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Das "Dolle Dorf" hat Geburtstag

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Als Nanther 769 in Bellersheim eine Hofreite an das Kloster Lorsch vererbte, ahnte er sicher nicht, dass man dies 1250 Jahre später groß feiern würde. Doch noch viel mehr als über die erste urkundliche Erwähnung kann sich Bellersheim über ein blühendes Vereinsleben freuen.

Bellersheim feiert an diesem Wochenende seine erste urkundliche Erwähnung vor 1250 Jahren. Damals vererbte ein Nanther "im Dorf Baldreresheim eine Hube, zwanzig Joch Ackerland und alles, was ich an Wiesen in jener Gemarkung besitze" an das Kloster Lorsch, welches über solche Schenkungen genau Buch führte. Da es sich bei einer Hube um eine Hofreite handelt, dürfte das Dorf also noch wesentlich älter sein. Nur beweisen kann man dies bislang nicht - aber vielleicht taucht irgendwann noch ein Dokument auf.

Das rot-gelbe Dorfwappen mit Steigbügel und sieben Rauten gab es 769 jedenfalls noch nicht: Es wurde 1968 zur 1200-Jahrfeier geschaffen. Es lehnt sich jedoch an das Wappen der Ritter von Bellersheim an. Diese waren einst weit über die Wetterau verbreitet, weiß Ortshistoriker Werner Fuchs zu berichten. Warum das Wappen sich allerdings auch in einem Museumsgebäude in Rüdesheim sowie der Basilika von Aschaffenburg finden lässt, ist auch für ihn noch ein Rätsel. In Bellersheim ist das Rittergeschlecht übrigens bereits seit langem ausgestorben.

Lebendig ist hingegen des Vereinsleben des Dorfes. Egal ob Singen, Gärtnern oder Turnen, für fast jedes Hobby findet man hier Gleichgesinnte. Die Dorfgemeinschaft ist bereits seit Jahren sehr gut. Sie erhielt aber noch einmal einen Schub, als Bellersheim im Wettkampf des Hessischen Rundfunks um den Titel "Dolles Dorf 2015" antrat. Tagelang wurde gemeinsam im Feuerwehrhaus ein Online-Quiz gespielt, um Punkte in der Vorrunde zu sammeln. Beim Finale auf dem Hessentag in Hofgeismar stand dann das ganze Dorf hinter dem jungen Team - und feierte im Anschluss den Sieg.

Im Feiern sind die Bellersheimer geübt. Dazu trägt der TSV Bellersheim nicht nur mit sportlichen Erfolgen, sondern auch als Ausrichter der Beachparty sowie einer eigenen Karnevalssitzung bei. Der 1951 in den TSV eingegliederte Radsportverein "Frohsinn" richtete früher gar das Radrennen "Großer Preis von Oberhessen" in den Straßen des Dorfes aus.

Für Musik im Dorf sorgen der Musikzug, der Gesangverein Germania und "A-Chor-Do". Seit 1993 gibt es einen gemeinsamen Traktorclub mit dem Nachbardorf Obbornhofen. Das beeindruckendste Wachstum hat allerdings das Ski-Team hingelegt: Obwohl Bellersheim nicht gerade als schneesicher gelten kann - vielleicht fährt man deshalb auch lieber in die Alpen - wuchs das Team von 23 Wintersportbegeisterten mittlerweile auf mehrere hundert Mitglieder in dem seit 2011 eingetragenen Verein an. Bei Unwetter - wie 2018 - oder Bränden schützt die 1949 gegründete Feuerwehr die Menschen.

Ein närrisches Völkchen

Ein Verein prägt seit seiner Gründung 1977 das Dorfleben jedoch besonders: der Carneval-Club CCB. Jedes Jahr richtet er zwei Elferratssitzungen, eine Kinder- und eine Seniorensitzung aus. Der alle drei Jahre stattfindende Lichterumzug ist ein Besuchermagnet, am Faschingsdienstag rollt Hungens einziger Karnevalsumzug durchs Dorf. Auch andere Ortsvereine - etwa die Landfrauen mit ihrer Weiberfastnacht - sind längst vom "närrischen Bazillus" infiziert worden. Feiern können die Bellersheimer - und das zeigen sie nun auch zum Festwochende.

An diesem Wochenende steht das große Jubiläumsfest an: An Himmelfahrt (Do.) gibt es einen Tag der Vereine. Im Anschluss an den um 10.30 Uhr beginnenden Gottesdienst gibt es Livemusik, Spiele ohne Grenzen und Kindersingen. Am Freitag (31. 5.) heißt es "Bellersheim rockt". Die Band "seven hell" spielt ab 20.30 Uhr, der Eintritt kostet 8 Euro. Am Samstag (1. 6.) wird in Bellersheim "Wiesn" gefeiert. "Die Partyvoegel" spielen ab 20.30 Uhr (Eintritt 12 Euro).

Den Höhepunkt des Wochenendes markiert der historische Festzug am Sonntag, 2. Juni. Er zieht ab 13.30 Uhr durch die Straßen. Im Anschluss wird im Festzelt gefeiert.

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