19 Jahre lang war Hartmut Lutz Ortsvorsteher. "Sein Erbe ist nicht in Worte zu fassen", sagt ein Wegbegleiter. ARCHIVFOTO: CHH
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19 Jahre lang war Hartmut Lutz Ortsvorsteher. "Sein Erbe ist nicht in Worte zu fassen", sagt ein Wegbegleiter. ARCHIVFOTO: CHH

"Diese Lücke kann niemand füllen"

  • vonStefan Schaal
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Er war Ideengeber, Begleiter und Motor für so gut wie alles, was in den vergangenen 20 Jahren in Garbenteich bewegt wurde: Nach Hartmut Lutz Tod vor einem Monat steht die Dorfgemeinschaft vor der Frage: Wie soll dieser Verlust aufgefangen werden? Dabei äußern Weggefährten eine Idee, wie das Andenken an Lutz in Zukunft gefördert werden könnte.

Leise flatterten sie im Wind, in den Farben Rot und Weiß. Fahnen mit dem Wappen Garbenteichs wehten Anfang dieses Monats an zahlreichen Häusern des Dorfes und hingen an Hoftoren - versehen mit einem schwarzen Band der Trauer. Sie erinnerten an Hartmut Lutz, der 1942 in Garbenteich geboren wurde, für Garbenteich und die Garbenteicher gelebt hat und am 19. Juni gestorben ist.

Die Mitglieder der Dorfgemeinschaft stehen vor der Frage, wie sie diesen Verlust auffangen sollen - und finden deutliche Antworten. "Sein Tod hinterlässt eine Lücke, die niemand schließen kann", sagt Carsten Müller. Eine langjährige Wegbegleiterin, Siglinde Michen, erklärt: "Positionen kann man ersetzen. Menschen nicht." Der Einsatz Lutz’ für sein Dorf sei schwerlich fortzusetzen.

"Us Goarwedaicher" war seine Motivation. 19 Jahre lang war Lutz Ortsvorsteher. Auch wenn er im Pohlheimer Stadtparlament als CDU-Fraktionsvorsitzender saß, wirkte sein Engagement in Garbenteich nie parteipolitisch gefärbt. Als die Kirmes ausstarb, ergriff er die Initiative, um das Dorffest ins Leben zu rufen. Er gründete maßgeblich den Dorfgemeinschaftsverein. Gleichzeitig war er Ortsgerichtsvorsteher. In historischer Kluft gab er Führungen durch das Dorf, auf Wunsch in Platt. Auch Kinder der Lückebach-Grundschule unterrichtete er in der Geschichte des Dorfs. Von der ersten urkundlichen Erwähnung Garbenteichs 1141 konnte er erzählen, als wäre er selbst dabei gewesen. Fair, sachlich und ruhig engagierte er sich in Vereinen.

Bewohner erzählen Anekdoten

Im Rang eines Oberstleutnant wurde Lutz 1993 in den Ruhestand verabschiedet. Durch den damaligen Bürgermeister Hermann Georg motiviert, engagierte er sich dann auf kommunaler Ebene. Dorfbewohner erzählen Anekdoten, wie er ihnen auch bei privaten Problemen, beispielsweise bei Krankheits- oder nach Todesfällen in ihrem Familienkreis, zur Seite stand.

"Ich hätt a Idee", rief er immer wieder aus. Einmal schlug er vor, an den alten Häusern in Garbenteich Schilder mit den historischen Familiennamen anzubringen. Er legte gleich Angebote von Herstellern auf den Tisch, diskutierte mit Hauseigentümern. Nach einem Jahr hingen die Schilder. "Sein Erbe ist nicht in Worte zu fassen", sagt Ulrich Hutzfeld von der Dorfgemeinschaft. Man werde es nur mit gemeinsamen Kräften schaffen, das Engagement fortzusetzen, sagt Müller. Und er erinnert an Gedenktafeln für den Wolfsforscher Werner Freund, die an den Ortseingängen Garbenteichs stehen. "Eigentlich müssten wir solche Tafeln auch für Hartmut Lutz aufstellen", sagt er. "Wir hoffen, wir können seinen Einsatz für uns irgendwie zurückzahlen."

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