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Im September prallte ein Mercedes nach einem Unfall in das Multifunktionsgehäuse, welches die Breitbandtechnologie beherbergt. Die Technik blieb unbeschädigt - zum Glück für die Dorfbewohner.

Digitale Lebensader in Gefahr

  • Patrick Dehnhardt
    VonPatrick Dehnhardt
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Schnelles Internet ist nicht erst seit Covid-19 für Unternehmen, Angestellte, Schüler und Studenten ein wichtiger Teil der Infrastruktur. Umso gravierender ist es, wenn das Netz aufgrund eines Unfalls gekappt wird. Nonnenroth schlitterte im September nur knapp an einem Ausfall vorbei. Der Ortsbeirat fordert einen besseren Schutz der digitalen Lebensader des Dorfs.

Für viele Unternehmen, Selbstständige und junge Menschen war sie schon immer wichtig, mit Covid-19 ist ihre Bedeutung jedoch noch mehr in den Fokus gerückt: eine gute Internetverbindung.

Im Landkreis Gießen verfügen dank des Engagements der Breitband Gießen GmbH und der Kommunalpolitik viele Orte über schnelles Internet. Glasfaserleitungen wurden bis in die Orte gelegt. Für die »letzte Meile« wird das Lichtsignal in ein elektrisches umgewandelt und ins Kupfernetz eingespeist. So ließen sich Internetgeschwindigkeiten erreichen, von denen man auf den Dörfern einst nur träumen konnte: Mancher merkte erst da, dass YouTube gar keine Bildergalerie ist.

Aber was ist, wenn ein »Herzstück«, der Verteilerkasten mitsamt Technik, zerstört wird?

Zwei Jahre Pandemie haben spätestens bewiesen, wie wichtig schnelles Internet ist: Schulunterricht und Arbeiten zu Hause wären ohne nicht möglich gewesen. Da wundert es nicht, dass sich in Nonnenroth am 25. September viele Menschen Sorgen machten.

Am Nachmittag kam es dort zu einem Unfall auf der Kreuzung am Dorfgemeinschaftshaus, der noch folgenreicher hätte ausfallen können. Zwei Autos prallten zusammen, ein Mercedes rutschte danach in das Multifunktionsgehäuse (MFG), in dem das Glasfasersignal auf das Kupfernetz übertragen wird. Die Beteiligten blieben unverletzt - und auch die Technik in dem Gehäuse unbeschädigt.

Ein Meter weiter rechts, und die Folgen wären enorm gewesen. »Es würde dann nichts mehr funktionieren«, sagt der Nonnenröther Ortsvorsteher Werner Leipold. Denn nicht nur das Internet, sondern auch das Telefonnetz wären betroffen. Das Festnetz wäre tot, auch der Hausnotruf, der vielen Senioren Sicherheit gibt, würde nicht funktionieren. Leipold sieht zudem enorme finanzielle Folgen für ört-liche Gewerbetreibende und Selbstständige, wenn das Netz länger beschädigt wäre.

Es ist nicht das erste Mal, dass nach einem Unfall ein Fahrzeug in den örtlichen Telefonverteiler knallt. Der Ortsbeirat ist sich der Bedeutung der Infrastruktur bewusst und hatte darum schon einmal Schutzeinrichtungen beantragt.

Nachdem Hessen Mobil die Lkw-Mautsäulen mit Leitplanken schützen ließ, keimte die Hoffnung, dass dies auch für Breitbandkästen möglich wäre. Vor einigen Jahren bestätigte Hessen Mobil auf Nachfrage dieser Zeitung, dass so etwas generell möglich sei. Bei einer Verkehrsschau wurde das Ansinnen jedoch abgelehnt.

Nochmals nachgehakt bei Hessen Mobil. Eine Pressesprecherin erklärt, dass sich eine außerorts stehende Mautsäule und ein innerorts stehender Verteilerkasten nicht vergleichen ließen. Nach der »Richtlinie für den passiven Schutz von Fahrzeug-Rückhaltesystemen« - umgangssprachlich Leitplanke - würden diese bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h nicht benötigt.

»Schutzeinrichtungen haben das Ziel, bei einem Anprall diesen so mild wie möglich zu gestalten, um Verkehrsteilnehmer und das Umfeld zu schützen«, schreibt Hessen Mobil. Sie würden nicht montiert, um mit einem Unfall einhergehende Störungen an Leitungen, Kabeln etc. zu verhindern oder zu mildern. Jedoch sei es innerorts möglich, das Gehäuse durch »bauliche Einrichtungen« abzusichern. »Das könnte ein Metallgestell oder ähnliches sein, wenn dadurch die Breite des Gehwegs nicht zu stark eingeschränkt wird«. Dies liege in der Verantwortung des Versorgungsunternehmens oder der Kommune.

»Diese Lebensader muss für das Dorf geschützt werden«, findet Ortsvorsteher Leipold. Der Nonnenröther Ortsbeirat habe daher entsprechende Anträge gestellt.

Eigentümer des demolierten MFG ist die Breitband Gießen. Da die Technik einwandfrei funktioniere, sei der Schaden noch nicht behoben worden, sagte der Technische Leiter Thomas Schmidt. Zudem sei ein Austausch der Technik bereits vor dem Unfall geplant gewesen. Dieser erfolge nun kommende Woche. Schmidt kann beruhigen: Wäre das Internet bei dem Unfall gekappt worden, hätten Spezialisten der Breitband Gießen den Schaden innerhalb von 24 Stunden behoben. Unfälle, bei denen Gehäuse beschädigt werden, seien zum Glück recht selten. »Einmal pro Jahr passiert das«, sagt Schmidt. Zudem komme es auch nicht immer gleich zu Netzausfällen.

Bislang habe es noch nie ein Gehäuse zweimal getroffen. Würde es an einer Stelle jedoch gehäuft zu Schäden kommen, würde man über Schutzmaßnahmen nachdenken: »Wir beobachten die Lage.«

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