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Willi Launsbach zusammen mit seiner Frau Christa an seinem 80. Geburtstag: Anlässlich des Geburtstages haben ihm die Vereine einen Besuch abgestattet.

Der Schreiber der Vereine

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Der Journalist Willi Launsbach, besonders bei den Vereinen in und um Reiskirchen wohlbekannt, blickt auf seine lange Zeit als Freier Mitarbeiter für die »Gießener Allgemeine Zeitung« zurück.

Ich freue mich, als ein ganz, ganz kleines Rädchen dabei zu sein, wenn in diesen Tagen die »Gießener Allgemeine« ihr 75-jähriges Jubiläum feiert. Ich bin inzwischen seit ungefähr 63 Jahren als Freier Mitarbeiter dabei. Doch wie kam es dazu?

Mein Onkel Heinrich Scheld arbeitete damals als Schriftsetzer in einem anderen Verlagshaus und wies mich auf die Möglichkeit hin, als Freier Mitarbeiter tätig zu sein. Hinzu kam, dass ein Mitschüler in meiner Klasse schon einige Jahre jeweils sonntags für die Sportredaktion tätig war. Darüber hinaus war der Vater meines Klassenkameraden Peter Schober als Redakteur im damaligen Verlagshaus der heutigen »Gießener Allgemeinen« tätig. Das alles gab mir 1958 den Anstoß, es auch einmal zu versuchen.

Nun gab es in meinem Heimatort Hattenrod wenig Gelegenheit dazu, sodass es meistens bei kleinen Ankündigungen von Terminen oder vielleicht auch mal einer Gemeindevertreterversammlung in vier oder fünf Wochen blieb. Jedenfalls war man froh, zu wissen, wohin man sich wenden konnte, wenn es um eine Berichterstattung ging.

Als Schüler hatte ich noch kein Auto und war somit an meinen Heimatort gebunden. Dennoch begann ich nach dem Abitur (1960) ein Studium am Pädagogischen Institut in Weilburg, das ich 1963 erfolgreich abschloss. Mein erster Dienstort war die Volksschule in Ettingshausen. Einige Vereinsverantwortliche, die von meiner Freien Mitarbeit wussten, baten mich, dies auch in Ettingshausen zu tun.

Das änderte sich erheblich, als die Gemeinde Hattenrod - neben einigen weiteren Nachbargemeinden - sich ab 1970 mit der Gemeinde Reiskirchen zusammenschloss. Es gab viele Vereinsaktivitäten, über die auch journalistisch berichtet werden sollte. Gemeindevertretersitzungen habe ich auch wieder übernommen.

Das erste große Ereignis war die 1000-Jahr-Feier von Reiskirchen im August 1975. Dort haben wir, zusammen mit weiteren Personen, ein Festbuch geschrieben. Viele Erkenntnisse daraus konnte ich auch für die Berichterstattung verwenden. Ein Jahr später war die 750-Jahr-Feier von Hattenrod, verbunden mit dem 100-jährigen Vereinsjubiläum des Gesangvereins »Eintracht« Hattenrod.

Viele Vereine sprachen mich wegen einer Berichterstattung an. So dürfte die Zahl der Texte mehrere Tausend überschritten haben. Mit der Zeit hatte ich zu vielen Vereinen einen sehr engen Kontakt. Das kam dann auch der Tatsache zugute, dass ich etwa an einem Samstagabend manchmal vier Termine zwischen Ettingshausen und Bersrod besuchen musste, was allerdings im Winter bei teils schlechten Straßenverhältnissen nicht einfach war. Das war nur mit einer sehr engen Vertrautheit zu den Vereinen möglich, die dabei sehr einsichtig waren. Wenn es sein musste, wurden auch schon einmal meine Kinder eingesetzt.

Spontane Einsätze gab es selten, vor allem blieb ich von Ereignissen wie Unfällen oder Bränden verschont. Von einem schlimmen, unangenehmen Einsatz kann ich nicht berichten, schöne Termine gab es öfter. Beispielsweise bei Geburtstagen von älteren Menschen, oder von Vereinen, die froh waren, endlich einen Ansprechpartner für eine Berichterstattung zu haben.

Eine unangenehme Berichterstattung gab es anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr in Harbach 2017. Ich hatte über die Vereinschronik einen ausführlichen Bericht geschrieben, wobei die zuständige Redaktion durch die Überschrift »Rätselhafte Feuerwehr« für großen Ärger gesorgt hatte. Dabei ging es darum, dass am Ende des Zweiten Weltkriegs kurze Zeit der Feuerwehrbetrieb aussetzen musste. Daher ist es auch angebracht, wenn der Freie Mitarbeiter eine passende Überschrift dazuschreibt.

In der Gesamtgemeinde waren die Bürgermeister Helmut Becker, Klaus Döring, Holger Sehrt und Dietmar Kromm sowie in den früheren selbstständigen Gemeinden Robert Keil (Ettingshausen) und Heinrich Mengel (Hattenrod). Ein interessanter Politiker, den ich gerne einmal interviewt hätte, wäre Helmut Schmidt gewesen - anlässlich seines Aufenthaltes bei der Familie Weiss in Lindenstruth. Oft wurde ich von der Redaktion auch zu Veranstaltungen außerhalb der Gemeinde geschickt.

Viel Freude haben mir die Ortsvereine von Hattenrod bereitet, darunter auch die, in denen ich kein Mitglied bin. Anlässlich meines 80. Geburtstages vor zwei Jahren haben die Vereine mir, neben weiteren Präsenten, ein großes Schild mit dem Wappen der Gemeinde Reiskirchen mit der Aufschrift »Hofberichterstatter für Reiskirchen und Umgebung« übergeben. Auch andere auswärtige Vereine fanden sich ein. Diese Zeit sowie diese Arbeit haben mich vielen Vereinen sehr nahegebracht. Die in diesen Vereinen tätigen Verantwortlichen waren auch führend in ihren Wohnorten. Der dadurch entstandene Kontakt bedeutete mir sehr viel und war für meinen großen Bekanntheitsgrad sehr positiv.

Leider verbieten mir gesundheitliche Gründe weitere Termine vor Ort. Umso mehr freue ich mich, wenn Vereine mir Unterlagen für einen Bericht schicken. Meine Tochter Carolin zeigt großes Interesse an der Arbeit für die Tageszeitung und wird zukünftig, je nach Zeit, den einen oder anderen Termin übernehmen. Auch darüber bin ich sehr erfreut.

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Die Chefredaktion und alle Redakteure danken allen Freien Mitarbeitern, die zum Teil seit Jahrzehnten zuverlässig, engagiert und kompetent für uns arbeiten. Willi Launsbach haben wir gebeten, stellvertretend für alle anderen einen Beitrag zu schreiben, weil er schon sehr lange dabei ist.

Willi Launsbach im Einsatz mit seinem »Handwerkszeug«: Dem Fotoapparat.
Willi Launsbach zu seiner Anfangszeit bei der »Gießener Allgemeinen«.

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