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Die pandemiebedingten Ausgangsbeschränkungen sorgen für einen "Rückzug ins Private" - die Zahl der Einbruchsdiebstähle nimmt ab. FOTO: ANDREA KUHN-GECK

Polizei bestätigt

Deutlich weniger Einbrüche wegen Corona

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Seit Beginn der Corona-Maßnahmen verzeichnet die Polizei im Kreis Gießen "deutlich weniger Wohnungseinbrüche". Das ist nicht die einzige Auffälligkeit in diesen Wochen.

Die Kriminalitätsstatistik 2019 für den Kreis Gießen weist gleich mehrere erfreuliche Daten aus. Neben dem Rückgang der Straftaten insgesamt auf 1321 ragt eine Zahl vor allem heraus: Bei den Wohnungseinbrüchen registrierte das Polizeipräsidium Mittelhessen einen Rückgang um 23 Prozent. 280 Delikte bedeuteten den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren. Überdies stieg die Aufklärungsquote, gut jeder fünfte Einbruch konnte geahndet werden.

Die Polizei macht dafür fortwährende Kontrollen und verstärkte Präsenz verantwortlich. Aber auch die bessere Sicherung der Anwesen, bleibt doch mittlerweile fast jeder zweite Einbruch in der Versuchsphase stecken. Faktoren, die auch den Rückgang bei den Geschäftseinbrüchen auf 238 Delikte erklären.

Keine Umlenkung der kriminellen Energie

Mit dem Ausbruch der Pandemie kam - aus Sicht des zwielichtigen Gewerbes - ein weiterer erschwerender Faktor hinzu: der Lockdown. Homeoffice, Kurzarbeit, kein Kino, keine Kneipe, kein Abend im Verein - auch der Mittelhesse ward zum Stubenhocker. "Seit den Corona-Maßnahmen, also im März, April und Mai, hatten wir erkennbar weniger Anzeigen von Wohnungseinbrüchen im Vergleich zu 2019", bestätigt Jörg Reinemer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen, die Tendenz. Genaue Zahlen zum Einfluss der Ausgangsbeschränkungen freilich lägen noch nicht vor.

Etwas überraschend kam es nicht zu einer "Umlenkung krimineller Energie": Bei den Einbruchsdiebstählen in gewerblich genutzte Gebäude gab es Reinemer zufolge nämlich "keine Steigerung", bei den Autodiebstählen sei gar "tendenziell ein deutlicher Rückgang auszumachen".

Tendenzen, die etwas mit der Einschränkung der Bewegungsfreiheit zu tun haben. "Gerade die überregionalen Täter, die oftmals für Wohnungseinbrüche verantwortlich sind, werden durch die verstärkten Kontrollen an den Grenzen eher von Straftaten abgehalten", sagt Reinemer.

Betrüger springen auf Corona-Zug auf

Auch wenn es noch keine Fallzahlen gibt: Wie zu erwarten, sind Betrüger auf den "Corona-Zug" aufgesprungen. Die Täter hätten versucht, die Angst vor dem Virus zu nutzen, ahnungslose Menschen zu verunsichern und mit Betrügereien im Internet oder am Telefon einen Reibach zu machen, bestätigt Reinemer.

Leere Landstraßen und Autobahnen prägten in den ersten Wochen der Corona-Krise das Bild. Mit den Lockerungen steigt jetzt wieder das Verkehrsaufkommen. Wenn auch langsam: Aktuell ist es immer noch 20 bis 30 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum, wie eine Auswertung von Hessen Mobil für die Fernstraßen des Bundeslandes zeigt.

Weniger Autos, weniger Unfälle - weniger Alarmierungen für Helfer und Retter. Von einem Rückgang um rund 50 Prozent, allerdings alle Einsätze der Feuerwehren zusammengenommen, berichtete zuletzt Kreisbrandinspektor Mario Binsch.

Stressfaktoren für Familien

Des einen Freud, des anderen Leid: Psychologen haben vor einer Zunahme häuslicher Gewalt als Folge des Lockdowns gewarnt. Hierzulande, erklärt der Polizeisprecher, könne man noch keine besondere Häufung feststellen. "Eine valide Aussage wird aber erst über einen größeren Zeitraum und im Vergleich zu Zahlen der Vorjahre zu treffen sein." In der Tat jedoch könnten die zurzeit notwendigen Beschränkungen im Alltag Stressfaktoren für Familien und häusliche Gemeinschaften bedeuten.

Polizeisprecher Reinemer rät Betroffenen, Beratungsangebote zu nutzen: "Opfer von häuslicher Gewalt sollten sich helfen lassen." Die Polizei könne Täter zudem für bis zu 14 Tage der gemeinsamen Wohnung verweisen und ein Kontaktverbot aussprechen. Opfer könnten derweil bei Gericht eine Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz - Platzverweise beziehungsweise Wegweisungen - beantragen. "Die werden auch durchgesetzt." Das kürzlich erst aufgehobene beziehungsweise gelockerte Verbot touristischer Übernachtungen in Hotels gelte im Übrigen nicht für Personen, die der eigenen Wohnung verwiesen wurden, merkt Reinemer noch an.

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