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Die Fachwerk-Konstrukteure

  • Rüdiger Soßdorf
    VonRüdiger Soßdorf
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Was braucht es für den Bau eines Fachwerkhauses? Vor allem Holz, Lehm, Stroh und Wasser. Und Können! Im Wettenberger Holz- und Technikmuseum werden Ferienspiel-Kinder spielerisch an das ökologische Bauen vergangener Jahrhunderte herangeführt.

Das geht auch mit den Füßen…«. Fabian lässt sich das nicht zweimal sagen: Flugs hat der Zehnjährige Schuhe und Socken abgestreift und steigt in den schwarzen Bottich. Dort zerstampft er mit einem breiten Grinsen im Gesicht Lehm, Stroh und Wasser zu einer zähen »Matschepampe«. Zwei seiner »Kollegen« kneten eine ähnliche Masse ebenfalls hoch konzentriert mit ihren Händen in Eimern durch. »Mehr Wasser! Ich brauch mehr Wasser! Das ist ja ganz steif.« - »Nee, nee, nicht zu viel, sonst fließt ja alles weg«, weiß dagegen Ben Bescheid. Vorbereitungen für eine Fachwerkkonstruktion.

Mit Begeisterung und voller Konzentration sind neun Jungen und Mädchen im Grundschulalter bei den Ferienspielen am Montag hinterm Holz- und Technikmuseum in Wißmar zugange, um zu lernen, wie einst in ihrer Heimat in Mitteleuropa Häuser gebaut wurden. Zentral dabei der tolle Werkstoff Holz, der vergleichsweise günstig verfügbar war (und ist) und vor allem leichter zu bearbeiten ist als Stein. Denn Steine in Form zu bringen, das war in vergangenen Jahrhunderten durch die harte Arbeit der Steinmetze eher aufwändig und damit auch teurer. Und so ganz nebenbei erfahren die Kinder auch, dass Fachwerkkonstruktionen mit Lehmgefachen eine ökologische, natürliche Form des Bauens mit nachwachsenden naturbelassenen Materialien sind.

Ort zum Lernen

Während die einen noch Lehm stampfen, haben drei weitere Kinder Weidenäste geschnitten und befreien diese vom Laub. Rund 85 Zentimeter lang müssen die Ruten geschnitten werden, bittet Teresa Steinmetz die Kinder. Dann passen sie genau in die hölzerne Fachwerkkonstruktion. Steinmetz absolviert im Holz- und Technikmuseum ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr. Sie betreut die Kinder zusammen mit Dietrich Schulze Horn vom HTM-Freundeskreis und Marion Rentrop, der Betriebsleiterin des Holz- und Technikmuseums.

Das Museum wird im Rahmen der Ferienspiele einmal mehr seinem Ruf als ausgezeichneter außerschulischer Lernort und regionales Umweltbildungszentrum gerecht. Und erfährt breiten Zuspruch: Während die Kinder hinterm Haus ein Weidengeflecht zwischen die Holzbalken bringen, tagen im Schulungs- und Seminarraum im Obergeschoss Erzieherinnen aus Wettenberger Kindergärten: Sie sind dort zu einer Fortbildung zusammengekommen. Und vom direkt am Haus vorbeiführenden Lahn-Radweg biegen am späten Vormittag ein paar Radler auf den Hof des Museums ab. Auch sie wollen die in ihrer Art in Hessen wohl einmalige Einrichtung kennenlernen.

Die neun Ferienspielkinder haben unterdessen ihre Frühstückspause gemacht und sich an der nahen Seilbahn ausgetobt. Jetzt geht es ans Schließen der Gefache mit der »Matschepampe«.

Das Stroh-Lehm-Gemisch hat genau die richtige Konsistenz, wenn es von beiden Seiten aufs Geflecht aufgebracht wird und nicht mehr heruntersackt. »Hält das?« - »Hält!«, freuen sich die Jungs und Mädels am Ende des Vormittags. Auch Teresa Steinmetz, Marion Rentrop und Dietrich Schulze Horn sind sich bei ihrer spielerischen Arbeit mit den Kindern sicher: Alles richtig gemacht.

Um die Gefache mit Lehm zu füllen, müssen vorab Weidenäste geschnitten und vom Laub befreit werden. Dann können sie behutsam ins Fachwerk eingeflochten werden. Zudem ist das Füllmaterial aus Lehm, Stroh und Wasser herzustellen. FOTOS: SO

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