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Vermeintlich schlechtes Vorbild: Das Mineralgemisch am Gerätehaus dient als Grundlage für Blühpflanzen, die magere Standorte lieben.

Dickes Paket für mehr Umweltschutz

  • Thomas Brückner
    VonThomas Brückner
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Laubach (tb). Blühflächen im Park, Natur- und Klimaschutzschutzbeirat, weniger Versiegelung in Vorgärten, Beitritt zum »Bündnis Klimakommunen« - mit einem ganzen Paket ökologischer Initiativen beschäftigte sich am Dienstag Laubachs Stadtparlament. Umstritten war vor allem der Grünen-Antrag gegen sogenannte »Gärten des Grauens«.

Fraktionssprecher Hans-Georg Teubner-Damster verwies auf den auch in Laubach zu beobachtenden Trend, Vorgärten mit Folien und Schotter abzudecken. Gleich mehrere Nachteile für die Umwelt gingen damit einher: Störung des Kleinklimas, Vernichtung von Lebensraum für Kleinlebewesen und Versiegelung.

Anders als andere verbiete Hessens Bauordnung Schottergärten nicht generell. Geboten sei daher eine kommunale Regelung, etwa in Form einer Bodenversiegelungs- und Bepflanzungssatzung, auf die dann auch in Bebauungsplänen verwiesen werden könnte. Eine Gemeinde habe das Recht, die Begrünung baulicher Anlagen sowie Nutzung, Gestaltung und Bepflanzung von Freiflächen zu regeln. Mit Blick auf am Abend anstehende Tagesordnungspunkte zum Naturschutz mahnte er, auch Laubach müsse hier aktiv werden. Beantragte städtebauliche Regelung sei da ein weiterer kleiner Beitrag, da sie Bürger animiere, etwas in ihrem privaten Umfeld zu tun.

»Wir sind gegen eine Bevormundung mündiger Bürger«, machte Siegbert Maikranz die Position der CDU deutlich. Solange das Gesetz es erlaube, sollte jeder in seinem Vorgarten tun und lassen können, was er will. Im Prinzip für die Initiative, doch gegen den »belehrenden Charakter« - so die Meinung von Florian Kempff. Als Liberaler sei er eher für eine freiwillige Regelung.

Regelung per Satzung möglich?

Anders Heinrich Philippi (FW), der an den Charakter eines - zudem auf die Zukunft ausgerichteten - Prüfungsauftrags erinnerte. Auf das Regelungsrecht der Gemeinde hob SPD-Sprecher Hartmut Roeschen ab und meinte mit Blick auf Maikranz: »Sonst wäre ja jede Satzung eine Bevormundung.« Ähnlich sah es Dirk-Michael Hofmann (FBLL), der freilich mahnte, die Stadt möge ein Vorbild geben.

Bei Neinstimmen der FDP, Enthaltungen von CDU und Teilen der FW ward dem Magistrat schließlich aufgegeben zu prüfen, wie »Gärten des Grauens« begegnet werden könnte, etwa per Bepflanzungssatzung. Ferner soll die Verwaltung eruieren, mit welchen generellen Festsetzungen in Bebauungsplänen Versiegelungen von Flächen bzw. deren »naturferne Umwandlung« minimiert werden kann.

Bei 11:8 Stimmen - dagegen votierten CDU (5), FDP (2) und FW - beschlossen wurde hernach der Grünen-Antrag, naturnahe Wiesen und Blühflächen im Schlosspark zu entwickeln. Für Veranstaltungen nicht benötigte Areale dürfen danach nur zweimal im Jahr gemäht werden. Die Partei legte dazu ein »Mahdregime« vor, das festlegt, wann und wo der Gärtner zur Tat schreiten soll. Wie Bürgermeister Matthias Mayer ausführte, hat er gemäß Ausschussauftrag bereits mit Celina zu Solms-Laubach gesprochen. Ergebnis: »kein kategorisches Nein, aber eine gewisse Skepsis, vor allem wenn es auf mehrere Kleinflächen hinauslaufen sollte.« Die Gräfin habe sich jedoch per se für eine stärkere Ökologisierung ausgesprochen.

»Setzen wir doch nicht selbst die Schere im Kopf an«, wandte sich Roeschen gegen dieses Vorgehen. Dass im Parkpachtvertrag dem Eigner gräfliches Haus ein Vetorecht eingeräumt wurde, sah sich da Maikranz zur Klarstellung veranlasst.

Keinen Anlass zur Diskussion bot schließlich die vom Magistrat sowie CDU/FW beantragte und nun kombinierte Einrichtung eines Natur-, Umwelt- und Klimaschutzbeirats.

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