1992 wurde die Gemeindeverwaltung Reiskirchen erweitert. Jetzt bereiten Defizite beim Brandschutz und das undichte, schlecht gedämmte Dach den Verantwortlichen Kopfzerbrechen.
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1992 wurde die Gemeindeverwaltung Reiskirchen erweitert. Jetzt bereiten Defizite beim Brandschutz und das undichte, schlecht gedämmte Dach den Verantwortlichen Kopfzerbrechen.

Dieses Haus ist brandgefährlich

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Eigentlich sollte nur das Bürgerbüro zeitgemäß untergebracht werden. Dann kam eins zum anderen. Nun muss die Gemeindeverwaltung Reiskirchen umfassend saniert werden. Vor allem der Brandschutz ist völlig unzulänglich.

Wer in der Reiskirchener Gemeindeverwaltung arbeitet, lebt gefährlich. Der Brandschutz-Experte, der den Gebäudekomplex im Vorfeld des geplanten Umbaus in Augenschein nahm, hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. So erzählte es jedenfalls Planer Heinrich Nachtigall von der Ingenieurgesellschaft Stumpf-Glock und Tischler am Mittwochabend in der Sitzung des Bauausschusses.

In der rund 1000 Quadratmeter großen Verwaltung gebe es keine Feuermauer, keine Brandschutztüren, nichts. Dafür aber mittendrin ein Treppenhaus. Im Falle eines Brandes würde das Gebäude in Windeseile voll mit Rauch sein, aus den Sitzungszimmern im Obergeschoss gäbe es kein Entkommen. Die Situation sei nicht nur nach den heute geltenden Richtlinien unhaltbar. "Das hätte so nie gebaut werden dürfen", sagt auch Bürgermeister Dietmar Kromm. Nun sollen die Mängel behoben werden. Das wird teuer. Und der Brandschutz ist nicht das einzige Problem. Um das Verwaltungsgebäude fit für die Zukunft zu machen, müssen auch die kompletten Elektroinstallationen erneuert und das Dach saniert werden.

Erhebliche Mehrkosten

Als die Gemeindevertreter den Umbau beschlossen, gingen sie von Gesamtkosten in Höhe von 510 000 Euro aus. Dieses Geld hatten sie auch genehmigt. Doch unter dem aktuellen Kostenplan steht eine andere Summe: 909 785 Euro. "Bis wir fertig sind, sind wir bei einer Million", befürchtet CDU-Fraktionsvorsitzende Petra Süße. Das zur Verfügung stehende Geld reicht noch nicht einmal aus, um die in diesem Jahr vorgesehenen Gewerke zu vergeben. Angefangen hatte alles mit dem Plan, im Obergeschoss der Gemeindeverwaltung ein zeitgemäßes Bürgerbüro einzurichten. Eigentlich sollte die Bauabteilung die Planung in die Hand nehmen, erläuterte der Bürgermeister. Dann kam eins zum anderen.

Im November schließlich übernahm Architekt Nachtigall den Problemfall. Seine Bestandsaufnahme war verheerend. Neben dem völlig unzureichenden Brandschutz, der Investitionen im hohen fünf- bis sechsstelligen Bereich erfordern wird, liegt vor allem beim Dach vieles im Argen. "In über 30-jähriger Tätigkeit habe ich selten ein Dach gesehen, das so schlecht gemacht worden ist", sagte der Planer. Hinzu kommen energetische Defizite bei Rolladenkästen, Heizkörpernischen oder den nicht isolierten Lichtkuppeln. Verschärft wird die Situation durch die Corona-Krise und rasant steigende Baukosten. "Die Handwerksbetriebe sind alle gut ausgelastet. Auf manche Ausschreibung bekommen wir kein einziges Angebot", berichtete Nachtigall.

Aus dem Ausschuss kamen kritische Nachfragen in Richtung Bürgermeister und Gemeindevorstand. "Wir machen seit 2016 an diesem Projekt rum. Als ehrenamtliche Kommunalpolitikerin muss ich davon ausgehen, dass mir Tatsachen vorgelegt werden", beschwerte sich Petra Süße. "Das hier ist keine Lappalie." Ausschussvorsitzender Reinhard Strack-Schmalor (SPD) monierte zudem, dass es für die umfangreichen Ausschreibungen keine haushaltsrechtliche Grundlage gegeben habe, und verlangte eine Deckelung der Kosten bei 900 000 Euro. Dr. Rolf Tobisch von den Grünen hingegen verteidigte das Vorgehen: "Die exakten Kosten kann man doch nur ermitteln, indem man ausschreibt."

Auch FW-Fraktionsvorsitzender Gerhard Albach versuchte, die Wogen zu glätten. "Wir sollten sehen, dass wir den Laden irgendwie zum Laufen bringen." Erster Beigeordneter Dr. Thomas Stumpf merkte an, dass der Gemeindevorstand selbst zu Beginn den Umfang der Maßnahmen nicht abschätzen konnte. "Sobald wir von der Kostensteigerung wussten, haben wir sie informiert."

Für die von der SPD geforderte Kostendeckelung gab es keine Mehrheit. Ein Beschluss über das weitere Vorgehen wurde im Bauausschuss ebenfalls nicht gefasst.

Bis zur Sitzung der Gemeindevertretung am kommenden Mittwoch soll der Gemeindevorstand einen Vorschlag unterbreiten, auf welchem Weg die fehlenden Mittel noch in diesem Jahr zur Verfügung gestellt werden können. Karl-Heinz Scherer (FW) legte den Verantwortlichen dafür einen Spruch seines früheren Chefs ans Herz: "Erzähl mir nichts von Problemen. Sag mir, wie du sie löst." Die Kosten für die Sanierung werde man "mit Schmerzen" schlucken müssen. "In der Zukunft wird die Gemeinde davon profitieren."

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