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Der Zug kommt ins Wohnzimmer

Närrisch wie seit Jahrzehnten gewohnt ging es am Faschingsdienstag mitten in Heuchelheim zu. Mit einem kleinen, aber entscheidenden Unterschied: Der traditionelle Umzug rollte im Miniaturformat - und nur über Bildschirme.

Ein gelbes Lego-Männchen in dunkelblauer Polizeiuniform schmückt einen Mini-Motivwagen, der von einem ferngesteuerten Traktor gezogen wird. »Ordnungsamt« steht auf seiner Brust, in der Hand hält es ein Schild mit der Aufschrift »Bußgeld«. Die kleinen Plakate an den Seiten des Wagens verraten, wen oder eher was diese Zugnummer aufs Korn nimmt: »Mit Covid-Impfzentrum im Ort gibts jetzt Strafzettel im Akkord«.

Zwar kann sich der traditionelle Faschingsdienstags-Umzug coronabedingt nicht wie sonst durch den Heuchelheimer Ortskern schlängeln, verändert hat sich trotzdem nicht viel - außer, dass die Wagen diesmal kleiner als ein DIN A4-Blatt sind. Abermals zeichnet sich der närrische Lindwurm durch reichlich Lokalkolorit aus.

513 Zuschauer

Zugausschuss-Chef Andreas Römer hatte eigens für den Miniatur-Umzug ein Zimmer bereitgestellt. Ein Großteil der seit Januar erstellten etwa 30 Wagen nahm lokale Themen unter die Lupe, etwa die Kläranlage oder die Absage des Martinsmarktes. Neben dem Heuchelheimer Carnevalverein 1957 (HCV) hatten sich auch der Kleintierzucht- und der Schützenverein, sowie ein Kindergarten am Bau der Mini-Wagen beteiligt. Auch die Kita Rappelkiste war ein Thema der Motivwagen: »Spielplatz für die Kita ›Rappelkiste‹ stand zu spät auf der Arbeitsliste«. Bereits vergangenes Jahr war der Wagen im Großformat im Faschingszug vertreten. »Das Thema scheint ein echter Dauerbrenner zu sein«, merkte die Moderatorin an.

Bei einem der bekanntesten Karnevalsumzüge der Region durfte natürlich die Weltpolitik nicht fehlen. Auch Ex-US-Präsident Donald Trump bekam sein Fett weg. »Im Oval Office sitzt ein Neuer, jetzt kriegt der Alte erstmal Feuer« titelten die Wagenbauer. Die Konstruktion aus Pappmaché zeigte Trump in einer Kanone steckend, deren Lunte von der Freiheitsstatue höchstpersönlich angezündet wird.

Etwa 25 Minuten dauerte das närrische Spektakel, das seine Premiere auf dem Youtube-Kanal des HCV feierte. Dass es die Zuschauer »nur« am Bildschirm in ihrer »guten Stube« verfolgen konnten, schien der Stimmung keinen Abbruch zu tun. 513 Narren sahen die Erstausstrahlung live. Es werden sicher mehr - denn das Video bleibt auch nach Aschermittwoch online. FOTO: GECK

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