Digitales Auge soll im Notfall helfen

  • vonred Redaktion
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Gießen(pm). Ein Mensch steht an einer Unfallstelle und filmt mit dem Smartphone das Geschehen. Was normalerweise verboten und verwerflich ist, geschieht demnächst im Landkreis Gießen möglicherweise im Auftrag der Zentralen Leitstelle und dient der besseren Ersteinschätzung der Gefahrenlage. "EmergencyEye" heißt die neue Technik, die seit Dezember zunächst testweise zum Einsatz kommt.

Bei einem Notruf kann der Disponent der Leitstelle damit nach Zustimmung des Anrufers auf Funktionen des Smartphones zugreifen und bekommt so mehr Informationen zum Unglücksereignis. Landrätin Anita Schneider, die im Kreis Gießen auch für den Bereich Rettungswesen und Leitstelle verantwortlich ist, erklärt: "Wir haben uns für den Einsatz moderner, digitaler Mittel entschieden, weil so die Hilfe für Unfallopfer und Menschen in Gefahrensituationen, zum Beispiel bei Bränden, optimiert werden kann." Außerdem werde durch die fortschrittliche Technik die Arbeit der Rettungskräfte unterstützt. Schneider weiter: "Ich bin sicher, dass ›EmergencyEye‹ eine gute und richtige Investition in die Sicherheit der Bevölkerung ist."

Die Kosten für die neue Technik rechnet Kreisbrandinspektor und Fachdienstleiter der Gefahrenabwehr, Mario Binsch, vor: "Einmalig fallen 8000 Euro für die Einrichtung der Schnittstelle zum Einsatzleitrechner an, danach kostet die Software jeden einzelnen Bürger nicht mal fünf Cent im Jahr."

Binsch erklärt weiter: "Bei der Einsatzplanung ist es von großer Bedeutung, dass möglichst detaillierte und gesicherte Informationen von den Disponenten verarbeitet werden können. Durch eine Videoverbindung ist das nun besser möglich." Mit Hilfe von "EmergencyEye" könne sich die Leitstelle selbst ein Lagebild von Unfällen sowie Feuern verschaffen und zudem die Notrufenden über die Videoverbindung zur Ersthilfe anleiten.

Aktivierung über SMS-Link

Das System funktioniert laut Landkreis wie folgt: Erreicht ein Notruf die Leitstelle Gießen, dann versendet der Disponent mit "EmergencyEye" einen SMS-Link an den Anrufer. Über die Aktivierung des Links erlaubt der Notrufende dem Disponenten den Zugriff auf das Smartphone. Nach Zustimmung zur Standortbestimmung wird der genaue Unfallort zur Leitstelle übertragen.

Auch eine Videoverbindung kann hergestellt werden. Dazu wird der Anrufer um eine weitere Zustimmung angefragt. Über einen Datenkanal werden dann Geo-Daten und Live-Bilder von der Unfallstelle in die Leitstelle übertragen. Jederzeit können sowohl die Notrufenden als auch die Disponenten die Datenverbindung trennen, ohne dass das Telefonat über die Notrufnummer 112 beeinträchtigt wird. Die Leitstelle trennt die Videoverbindung spätestens dann, wenn die Rettungskräfte vor Ort eingetroffen sind.

Sämtliche Videoinformationen werden nicht gespeichert, versichert der Landkreis. Die höchstmögliche Datenverschlüsselung sorge für den gebotenen Datenschutz, auch Persönlichkeitsrechte würden gewährleistet. Die Software "EmergencyEye" wurde in der Leitstelle installiert, wodurch Ortung und Live-Videoverbindung bei jedem Anruf eines Smartphones funktionieren, auch wenn dieses im Ausland gemeldet ist. Lediglich ein entsprechendes Datenvolumen auf dem Smartphone des Notrufenden ist Voraussetzung.

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