Digitale Dörfer

Spannendes Projekt "Dorf-App" soll Plattform für Kreis-Gießener bieten

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Ein Mix aus E-Bay-Kleinanzeige, schwarzem Brett, Chatforum und WhatsApp-Gruppe - das kann die Dorf-App werden. In fünf Ortschaften im Kreis Gießen soll die Plattform an den Start gehen.

Gießen - Nachbarschaftshilfe, Mitfahrgelegenheit, Ankündigungen für den Laternenumzug oder den Seniorennachmittag, Links zu Bildungsangeboten oder Energieberatung - mit diesen Beispielen macht Landrätin Anita Schneider deutlich, wo die "Dorf-App" hilfreich sein kann. Eben die Menschen auf einer Kommunikationsplattform und dann auch ganz real in ihrem Dorf zusammenzuführen.

Digitaler Buschfunk für den Kreis Gießen

Fünf Dörfer starten im neuen Jahr als ein Pilotprojekt: Königsberg, Oppenrod, Harbach, Dornholzhausen und Treis. Allesamt Orte, in denen in den vergangenen zehn bis 15 Jahren die Infrastruktur massiv gelitten hat, die sich aber gleichwohl durch eine intakte, engagierte Ortsgemeinschaft und lebendige Vereine auszeichnen. Das ist von Bedeutung, wenn es gelingen soll, die "Dorf-App" zu entwickeln und auf die jeweiligen lokalen Gegebenheiten zuzuschneiden, wie Kreis-Demografiebeauftragter Dr. Julien Neubert erklärt. Er hat das Projekt federführend begleitet. "Die Digitalen Dörfer sind kein aufgestülptes Konstrukt. Die Inhalte werden mit und für die Dorfgemeinschaften erarbeitet", sagt Neubert.

Auch er hat eine ganzer Reihe von Ideen und spricht "von einer Art digitaler Dorf-Funk" oder einem schwarzen Brett. Denkbar sei zum Beispiel, so Neubert, dass sich Pendler zu Mitfahrgelegenheiten vernetzen, dass Nahversorger oder Direktvermarkter einen Online-Marktplatz samt Mitbringdienst anbieten, dass die Kreisvolkshochschule Bildungsangebote einbringt oder dass lokale Nachrichten und Dienstleistungen verfügbar sind - dies alles stets auf den Ort zugeschnitten.

Ländlichen Raum stärken

Zentrales Anliegen, so unterstreichen es die Bürgermeister der Pilotgemeinden gemeinsam mit der Landrätin,dass man so zu einem zukunftsfähigen ländlichen Raum beitragen will. "Die Digitalisierung birgt enorme Chancen", sagt Anita Schneider: Der Ansatz dabei: möglichst viele aktive Dorfgemeinschaften weiter zu stärken. Mehr als ein Smartphone soll man dafür nicht benötigen - und wenn es gut läuft, noch nicht mal das: Die Idee ist, in jedem Dorf eine "digitale Stele" an einem zentralen Punkt aufzustellen; So wird die App für jedermann zugänglich und nutzbar. Für die Pilotphase gibt es bislang nur eine solche Säule. Vier weitere sind noch zu beschaffen.

Die Kosten der auf zwei Jahre angelegten Startphase: 254 000 Euro. 65 Prozent Zuschuss gibt es von der EU aus deren LEADER-Programm, das der Stärkung des ländlichen Raums gilt. Finanziert werden damit das Programmieren der App durch einen Dienstleister und die Stelle eine Projektmanagers, den der Kreis einstellt. Finanzielle Unterstützung soll es von den Stadtwerken Gießen geben. Prof. Dr. Stefan Hennemann von den Wirtschaftsgeographen der Justus-Liebig-Universität Gießen wird die Pilotphase wissenschaftlich begleiten.

Bürger bringen sich ein

Wie soll es konkret laufen? Es gibt eine Steuerungsgruppe; Anfang des kommenden Jahres wird das weitere Vorgehen mit Bürgermeistern und Ortsbeiräten abgestimmt. "Läuft alles nach Plan, kommt die App für die Dörfer nach einer Testphase im Herbst 2020 zur Anwendung", so der Blick nach vorn. Wenn sich dieser Ansatz dann in 2021 bewährt, dann soll die Dorf-App in möglichst vielen weiteren Ortschaften im Landkreis Gießen installiert werden. Wie dies dann zu organisieren und vor allem zu finanzieren ist, das ist noch offen. Womöglich gebe es dann andere, neue Förderprogramme über 2021 hinaus, so die Hoffnung beim Kreis. Wobei Landrätin Schneider auch die Rathäuser gefordert sieht: Es sei "Teil der kommunalen Verantwortung" eine solche Dorf-App dauerhaft zu finanzieren.

Info: Fünf Dörfer machen den Test

"Digitale Infrastruktur kann dazu beitragen, dass sich Dörfer zu lebenswerten Orten mit Angeboten für Menschen in jedem Alter entwickeln", so die Hoffnung der Landrätin. Ob dies klappt, soll sich in Königsberg, Treis, Oppenrod, Dornholzhausen und Harbach zeigen. 

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