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Die Zeichen stehen auf Abriss

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Von: Christina Jung

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Die Tage des alten Bahnviadukts am Licher Teufelswiesenweg scheinen gezählt. © Tina Jung

Nach wie vor haben Teile des Mehrheitsbündnisses in Lich Bauchschmerzen mit dem Abriss des alten Bahnviadukts im Teufelswiesenweg. Dennoch scheinen die Tage des Brückenbauwerks gezählt zu sein.

Es hat weder Denkmalwert noch eine Funktion, zudem ist es in einem miserablen Zustand. Eine Sanierung des alten Bahnviadukts im Licher Teufelswiesenweg würde rund 355 000 Euro kosten, dazu kämen weitere 50 000 Euro, weil der dortige Regenwasserkanal vergrößert werden muss und die dafür notwendigen Arbeiten im Fall eines Brückenerhaltes aufwendiger und damit teurer würden. Die Denkmalschutzbehörde hat das Viadukt bereits für den Abriss freigegeben, im Ausschuss für Bauen, Umwelt und Stadtentwicklung am Dienstagabend in der Sport- und Kulturhalle in Muschenheim wurde klar: Auch aus Sicht des Artenschutzes steht dem Rückbau nichts entgegen, wenn sogenannte Vermeidungs- und Kompensationsmaßnahmen berücksichtigt würden.

Das Büro Plan Ö aus Fellingshausen hat ein entsprechendes artenschutzrechtliches Kurzgutachten erstellt, das die Stadt auf Antrag von Grünen, BfL und FDP vorzeitig in Auftrag gegeben hatte. Diplom-Biologe Dr. René Kristen stellte es dem Gremium vor. Fazit: Bei einem Abbruch des Viadukts kann es artenschutzrechtliche Konflikte geben, insbesondere mit Blick auf Vögel, Fledermäuse, Haselmaus und Zauneidechse. Um eine Störung bzw eine Zerstörung der Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu vermeiden, empfiehlt der Experte eine ganze Reihe an Schutzvorkehrungen sowie eine artenschutzrechtliche Baubegleitung. Und: »Der Abriss muss gut koordiniert werden«, so Kristen. All dies würde aber auch für den Fall gelten, dass sich die Mandatsträger für einen Erhalt des Bauwerkes aussprächen.

Brücke ohne Funktion

Doch danach sieht es nicht mehr aus, wenn auch einige Mitglieder des Mehrheitsbündnisses mit dem Plan so ihre Schwierigkeiten haben. »Wir haben nach wie vor Bauchschmerzen mit dieser Vorlage«, erklärte Berchtold Büxel (Grüne). Aus seiner Sicht sei die Verkehrssicherheit des Viadukts auch weniger kostenintensiv herzustellen als vom Büro »HAZ Beratende Ingenieure für das Bauwesen« ermittelt. Immerhin handele es sich um eine Brücke, die keine Funktion mehr erfüllen müsse. Zudem sehe man einen Zusammenhang zwischen dem Abriss des Bauwerkes und der Vergrößerung des Kanals.

Joachim Siebert (BfL) warf zwischen den Zeilen die Frage auf, ob die notwendige Kanalvergrößerung auf das Logisitikzentrum und die dort versiegelte Fläche zurückzuführen ist und ob es möglich sei, die Dietz AG an den Baukosten zu beteiligen.

Was Letzteres angeht, sagte Bürgermeister Dr. Julien Neubert zu, das Gespräch zu suchen, erklärte aber gleichzeitig, dass - wenn überhaupt - von dem Unternehmen nur ein kleiner Betrag zu erwarten sei, da aus dem Bereich des Logisitikzentrums nur ganz wenig Wasser aufgenommen würde. Zudem wies er die Unterstellung zurück, dass ein Zusammenhang zwischen Brückenabriss und Kanalvergrößerung bestehe: »Das war nicht der Grund für diese Vorlage.«

Vielmehr lasse die Stadt ihre Brückenbauwerke regelmäßig prüfen. Das alte Bahnviadukt hatte bereits 2019 schlechteste Bewertungsnoten bekommen. Durch weitere Planungen zur Erneuerung von Kanal und Wasserleitungen der Stadtwerke geriet es wieder in den Fokus, eine nähere Betrachtung und Begutachtung auf die Bausubstanz wurde erforderlich. Denkmalbehörde und Ingenieurbüro wurden hinzugezogen, der Rest ist bekannt. »Wir haben hier eine Einschätzung von Prüfern vorliegen, deren Fachexpertise ich unterstellen kann«, entgegnete der Rathauschef Berchtold Büxel, der in seinen Augen lediglich seine »persönliche Meinung« kundtat. Bei der Abstimmung enthielten sich die zwei Mandatsträger der Grünen, die zwei BfL-Vertreter votierten gegen die Vorlage. Zustimmung kam von SPD, CDU, FW und FDP (fünf Stimmen). Johannes Bork (SPD): »Aus unserer Sicht spricht nichts gegen einen Abbruch.«

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