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Die 98-jährige Krofdorferin und der lange Weg zum Impftermin

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Gründonnerstag war für die 98-jährige Anna Priebs aus Krofdorf-Gleiberg ein wichtiger Tag: Die Seniorin bekam ihre erste Impfung in Heuchelheim. Dabei war’s eine kleine Odyssee, bis es soweit war. Denn die rüstige Seniorin lebt das Winterhalbjahr über mit Tochter Hildegard und Schwiegersohn Uwe Pociecha in Moosach, im Münchener Norden. Und dort hatte sich die Familie auch zeitig um Impftermine für alle bemüht.

Ohne Erfolg indes. Denn sie kamen an der Hotline nicht durch - ein Schicksal, das sie mit tausenden weiteren Münchner Bürgern teilten.

Erst als sich die lokalen Medien, unter anderem die »Bild«-Redaktion in München, des Themas annahmen und die Münchner CSU die Staatsregierung eingeschaltet hatte, da ging es plötzlich: mit mehr Personal, zusätzlichen Hotlines, sagt Pociecha.

»Sie gehört zur Generation, die das Land mit aufgebaut hat. Und jetzt lässt man sie links liegen. Ich finde das beschämend«, sagte Uwe Pociecha dem »Bild«-Reporter. Der frühere Karstadt-Abteilungsleiter, der seine Frau 1973 in Gießen kennengelernt hatte, bevor er nach München ging, war empört. Nicht um seinetwillen, sondern wegen der vielen Menschen, die mit der Impfterminvergabe nicht zurechtkommen. Deshalb hatte er den Weg an die Öffentlichkeit gesucht.

Für Anna Priebs und ihre Tochter wurden unterdessen Impftermine an ihrem mittelhessischen Wohnsitz organisiert, was »Bild München« die Schlagzeile einbrachte: »Seniorin muss für Pieks nach Hessen - mit 98 Jahren kein Impftermin in München«.

Die Impflotsen im Wettenberger Rathaus am Krofdorfer Sorguesplatz jedenfalls nahmen sich der Angelegenheit umgehend an: »Beim dritten Klingeln hatte ich einen freundlichen, hilfsbereiten Menschen am Hörer«, ist Uwe Pociecha voll des Lobes. Und auch für ihn konnte letztlich hier ein Impftermin organisiert werden, wenngleich der 67-Jährige nur in München mit einem Wohnsitz gemeldet ist. Aber schließlich betreuen seine Frau und er die alte Dame aufopferungsvoll - und sind seit Beginn der Pandemie in großer Sorge um deren Gesundheit gewesen.

In höchsten Tönen lobt Pociecha auch das Impfzentrum in Heuchelheim, wo alles reibungslos klappte, als sie und die Schwiegermutter in der Osterwoche ihre Termine hatten. »Ärzte, Mitarbeiter, Ansprechpartner vom Fachdienst Hygiene - alle waren super hilfsbereit und freundlich - alles war hervorragend organisiert«, sagt ein heute dankbarer Uwe Pociecha. so/Foto: privat

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