Auf der Pistole, die die Polizei am Tag nach der Tat bei einer Durchsuchung in einem Kanalschacht entdeckt haben, wurden mehrere DNA-Spuren sichergestellt.  (Symbolbild)
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Auf der Pistole, die die Polizei am Tag nach der Tat bei einer Durchsuchung in einem Kanalschacht entdeckt haben, wurden mehrere DNA-Spuren sichergestellt.  (Symbolbild).

Landgericht Gießen

Prozess um Bordellbrand: DNA-Spuren auf der Pistole zugeordnet

  • Ursula Sommerlad
    VonUrsula Sommerlad
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Auf der Pistole, die die Polizei am Tag nach der Tat bei einer Durchsuchung in einem Kanalschacht entdeckt haben, wurden mehrere DNA-Spuren sichergestellt. Eine konnte zugeordnet werden.

Gießen/Reiskirchen - Für den Experten vom Landeskriminalamt ist die Sache klar: »Aus gutachterlicher Sicht besteht kein Zweifel, dass die beiden Männer die Spuren verursacht haben«, sagte Dr. Philipp von Grumbkow. Der Sachverständige für Forensische DNA-Analytik sagte als Zeuge vor der 7. Großen Strafkammer des Landgerichts Gießen aus. Dort sitzen ein 31-Jähriger und ein 37-Jähriger auf der Anklagebank.

Sie sollen am 14. Mai 2018 ein im Bau befindliches Bordell in der Carl-Benz-Straße 6 in Reiskirchen in Brand gesteckt haben. Da wenige Schritte weiter oben, in der Carl-Benz-Straße 11, ein weiteres Bordell entsteht, vermuten die Ermittler, dass hinter der Brandstiftung ein Konkurrenzkampf steckt.

Prozess um Bordellbrand: Treffer in der DNA-Analyse-Datenbank

Der Sachverständige hatte verschiedene Kleidungsstücke, Schuhe, Sturmhauben, zwei Sporttaschen und eine Pistole untersucht, die mit der Brandstiftung in Verbindung gebracht werden. Auf den Gegenständen konnte er Hautabriebspuren, Speichelreste und Blutflecken feststellen. Seine Analysen führten zu zwei Treffern in der DNA-Analyse-Datenbank und so zu den beiden Männern, die nun auf der Anklagebank sitzen. Für beide ist es nicht das erste Mal. Sie standen bereits u. a. wegen Einbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz vor Gericht. Der Ältere wird in einem früheren Urteil als »Sicherheitsbeauftragter« der Gießener Hells Angels bezeichnet.

90 Proben hatte der DNA-Analytiker untersucht. Im Ergebnis konnte er die Spuren auf den Kleidungsstücken jeweils einem der beiden Angeklagten zuordnen. »Einzig auf der Tasche tauchen Spuren beider Personen auf«, sagte der Gutachter.

Anders verhält es sich mit der Pistole, die die Polizei am Tag nach der Tat bei einer Durchsuchung in einem Kanalschacht auf dem Grundstück Carl-Benz-Straße 11 entdeckt hatte. Auf ihr haben mehrere Personen DNA-Spuren hinterlassen. Nur eine konnte zugeordnet werden. Sie gehört laut von Grumbkow zum jüngeren der beiden Angeklagten.

Bordellbrand-Prozess: War die Durchsuchung rechtmäßig?

Ob die Pistole im Prozess berücksichtigt werden darf, blieb vor Gericht strittig. Die Verteidiger Frank Richtberg und Henner Maaß hatten die Befragung des Zeugen zur Pistole beanstandet. Sie halten die Durchsuchung, die die Polizei ohne richterlichen Beschluss vorgenommen hatte, für rechtswidrig. Die Vorsitzende Richterin Dr. Kathrin Exler entschied anders. Die Polizei sei bei ihrem Einsatz von einem Konflikt zwischen rivalisierenden Rockerbanden ausgegangen und habe eine weitere Eskalation vermeiden wollen. Die Durchsuchung habe also präventiven Charakter gehabt. Per richterlichem Beschluss wies sie die Beanstandung der Verteidigung zurück.

Als weiterer Zeuge sagte Dr. Andreas Pfeiffer vom Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung aus. Der Chemiker ist Experte für Brand- und Explosionsursachen. Aufgrund von Bildern und Videos aus den Überwachungskameras geht er davon aus, dass in der Carl-Benz-Straße 6 mehrere Liter Kraftstoff verteilt und angezündet wurden. »Fünf Liter reichen, um eine Explosion herbeizuführen«, sagte er. Doch ob es dazu auch wirklich komme, sei von Fall zu Fall unterschiedlich. »Man kann vorher nicht sagen, ob das Gebäude explodiert, ob es brennt oder ob das Feuer erlischt.«

Bordellbrand in Reiskirchen: Es kam nicht zur Explosion

Im konkreten Fall war es weder zu einer Druckwelle, noch zu einem großflächigen Brand gekommen, kleinere Brandherde waren wohl mangels Sauerstoff erstickt. Konstantin von Reden-Lütcken, der Anwalt der Geschädigten, schloss daraus, dass es durchaus zur Schädigung von Personen und zur Zerstörung des Gebäudes hätte kommen können. Hat also nur der Zufall Schlimmeres verhindet? »Nein«, korrigierte der Sachverständige. »Es hängt nicht vom Zufall ab, sondern von naturwissenschaftlichen Parametern. Aber die kennen wir nicht alle.«

Der Prozess wird am Mittwoch mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung fortgesetzt. (us)

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