendenden Baum!" Das ist der größte Wunsch von Sabine Hilcken, der Leiterin der Kindertagesstätte auf dem Gelände der Asklepios-Klinik in Lich. Vor zwei Monaten ist die Einrichtung in Betrieb gegangen, und wer das neue Gebäude von außen betrachtet, kann Hilckens Sehnsucht verstehen. Erst vor wenigen Tagen sind die Bagger abgerückt, rund um die Kita grünt noch nichts.

Aber die Arbeiten vor der Tür waren längst nicht die einzigen Herausforderungen, die Hilcken und ihr Team in den vergangenen Wochen meistern mussten. Seit Januar hatten sie Pläne geschmiedet und Konzepte geschrieben, wie die Inbetriebnahme dieser neuen Einrichtung vonstatten gehen sollte. Dann kam Corona und alle Pläne waren Makulatur. Eröffnet wurde die Asklepios-Kita unter den besonderen Abstands- und Hygienebedingungen des eingeschränkten Regelbetriebs. Das verlangte allen Beteiligten, dem Team wie den Familien, viel Geduld ab.

Die Asklepios-Kita ist etwas Besonderes. Gebaut wurde sie von der Klinik, betrieben wird sie von der Stadt, zehn der 74 Plätze sind für Krankenhaus-Mitarbeiter reserviert. Nicht zuletzt ihnen soll die zwölfstündige Öffnungszeit von 6 bis 18 Uhr helfen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Als im Mai der damalige Klinik-Geschäftsführer Uwe List symbolisch den Schlüssel an Bürgermeister Dr. Julien Neubert übergab, war noch der 1. Juni für die Inbetriebnahme im Gespräch.

Es sollte drei Wochen länger dauern, wegen Corona hatte sich vieles verzögert. "Auch die Betriebserlaubnis", sagt Neubert. Am 22. Juni schließlich, gerade mal einen Monat vor den Sommerferien, kamen die ersten Kinder zur Eingewöhnung, und die war ungewöhnlich. Zwei Kinder mit jeweils nur einem Elternteil für zwei Stunden: so lautete die Faustregel. Nach Ablauf der Zeit Großeinsatz für die Mitarbeiter. Der gesamte Raum und auch alle Spielsachen mussten desinfiziert werden, erst dann waren die nächsten zwei Kinder mit Mutter oder Vater an der Reihe.

Die Idee, die Eingewöhnung wenigstens der Krippenkinder gleich auf die Zeit nach den Sommerferien zu verschieben, habe man schließlich verworfen, erzählt Sabine Hilcken. "Wir mussten abwägen zwischen pädagogischen Überlegungen und dem Bedarf der Eltern an einem Betreuungsplatz." Für die jungen Familien sei die Situation wirklich eine Riesenherausforderung gewesen." Aber die Eltern waren verständnisvoll. Und sie haben gemerkt, wie bemüht wir waren, auf sie einzugehen."

Dabei war auch die Kommunikation anders als sonst. An groß angelegte Info-Veranstaltungen für alle war nicht zu denken. Stattdessen gab es pro Gruppe einen Elternabend, und auch der war streng reglementiert: "Ein Elternteil mit Mundschutz und mindestens eineinhalb Meter Abstand", erinnert sich Erzieherin Vanessa Wilhelm.

Inzwischen hat sich die Situation normalisiert. Seit Juli herrscht in den Kitas in Hessen wieder allgemeiner Regelbetrieb. "Ab einer bestimmten Größe geht das gar nicht mehr anders", sagt Hilcken. Knapp 50 Kinder konnten bislang in den zwei Krippen- und zwei Kita-Gruppen aufgenommen werden. Betreuung vor 7 Uhr und nach 17 Uhr hat bislang nicht stattgefunden, das wird sich aber in den nächsten Tagen ändern. Voraussichtlich bis Ende des Jahres sollen alle Plätze belegt sein. Bis dahin muss auch das Team weiter wachsen. "Sieben Vollzeitstellen fehlen uns noch", berichtet die Kita-Leiterin. Der Bürgermeister ist zuversichtlich, sie bis Oktober besetzt zu haben. "Wir haben kräftig ausgeschrieben, die Bewerbungsgespräche laufen." Für die Kinder an der Asklepios-Kita wünscht er sich vor allem eins: "Dass sie genauso gerne in den Kindergarten gehen wie ich damals."

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