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Die Welt anschauen

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Von: Rüdiger Soßdorf

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Schneeweißchen und Rosenrot sitzen gemeinsam mit der Taube und dem Lamm zu Füßen der Mutter und lauschen deren Geschichten. © Ruediger Sossdorf

Mit »Schneeweißchen und Rosenrot« bringt das Amateurtheater Sammelsurium einen Klassiker auf die Bühne, den Wilhelm Grimm vor bald 200 Jahren aufgezeichnet hat. Heute ist - nach zwei Jahren der Pause - Premiere des Weihnachtsmärchens in Krofdorf-Gleiberg.

Die gefährlichste Weltanschauung haben die Menschen, die die Welt nie gesehen haben.« Diese Worte sind frei nach einem Alexander von Humboldt zugeschriebenen Zitat formuliert und zielen ab auf Vorurteile und Unkenntnis. Fast beiläufig fällt dieser Satz, als Schneeweißchen und Rosenrot auf ein Ehepaar treffen, das auf der Reise gen Süden ist und dabei Neues kennenlernt.

Zugleich schlagen die Worte den Bogen zum Prozess des Erwachsenwerdens, denn auch das ist ein stetes Gewinnen neuer Erkenntnisse. Weil man sich auf Neues einlässt, Unbekanntes kennenlernt, die Welt anschaut. Die beiden Schwestern öffnen dem von vielen gefürchteten Bären die Türe, gewähren ihm den Winter über Quartier. Und auch dem Zwerg begegnen sie mehrfach im Wald - hilfsbereit und frei von Vorurteilen. Auch wenn der es ihnen mit Boshaftigkeit vergilt und sich undankbar zeigt.

Bei »Schneeweißchen und Rosenrot« handele es sich auch um eine Geschichte des Erwachsenwerdens - und das verlaufe nicht ohne Spannungen, erläuterte Rolf Bernhardt während der Proben. Er zeichnet für die neue Bühnenfassung verantwortlich.

Der Klassiker »Scheeweißchen und Rosenrot«, vor bald 200 Jahren aufgezeichnet von Wilhelm Grimm, wird nach 1995 und 2004 nun zum dritten Mal vom Wettenberger Amateurtheater Sammelsurium als Weihnachtsmärchen auf die Bühne gebracht.

Regie führt Kim Archut gemeinsam mit ihrem Team Yvonne Lang, Theresa Gagstatter und Julius Henkelmann.

Mehr als 80 Darsteller werden von heute an zwei Wochenenden ihr junges und ihr erwachsenes Publikum gleichermaßen in ihren Bann ziehen. Fast alle Rollen sind doppelt besetzt. Dazu wurde das bekannte Märchen um zusätzliche Handlungsstränge ergänzt, ohne den klassischen Kern mit seiner vielfältigen Symbolik und seiner Botschaft zu beeinträchtigen. Zum einen, um möglichst vielen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, bei den Aufführungen mitzumachen. Zum anderen reduziert dies deren Belastung an den sechs Tagen mit insgesamt zehn Aufführungen.

Mit der Märchen-Inszenierung endet eine zweijährige pandemiebedingte Zwangspause für die Wettenberger Theatermacher. Bereits vor den Sommerferien begannen die Vorbereitungen. Neben der Rollenverteilung und den folgenden Proben waren Kulissen zu bauen, Kostüme zu schneidern, ein Tanz einzustudieren.

Das Herz des Sammelsuriums schlägt im Uli-Sucker-Haus, einer ehemaligen Schreinerei im Krofdorfer Ortskern. Es ist benannt nach dem viel zu früh verstorbenen ersten Jugendpfleger der Gemeinde Wettenberg. Er hatte vor mehr als 30 Jahren mit jungen Leuten »Dornröschen« inszeniert - mit so viel Spaß am Spiel, dass es nicht bei dem einen Märchen blieb. Das Amateurtheater war geboren.

Ach ja, und wie es ausgeht mit dem Bären und Schneeweißchen und mit dem Schatz in dem von Rosenrot so sehr geliebten Wald, das wird an dieser Stelle freilich nicht verraten. Nur so viel: Ende gut…

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