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Doppeltes Wasserrad im Brunnental

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Grünberg(tb). Apostrophiert als "Erlebnis- und Bildungsort" und mit 200 000 Euro aus dem LEADER-Programm der EU gefördert, werden die ehrgeizigen Pläne so langsam Realität: Erste Mosaiksteinchen des Projektes "600 Jahre Grünberger Wasserkunst" im Brunnental sind gesetzt, darunter ein "doppeltes Mühlrad". Zügig soll es nun weitergehen.

Wie berichtet, hatte sich vor Jahren schon ein ehrenamtlicher Arbeitskreis unterm Dach des Verkehrsvereins - seit 1896 Sachwalter des Brunnentals - Gedanken gemacht, wie man diese vorbildhafte Leistung der Ahnen würdigen sollte: 1419, als eine der ersten deutschen Städte, hatten die Grünberger besagte "Wasserkunst" in Auftrag gegeben. Im Zusammenspiel von Wasserrädern, Übertragungsgestängen und Leitungen aus einer Zinn-Blei-Legierung ward fortan das Trinkwasser in die 50 Meter höher gelegene Stadt gefördert.

Gesamtbudget von 370 000 Euro

Das Konzept des "Erlebnis- und Bildungsortes" ruht auf mehreren Säulen. Neben Themenspaziergängen zur Wasserversorgung, Geologie und zum Biotop Brunnental, neben einem "Mehrgenerationenplatz" samt Wasserspielanlage und Kneipp-Becken stehen vor allem die Stadtmühle und das Maschinenhaus im Fokus. Was nicht verwundert, beherbergten sie doch über Jahrhunderte die Fördertechnik. Mit der Umsetzung der Pläne im 600. Jubiläumsjahr der Wasserkunst wurde es nichts. Auch weil erst im Sommer 2019 der Bewilligungsbescheid über die EU-Mittel einging.

Im Februar dieses Jahres schließlich bedurfte es nochmals Beratungen der Stadtväter: Der Mehrgenerationenplatz kam mit rund 200 000 Euro teurer als erwartet. Die Stadtväter schossen 120 000 Euro nach, das Budget umfasst nun insgesamt 370 000 Euro. Wie von der Gießener Allgemeinen Zeitung berichtet, hat sich jedoch die Ausschreibung hingezogen, hielt sich das Interesse der Firmen in Grenzen. Nach den Ferien aber, so Harald Sellner als Vorsitzender des Verkehrsvereins, dürften die Aufträge vergeben werden. Bürgermeister Frank Ide zufolge soll die Eröffnung jetzt im Frühjahr 2021 gefeiert werden.

Im Plan und nahezu fertig sind dafür die Arbeiten in den Gebäuden, die als Info- respektive Ausstellungszentrum dienen werden. Im Maschinenhaus wurde die Elektrik samt Beleuchtung erneuert, der Sockel freigelegt und die Wände mit neuer Farbe versehen. Die Wandtafeln werden in Bälde aufgehängt. In der Stadtmühle zieht nicht nur die restaurierte rund 110 Jahre alte Drei-Kolben-Pumpe die Blicke auf sich. An der Wand dahinter wurde ein großformatiges Poster mit einem Wasserrad installiert - gewissermaßen schaut der Besucher durch die Wand auf das Original dahinter. Bereits zu sehen sind auch hier die InfoTafeln zur Technik der historischen Wasserversorgung. Ebenso erledigt ist das Freilegen der Decke, die Erneuerung der Elektrik und die gläserne Trennwand zur Pumpe hin.

Vor der Tür der Stadtmühle sind bereits die neuen Wegweiser aufgestellt, und in Kürze werden die Info-Tafeln an den Taleingängen sowie an den Stationen der Themenwege folgen.

Hingucker mit Durchblick: In der Stadtmühle zeigt ein großformatiges Poster samt Info-Tafeln das Wasserrad, das sich hinter der Wand dreht. Im Vordergrund ist die restaurierte Dreikolbenpumpe, Baujahr 1910, zu sehen. FOTOS: TB

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