Doppelspitze für die Licher SPD

  • schließen

Im Fußball sind Doppelspitzen selten geworden. In der Politik dagegen liegen sie voll im Trend. Jetzt hat auch die Licher SPD eine. Die Mitglieder wählten am Freitag Ruth Rohdich und Knut Stieger zu neuen Vorsitzenden.

Die Licher SPD hat ein schwieriges Jahr hinter sich und kein leichtes vor sich. Und sie muss sich nach der Wahl des bisherigen Fraktions- und Parteivorsitzenden Dr. Julien Neubert zum Bürgermeister neu aufstellen. Den Fraktionsvorsitz hat mit Brigitte Block eine Politikerin mit langjähriger Erfahrung übernommen. Der Stadtverband wird seit diesem Freitag von einer Doppelspitze geführt. Mit der Wahl von Ruth Rohdich und Knut Stieger entschied sich die Mitgliederversammlung für einen Neustart. Beide frisch gebackenen Vorsitzende sind nach Lich zugezogen, beide erst vor etwa zwei Jahren in die SPD eingetreten. "Weil wir aktiv mitgestalten wollen", wie es Stieger formuliert.

Der zurückliegende Bürgermeisterwahlkampf bot dazu die erste Gelegenheit. Nun stehen der 41 Jahre alte Medizinprofessor und die 52-jährige Psychologische Psychotherapeutin vor der komplexen Aufgabe, eine gespaltene Partei wieder zusammen zu führen und für die Kommunalwahl 2021 fit zu machen. Zudem sind in Lich nach dem Konflikt um die Langsdorfer Höhe weitere schwierige Diskussionen zu führen, etwa über die Straßenbeiträge oder die Zukunft des Waldschwimmbads.

Moderation gefragt

Dass einige bekannte Sozialdemokraten im Bürgermeisterwahlkampf dem einstimmig nominierten Kandidaten Neubert ihre Unterstützung versagten, war in Lich im vergangenen Jahr Tagesgespräch. Manche in der Partei vermissten Solidarität und fühlten sich tief verletzt. Offen ausgetragen wurde der Konflikt aber nie. Und er ist wohl auch nicht ausgestanden, wie das Ergebnis der Vorstandswahl vermuten lässt. Von 40 Anwesenden stimmten 30 für Rohdich, 35 für Stieger. Die Aussprache in der Versammlung, die nicht öffentlich tagte, sei kontrovers gewesen, berichteten die Vorsitzenden anschließend. "Wir müssen das aufarbeiten, sagt Stieger. Er und Rohdich sehen sich dabei in einer moderierenden Rolle.

Überhaupt haben sie sich vorgenommen, den Informationsfluss in alle Richtungen zu verbessern. Der Streit um die Langsdorfer Höhe habe gezeigt, wie schnell eine Debatte aus dem Ruder laufen könne. Und es gibt einiges zu besprechen. Neben den Themen Straßenbeiträge und Waldschwimmbad nennt Rohdich auch den Klimawandel. Was ist auf kommunaler Ebene zu tun, strukturell und individuell? "Darüber wollen wir ins Gespräch kommen."

Das gilt für die Stadtgesellschaft genauso wie für die eigenen Mitglieder. Über Veranstaltungen, Info-Briefen und die Webseite, die zur Kommunikationsplattform ausgebaut werden soll, möchte die neue Doppelspitze die Kommunikation vertiefen und gemeinsam Positionen erarbeiten.

Ein gutes halbes Jahr bleibt Rohdich und Stieger, um sich in die neue Aufgabe einzuarbeiten, ehe im Herbst der Kommunalwahlkampf beginnt. Die Entscheidung, ob sie selbst kandidieren wollen, sei noch nicht gefallen, sagen sie. "Erst mal schauen, wie die nächsten Monate laufen." Und wieviel Zeit noch bleibt. Die Vorsitzenden sind auch jenseits ihres neuen Ehrenamtes gut beschäftigt. Der dreifache Familienvater Stieger betreibt Grundlagenforschung an der Augenklinik und trainiert in seiner Freizeit eine Kindermannschaft der HSG Hungen-Lich. Rohdich ist als Gutachterin für den Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen tätig und für den Gemeinsamen Bundesausschuss in Berlin, der über den Leistungsanspruch der gesetzlich Krankenversicherten entscheidet. Mit Gremienarbeit und Interessensausgleich kennt sie sich also aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare