Sonderimpfaktionen bei den vom Diakonischen Werk getragenen Tafeln im Ostkreis: Gerade in Grünberg ist die Resonanz, nicht nur der Kunden, sehr gut, wie die Mitarbeiterinnen Susann Schmitzer und Sabine Seltmann (Foto) bilanzieren.
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Sonderimpfaktionen bei den vom Diakonischen Werk getragenen Tafeln im Ostkreis: Gerade in Grünberg ist die Resonanz, nicht nur der Kunden, sehr gut, wie die Mitarbeiterinnen Susann Schmitzer und Sabine Seltmann (Foto) bilanzieren.

Corona-Impfung

Der schnelle Piks bei der „Tafel“: Corona-Impfaktionen im Kreis Gießen kommen an

  • Thomas Brückner
    VonThomas Brückner
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Ein Impfangebot vor Ort, gerade bei Kunden der „Tafel“ ergibt dies aus unterschiedlichsten Gründen Sinn. Davon leiten ließen sich nun die mobilen Teams des Landkreises Gießen.

Hungen – Anfangs recht wenig zu tun haben die Mitarbeiter des Impf-Teams, die neben der Ausgabestelle der Tafel Hungen Laptop, Fax-Gerät und die anderen Utensilien für den schützenden Piks aufgebaut haben. Levi ist einer der ersten und gewiss jüngsten Impflinge. »Das war sein eigener Entschluss«, versichert seine Mutter. Und der 13-jährige Filius betont, er wolle nicht nur sich selbst schützen. Er weiß darum, dass mit der Impfung das Risiko einer Virus-Übertragung auf andere rapide sinkt.

»Ich hatte Corona«, verrät Marie Döpfer ohne Umschweife. Sie möchte nicht ein halbes Jahr bis nach der Infektion warten, wie es der Arzt empfohlen hat. Also nutzt sie diese unkomplizierte Möglichkeit, holt sich die zweite Vakzin-Dosis einige Wochen früher ab - für mehr Sicherheit und Normalität schon jetzt. Die Tafel Hungen ist nur das erste Ziel im Rahmen der Sonderimpfaktionen des Kreises in der letzten Woche, weitere Filialen in Grünberg, Lich und Laubach folgen.

Corona-Impfungen im Landkreis Gießen: Niedrigschwellige Angebote bei der Tafel

Diese für ein niedrigschwelliges Impfangebot zu nutzen, dafür spricht einiges: Ein nicht geringer Teil der Kunden, die auf die Verteilung überschüssiger Lebensmittel angewiesen sind, hat einen Migrationshintergrund. Einen Termin beim Impfzentrum zu buchen, fällt schon wegen der Sprachbarrieren schwer.

Ins Bild passen da zwei Aushänge im Laden der Tafel Grünberg: Der Besuch des Impf-Teams wird hier nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Arabisch und Russisch angekündigt. Passend zur Herkunft einiger der rund 300 Bedürftigen, die allein in Grünberg und der Filiale in Laubach auf Nahrungsmittel, Hygieneartikel etc. angewiesen sind. Die »babylonische« Plakatwerbung zeitigt durchaus Erfolg.

Den Beweis liefert bereits jener Geflüchtete, der beim Ausfüllen des Einwilligungsformulars Hilfe benötigt. Oder der Tafel-Kunde, der Vorname Alexander mag genügen, der sich von das Vakzin verabreichen lässt. Für den aus Russland eingewanderten Senior ist es die Erstimpfung. Wie er erzählt, machten ihm Nebenwirkungen Angst, vor denen auf (unseriösen) Internet-Seiten gewarnt wird. Und: »Ich habe auch kein Auto.« Was aber auch für seine Zweitimpfung kein Problem sein soll: Tobias Lux, Koordinator der Tafeln Grünberg und Hungen, wird ihn unterstützen.

Corona-Impfaktionen im Landkreis Gießen: „Ein Riesenerfolg“

Was die Sache erleichtern dürfte: In der Gallusstadt wird es wohl aufgrund des hohen Anteils von zwei Dritteln Erstimpfungen eine zweite Impf-Runde. Lux: »Falls nicht, finden wir auch eine Lösung, organisieren vielleicht einen Termin in einer Arztpraxis.« Insgesamt zeigen sich die Mitarbeiter des Impf-Teams sehr zufrieden mit der Resonanz in Grünberg, hat doch am Ende ein gutes Dutzend die Dosis Biontech intus. »Ein Riesenerfolg, zumal alle Altersgruppen vertreten waren.«

Zu den jüngeren zählt Vanessa K.. Auch diese junge Frau nutzt die Gelegenheit zum schnellen Piks um die Ecke. Anfangs, so räumt sie ein, habe sie durchaus Bedenken gehabt: »Wäre ich 50 und Mutter von zwei, drei Kindern, hätte ich nicht so lange gezögert.« So aber mochte sie auf Erfahrungen mit den Impfungen und eine sicherere Studienlage zum Einfluss des Vakzins auf die Fruchtbarkeit warten. Diese Vorbehalte - laut Robert-Koch-Institut widerlegt durch umfangreiche klinische Prüfungen vor Zulassung der Vakzine - haben sich offenbar zerstreut. Zumal: Allein in der Bundesrepublik sind inzwischen 100 Millionen Dosen verabreicht worden,

Die Grünbergerin bringt noch ein Motiv zur Sprache, das bei dem Besuch der Tafeln des Öfteren aufs Tapet kommt: Nennen wir es sozialen Druck. »Was, Du bist noch nicht geimpft!?« Diesen Satz bekam auch sie immer wieder mal zu hören.

Eine Frage, die sich aufgrund der jüngst verschärften Vorschriften - als Stichworte seien sogenannte 2G-Regelung oder kein Gehaltsausgleich bei Quarantäne genannt - nun noch mehr der etwa 20 Millionen ungeimpften Bundesbürger stellen dürften. Ob das Gros davon, Experten gehen von »nur« vier Prozent Impfverweigerern aus, aus Bequemlichkeit den Weg zum Impfzentrum, Haus- oder Betriebsarzt gescheut hat?

Sofern die Kollegen des mobilen Impf-Teams mit dieser Vermutung recht hätten, sind niedrigschwellige Angebote wie jene bei den Tafeln hilfreich. Wie meinte doch ein verrenteter Krankenpfleger, der sich in den Dienst der Sache bzw. des Kreises gestellt hat: »Jede einzelne Impfung zählt.«

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