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Teile des Hüttenberger Hallenbads sind bereits gesperrt. (Archivfoto: pad)

Dichtmachen oder dicht machen?

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Hüttenberg (pad). Soll das marode Hüttenberger Hallenbad ersatzlos geschlossen, saniert oder durch einen Neubau ersetzt werden? Diese Frage wird seit Jahren diskutiert. Auf der einen Seite stehen die hohen Kosten und eine leere Gemeindekasse, auf der anderen Seite die Bedeutung des Bades für den Schwimmunterricht und als Freizeitstätte. Heute Abend geht es im Hüttenberger Gemeindeparlament nun um die Weichenstellung.

Drei Varianten stehen zur Auswahl: eine ersatzlose Schließung des Hallenbades, die Sanierung sowie der Abriss und Neubau. Bürgermeister Christof Heller wollte sich im Vorfeld der Gemeindevertretersitzung nicht äußern, welche Variante er persönlich favorisiert: "Ich möchte der Sitzung nicht vorgreifen."

Wie hoch sind die Folgekosten?

Aus den einzelnen Fraktionen waren jedoch bereits Tendenzen zu hören. Die Grünen sehen etwa eine Sanierung als schlechteste Variante. "Wenn man saniert, hat man nur ein Schwimmbad, das vorübergehend nutzbar ist", sagte Dietmar Strehlau. "Dann haben wir fünf Millionen ausgegeben für nichts." Bei einem Neubau würden nicht nur die Baukosten, sondern die anfallenden jährlichen Unterhaltungskosten zu beachten sein. Strehlau fürchtet, dass sich dies nur mit einer Erhöhung der Grundsteuer B gegenfinanzieren ließe. Generell sprechen sich die Grünen dafür aus, das Thema noch einmal in den Fachausschüssen zu erörtern.

Auch Dr. Norbert Lang von den Freien Wählern erwartet, dass am heutigen Abend noch keine Entscheidung fällt, sondern das Thema nochmals in den Ausschüssen beraten wird. Es gebe zwar Tendenzen, aber noch keine feste Meinung, welche Variante die Freien Wähler bevorzugen würden. Die große Frage sei: "Was gibt der Haushalt her, und welche Konsequenzen hat es mit Blick auf die Steuern", sagt Lang. Zudem kämen auf Hüttenberg weitere teure Projekte zu, etwa der Bau eines Kindergartens und Investitionen in die Feuerwehr Rechtenbach.

Bei der Freien ökologischen Bürgerliste Hüttenberg (FöBH) favorisiert man grundsätzlich einen Neubau. "Eine Schließung war für uns bis jetzt kein Thema", sagt Erich Schmidt. "Das Hallenbad ist ein wichtiger Faktor für unsere Kinder und den Schwimmunterricht." Zudem sei die Bäderwelt im Umkreis bereits stark ausgedünnt. Eine Sanierung sieht die FöBH als riskant an, hierbei würden zu viele unbekannte Faktoren lauern. Schmidt schlägt vor, bei einem Neubau auch über ein Blockheizkraftwerk nachzudenken. Dieses könnte privat von einem Investor errichtet und die Energie dann an das Bad, aber auch die Bürgerstuben und die Sporthalle verkauft werden.

Die Sanierung schließt man auch bei der SPD-Fraktion als Variante eigentlich aus. "Das wäre ja eher eine Restaurierung", sagte Volker Breustedt. Generell plädiert er dafür, die Bürger nach ihrer Meinung zu fragen. Denn bei einem Neubau seien auch die Folgekosten zu bedenken. Breustedt hat überschlagen, dass wenn man diese über die Grundsteuer B refinanzieren wolle, auf den Besitzer eines durchschnittlichen Grundstücks pro Jahr 140 Euro Mehrbelastung zukäme. Wenn die Bürger dies mittragen, könnte man den Weg für einen Neubau freimachen. Breustedt spricht sich dafür aus, auch über den Standort zu diskutieren.

Die Fraktion der Christdemokraten sieht die einzige gangbare Lösung derzeit in einem kompletten Neubau des Hallenbades. Das teilte CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Schultze-Rhonhof auf Nachfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung mit. "Das ist für uns die einzige Option - nach den Zahlen, die wir vorgelegt bekommen haben, wäre ein Neubau sogar günstiger als eine Sanierung", erklärte Schultze-Rhonhof. Eine Schließung zöge die Fraktion aber auch nicht in Betracht: "Wie sollten wir den Bürgern vermitteln, dass wir uns keinen Neubau leisten können? Sind wir heute etwa ärmer als vor 40 Jahren?"

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