Digitaler Nachweis schwer gefragt

  • Ursula Sommerlad
    VonUrsula Sommerlad
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In der Apotheke gibt es Medikamente und seit Montag auch den digitalen Impfnachweis. Der QR-Code fürs Handy ist schwer gefragt. Die Herde- Apotheke in Lich hat trotz einiger technischer Anlaufschwierigkeiten allein in den ersten beiden Tagen 400 Anfragen bearbeitet.

Die Nachricht vom Montag war kurz und knapp: »Hier geht’s rund«, tippte Olaf Herde um 9.29 Uhr in sein Handy. Zwei Tage später haben der Licher Apotheker und seine Schwester Anke Herde-Bertram rund 400 Kunden einen dringenden Wunsch erfüllt: den digitalen Impfnachweis.

Wer vollständig geimpft ist, konnte bislang als Nachweis den gelben Impfpass aus Papier zücken. In dem aber sind auch Informationen zu anderen Impfungen vermerkt. »Die möchte man vielleicht nicht überall vorzeigen«, gibt Olaf Herde zu bedenken. Zudem sei das Mitführen des Impfpasses umständlich. Der digitale Nachweis auf dem Handy ist praktisch. Deshalb war der Licher Apotheker sofort dabei, als das Gesundheitsministerium zusätzlich zu Impfzentren und Arztpraxen für diesen Service auch die Apotheken ins Boot holte. Seit Montag sitzen die Geschwister Herde am Computer, um analoge Impfnachweise in die digitale Form zu überführen.

Hexenwerk ist das nicht. Die Kunden kommen mit Impfpass und Personalausweis in die Apotheke, die erforderlichen Daten, darunter auch Impfstoff und Chargennummer, werden über ein Portal des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) in eine Maske übertrage und dann ans Robert-Koch-Institut geschickt.

Von dort kommt kurz darauf das EU-weit gültige Covid-19-Impferzertifikat mitsamt QR-Code retour. Den können die Kunden auf ihrem Handy entweder in der Corona-Warn-App oder in der neuen CovPass-App speichern. Fertig.

Aber der Teufel steckt im Detail. Olaf Herde kann seine Erfahrungen der vergangenen Tage in einem Wort zusammen fassen;: »durchwachsen.« Nach ein paar technischen Aussetzern am Montag habe das System am Dienstag komplett gestreikt. Von 9 bis 17.30 Uhr kam beim Versuch, die Daten ans RKI zu senden, stets die gleiche stereotype Meldung: »Wir bekommen leider gerade kein Feedback.«

Den Kunden konnte trotzdem geholfen werden. Als die Verbindung später wieder stand, haben die Herdes eine Spätschicht eingelegt, um die Daten doch noch am selben Tag nach Berlin schicken zu können. Am Mittwochmorgen lagen dann fein säuberlich ausgedruckt etwa 80 Zertifikate mit QR-Code fertig zum Abholen im langen Regal auf der Rückseite der Bedientheke. Den Extra-Service für den digitalen Impfnachweis stemmen die beiden Inhaber allein. Das Team sei nicht involviert, sagt Olaf Herde. »Das Alltagsgeschäft muss ja auch erledigt werden.«

Nach Angaben des Deutschen Apothekenverbands bieten rund 13 000 Apotheken den Service für den digitalen Impfnachweis an. Eine Voraussetzung: Sie müssen ans interne DAV-Portal angeschlossen sein, über das künftig auch elektronische Rezepte abgewickelt werden sollen.

Noch verfügen nicht alle über diese technischen Möglichkeiten. Die Herde-Apotheke schon. »Du musste bei der Digitalisierung mitmachen«, findet Olaf Herde mit Blick auf seine Kundschaft. »Jedes Jahr kommt ein neuer Jahrgang dazu, der nichts anderes mehr kennt.«

Dass aber auch ältere Kunden den digitalen Impfnachweis auf dem Smartphone haben wollen, hat Herde in den vergangenen Tagen erfahren. Überraschend viele seien es gewesen, erzählt er. Bei Bedarf helfe man ihnen auch beim Herunterladen der App. »Das freut die Leute.«

Der Lohn sind freundliche Bewertungen nicht nur auf Google, sondern auch im direkten Gespräch am Bedientresen. »Ich komme jetzt jeden Tag und lasse mir von Ihnen den Alltag organisieren«, strahlt die Kundin, die am Mittwochmorgen kurz vor 10 Uhr ihren QR-Code entgegen nimmt.

Olaf Herde schätzt, dass die Nachfrage nach dem digitalen Nachweis in den nächsten Tagen weiter hoch sein wird. Vor allem am Samstagvormittag, wenn die Berufstätigen Zeit haben, rechnet er mit verstärktem Andrang. Er wird die Lage im Blick behalten. »Vielleicht machen wir bei Bedarf auch an einem Sonntag mal für ein paar Stunden auf.«

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