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Im Licher Waldschwimmbad wollen Peep Durple alias (hinten v. l.) Thilo Eiff, Ralf Gräbe, Danny Wächter sowie (vorn, v. l.) Gerhard Schmied, Andy Kühr und Michel Schmied am Samstag »endlich wieder mal richtig aufdrehen.«

Die etwas andere »Silberhochzeit«

  • Gabriele Krämer
    VonGabriele Krämer
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Die Haare und Bärte sind grauer, die Köpfe bisweilen etwas lichter geworden - doch auch nach 26 Jahren stehen sie fest zusammen. Wie in einer guten Ehe. Ihre coronabedingt leicht verspätete »Silberhochzeit« feiert die Altherrenriege von »Peep Durple« am Samstag mit einem Open-Air-Konzert in Lich.

Als Ian Gillan und Co. an jenem Abend im Juni 1999 bei den Zugaben »Black Night« und »Highway Star« über die Bühne tobten, gab es für die 5000 Zuschauer auf dem Schiffenberg kein Halten mehr - sie wurden zu zuckenden und wippenden Rockern. Genau so muss ein Rockkonzert sein, und irgendwie könnte es fast genau so am kommenden Samstag werden, wenn »Peep Durple« ihr 25-jähriges Bestehen mit einem Freiluftkonzert im Licher Waldschwimmbad (nach-) feiern. Die Coverband aus dem Gießener Land, die seit nunmehr einem Vierteljahrhundert ihren musikalischen Vorbildern nacheifert, will »endlich mal wieder so richtig aufdrehen«.

»Made with Passion« - mit Leidenschaft gemachte Musik verspricht der Titel des bevorstehenden Rockspektakels, das ebenso wie das komplette Open-Air-Wochenende im Waldschwimmbad (siehe Kasten) dank Förderung des Hessischen Kultusministeriums und Unterstützung durch Diehl + Ritter/»Ins Freie« zustande kommt. Für die Altherrenriege von »Peep Durple« wird das der erste gemeinsame Auftritt seit zwei Jahren sein. Die Pandemie hat auch dieser Band in den vergangenen Monaten so manchen Gig verhagelt.

Kurioserweise hatten die fünf Veteranen der Gießener Szene - Gerhard Schmied (Gesang), Danny Wächter (Bass), Ralf Gräbe (Gitarre), Thilo Eiff (Keyboard), Andy Kühr (Schlagzeug) - und ihr Band-»Youngster« Michel Schmied (Gesang) im Sommer 2019 ausgerechnet auf dem Gießener Hausberg ihr bis dato finales Konzert gegeben. An jenem Ort, an dem einst der junge Michel in Begleitung von Papa Gerhard eine denkwürdige Begegnung hatte: »›Deep Purple‹ habe ich als Zehnjähriger 1999 am Schiffenberg gesehen. Das waren ganz freundliche Kerle«, reflektiert der heute 33-Jährige das damalige Backstage-Treffen mit den Altrockern Ian Paice, John Lord, Ian Gillan, Roger Glover und Steve Morse.

Jenes Treffen war in gesangstechnischer Hinsicht ziemlich nachhaltig: »Deep Purple« hatte das Kind fortan ins Herz geschlossen - und zögerte als junger Erwachsener nicht lange, als ihn sein Vater und dessen Freunde zum Mitmachen in ihrer Coverband einluden.

Quasi mühelos meistert Michel Schmied (deutschlandweit bekannt aus den Liveshows von Pro7/»The Voice of Germany«) die schier unfassbaren Höhen in Klassikern wie »Child in time«, »Woman from Tokyo« oder »Highway Star«. »Das kriege ich nicht mehr hin. Die anstrengenden Parts übernimmt Michel«, schmunzelt Gerhard Schmied beim Vater-Sohn-Interview in Heuchelheim und versichert: »Es macht immer noch Spaß«.

Das Publikum in Lich darf sich auf eine rund zweistündige Zeitreise zurück zu den Anfängen der legendären britischen Urgesteine freuen. Damit die »Purple«-Songs so authentisch wie nötig und mit so unverwechselbarer musikalischer »Durple«-Handschrift wie möglich rüberkommen, lassen die sechs Jungs nichts anbrennen: Als sie sich vor einem Monat erstmals seit Langem zu einer Bandprobe trafen, zeichneten sie alles auf. »Sicherheitshalber«, wie Gerhard Schmied sagt. Seitdem haben sie hier und da noch etwas gefeilt, und nun sitzt das Repertoire »wie einst im Mai«.

Eigentlich waren die Hard-Rock-Ikonen von »Deep Purple« vor mittlerweile einem halben Jahrhundert die Initiatoren für die musikalische Entwicklung der fünf »Peep Durple«--Urgesteine. Das ist die Musik, mit der sie aufgewachsen sind, und diese gemeinsame Liebe ist auch maßgeblich für das Gefühl der Band. Ohne den Einfluss von »Deep Purple« hätte wohl keiner je zu einem Instrument oder Mikrofon gegriffen - und das haben alle fünf in den letzten 50 Jahren reichlich getan. Man kennt die Musiker hinlänglich aus verschiedenen erfolgreichen Bands, »Peep Durple« ist hingegen ihre Herzensangelegenheit und Spaß-Combo zugleich.

Die Musik ihrer Vorbilder nimmt die Band sehr ernst, sich selbst dagegen nicht unbedingt. »Peep Durple« stehen für musikalische Qualität und Spaß gleichermaßen. Aussagen aus der »Gründerzeit« vor 26 Jahren haben bis heute Bestand: »Am liebsten ist uns, wenn uns die Luftgitarristen und Headbanger unter den Zuschauern in die Gitarren fallen«, lautete einst das Statement der Band, und: »Wir haben einen Mordsspaß mit unserer Musik, das ist die Hauptsache, und wenn sich dieser Spaß auf das Publikum überträgt, geht’s auch uns gut.« Eine vielversprechende Einstellung für den kommenden Samstagabend im Waldschwimmbad.

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