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Dieselautos werden zum Ladenhüter

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Gießen (sel). Mit dem Keltenmuseum in Glauberg hatte sich die Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Oberhessen einen ganz besonderen Tagungsort für ihre Frühjahrsversammlung erwählt, um dort Themen und Probleme zu erörtern, die der Keltenfürst zu seiner zweieinhalb Jahrtausende zurückliegenden Zeit mit Sicherheit nicht hatte. Zum Beispiel der Restwerte-Zerfall der Diesel-Pkw.

Carsten Müller (Lich), Obermeister der 350 Mitglieder zählenden Innung mit ihrem die Landkreise Gießen, Vogelsberg und Wetterau umfassenden Zuständigkeitsgebiet, sprach von "schätzungsweise 190 000 Euro-5-Dieseln mit einem Wert von rund 2,9 Milliarden Euro, die noch immer auf den Höfen des Kfz-Handels bundesweit stehen". Um diese Fahrzeuge noch verkaufen zu können, müssten hohe Abschläge zwischen zehn und 30 Prozent, in vielen Fällen noch darüber hinaus, gewährt werden.

"Der Diesel ist der Verlierer des Autojahres 2018", stellte Müller fest. Mit 8,3 Prozent bei den gebrauchten Pkw und 18,8 Prozent bei Neuwagen habe der Diesel innerhalb eines Jahres bundesweit überdurchschnittliche Einbußen hinnehmen müssen. Im Zweijahresvergleich 2016 bis 2018 ist die Quote der Diesel-Neuzulassungen laut Müller von 49 auf 33,8 Prozent gesunken. In der Dieselhochburg Hessen lag die Zulassungsquote der Dieselfahrzeuge 2015 sogar noch bei 50,6 Prozent. Für Hessen bedeute dies 50 000 Verkäufe weniger innerhalb von drei Jahren, rechnete der Obermeister vor. Der Verkauf von Dieselfahrzeugen entwickle sich für Händler zunehmend zum Verlustgeschäft, was mittlerweile auch für den Verkauf älterer Diesel ins Ausland gelte.

Bei Neuwagen liegt der Anteil der Fahrzeuge mit alternativen Antrieben bei 4,7 Prozent, 1,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dabei ist die Quote der reinen Elektrofahrzeuge von 1 auf 1,3 Prozent angestiegen. "Es geht also aufwärts, allerdings auf niedrigem Niveau", sagte Müller. Dennoch - oder deshalb - bereite sich der Automobilhandel auf eine wachsende Zahl von E-Fahrzeugen ab dem Jahr 2020 vor, weil auch auf dem deutschen Markt mit einer steigenden Angebotsvielfalt gerechnet werde.

Zufrieden zeigt sich das Kfz-Gewerbe mit der Entwicklung im Service-Geschäft, in dem der Umsatz um 4,7 Prozent gestiegen sei. Maßgeblich dazu beigetragen habe sowohl das expansive Geschäft der Unfallreparaturen sowie ein verbessertes Wartungsverhalten der Fahrzeughalter.

In Sachen Ausbildung stehe das Kfz-Handwerk gut da, weil vor allem der Beruf des Kfz-Mechatronikers bei jungen Menschen, auch bei Mädchen, traditionell hoch im Kurs stehe. In Hessen seien 2018 mehr als 2000 neue Ausbildungsverträge im Kfz-Gewerbe abgeschlossen worden, 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Bundesweit liege der Zuwachs sogar bei 5,4 Prozent. Auch der Beruf des Automobilkaufmanns/frau verzeichnete demnach ein Plus von 1,6 Prozent (im Bund 2,9 Prozent). In absoluten Zahlen: 1542 Kfz-Mechatroniker haben in Hessen (im Bund 23 415) ihre Lehre begonnen, ferner 384 Automobilkaufleute (im Bund 5445).

Obermeister Müller dankte den Ausbildungsbetrieben, die für diese positive Entwicklung Verantwortung trügen. Insgesamt müsse der Nachwuchswerbung mit Weitblick hohe Aufmerksamkeit geschenkt werden, um auch künftig viele Schulabgänger von der Attraktivität der Autoberufe mit ihren Karrieremöglichkeiten zu überzeugen. Dabei spiele zunehmend auch die Digitalisierung eine Rolle. Unter anderem beschloss die Innungsversammlung einstimmig die Einführung des digitalen Berichtsheftes für Auszubildende.

Neu in den Innungsvorstand, der aus dem Obermeister, seinem Stellvertreter und sieben Beisitzern besteht, wurde Thorsten Kühn aus Niederbessingen gewählt. (F: sel)

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