Die Probleme bleiben

  • vonPatrick Dehnhardt
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Gießen (pad). Es war eine Szene in einem Supermarkt im Landkreis: Eine Kundin läuft auf die Kundentoilette zu. Die Bäckereiverkäuferin stoppt sie, noch bevor sie an der verschlossenen Tür rütteln kann: »Die ist auf behördliche Anweisung geschlossen, da dürfen wir keine Kunden mehr drauf lassen«, sagt die Verkäuferin.

Das war in den vergangenen Monaten kein Einzelfall. Wer beim Einkaufen mal schnell auf Toilette musste, der hatte in vielen Geschäften keine Chance. Mit den sinkenden Inzidenzzahlen hat sich diese Lage mittlerweile zwar erheblich entspannt, immer mehr Geschäfte haben die stillen Örtchen wieder geöffnet.

Nun kennt schon jeder Gesunde die unangenehme Situation einer verschlossenen oder einfach nicht vorrätigen Toilette. Für Menschen mit bestimmten Krankheitsbildern aber waren die vergangenen Monate besonders hart. Menschen mit Blasenschwäche etwa oder Betroffene, die an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung leiden. Sie sind darauf angewiesen, im Notfall schnell auf eine Toilette zu können.

Wenn dann während der Pandemie selbst das WC im Stamm-Supermarkt geschlossen wurde, bedeutete dies für die Erkrankten einen enormen Stress und eine große Einschränkung, sagt Ute Lugert, Landesbeauftragte Hessen des Selbsthilfeverbandes für entzündliche Darmerkrakungen. Weil sich Betroffene in jener Zeit zweimal überlegt haben, ob sie überhaupt vor die Tür gehen, um alltägliche Dinge wie den Einkauf zu erledigen.

Bereits vor Corona sei die Lage kompliziert gewesen, erklärt Lugert. »Die Toilettensituation in Deutschland ist an sehr vielen Orten äußerst lückenhaft. Von verschmutzten Toiletten wollen wir da gar nicht erst sprechen.« Öffentliche Toiletten seien rar gesät, dies bleibe auch nach der Pandemie ein Problem, sagt die Expertin.

Dass in der Pandemiezeit überhaupt Toiletten geschlossen wurden, geschah allerdings nicht auf Anweisung von offizieller Seite. »Es gibt keine rechtlichen Regeln, nach denen öffentliche Toiletten oder Kundentoiletten geschlossen sein müssen«, sagt Dirk Wingender, Pressesprecher des Landkreises Gießen.

Jedoch scheuten viele Betreiber wohl die aufgrund der Pandemie verschärften Reinigungsvorgaben.

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