Die Esel kannten den Weg

  • Alexander Geck
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Von der ehemaligen Lochermühle in Lang-Göns zeugennur noch der Name des dorthin führenden Wegs und ein verlandeter Teich. Im Jahr 1974 wurde die Mühle abgetragen. Nach rund 600-jährigem Betrieb ging damals eine lange Tradition zu Ende.

Automatisierung in Form unbemannter Transportsysteme gab es erstaunlicherweise schon im 19. Jahrhundert. In Lang-Göns jedenfalls gingen mit Mehlsäcken beladene Esel alleine auf dem nach ihnen benannten Weg von der Lochermühle durch die Mühlwiesen ins Dorf hinein. Da der Name der Eigentümer des frisch gemahlenen Mehls an der Last angebracht war, konnten die Esel diesen zugeführt werden. »Auch den Weg zurück zur Mühle fanden die klugen Tiere stets ohne Begleitung«, weiß Heimatforscher Otto Berndt zu berichten.

Berndt verweist auch auf das nahe gelegene Bahnwärterhäuschen - eines von immerhin vieren auf Gemeindegebiet. Offensichtlich herrschte an dieser Stelle so viel Betrieb, dass eine personenbezogene Regelung des Bahnbetriebs notwendig war.

Die Mühle gab es vermutlich schon seit dem 14. Jahrhundert. Der Flurname »Bei der Lochermühle« ist erstmals 1566 in den Grundbüchern zu finden. Die Mühle lag Richtung Großen-Linden am Fuße des zum Gönsbach hin abschüssigen Hardtwalds. Das Wasser wurde über einen Mühlbach, einen Graben, zur Mühle geleitet und anschließend wieder dem Gönsbach zugeführt. Der Name, so ist zu vermuten, geht auf die Lage zurück. So ist »loh« oder »loch« zum einen eine mittelhochdeutsche Bezeichnung für Wald, Hain oder Gehölz, zum anderen für Sumpfwiese oder Feuchtgebiet. Und genau an einem solchen Punkt befindet sich die Lochermühle.

Eine Beschreibung Anfang des 19. Jahrhunderts gibt die Zustände so wieder: »Die Mühl so untig dem Dorff gelegen, die Locher Mühl genannt, hat einen oberschlächtigen Mahlgang, ist des Müllers Erbeigen, liegt am Langgönßer Waßen.«

Das Anwesen kam später in Gemeindebesitz und wurde verpachtet, unter anderem an Ludwig Römer.

Eine zweite Mühle versah zu dieser Zeit noch an der Moorgasse ihren Dienst. Der Betrieb wurde 1914 mit dem Verkauf an die Flurbereinigungsgesellschaft eingestellt, Bauplätze für Wohnhäuser entstanden. Das Mühlengebäude existiert noch. Auch eine dritte Mühle - eine Windmühle - hat es nördlich der Holzheimer Straße gegeben. Alte Flurnamen lassen darauf schließen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Überlegungen, die Lochermühle noch einmal in einen betriebsfähigen Zustand zu versetzen. Der Gemeinderat fasste einen diesbezüglichen Beschluss, der jedoch nicht umgesetzt wurde. Schließlich erhielt der bisherige Pächter Karl Wahl 1946 das Anwesen wieder zur Nutzung. Kurze Zeit später verkaufte man das Mühleninventar nach Niederkleen, die Mühle selbst wurde 1959 an den Pächter veräußert. Dieser war unter dem Spitznamen »Klammer-Karl« überall bekannt, da er in der Mühle gefertigte Holzwäscheklammern in der Gegend verkaufte. Nach dem Tod von »Klammer-Karl« im Jahr 1970 wurde das alte Mühlengebäude vier Jahre später abgetragen, das Grundstück fiel dann später der Gemeinde zu.

Viel zu sehen ist auf dem ehemaligen Mühlengelände inzwischen nicht mehr. Es mutet fast schon verwunschen an. Bäume und Sträucher haben die Oberhand gewonnen, einige verbliebene Mauerreste sind überwuchert; der Mühlteich ist verlandet. Er wurde 2018 von Manfred Dern und Frank Menges von Müll befreit, mittlerweile dient er, vertieft und neu gestaltet, längst als Feuchtbiotop.

Das Gelände, auf dem die Lochermühle zwischen Lang-Göns und Großen-Linden einst stand, ist zugewachsen. Einige Mauerreste sind noch zu sehen.

Rubriklistenbild: © Alexander Geck

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