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Wird verkauft: das Haus Untere Langgasse 12. Um vor einer Bauruine gefeit zu sein, hat der Sanierer auf CDU-Antrag eine Vertragserfüllungsbürgschaft zu erbringen.

Der Plan scheint aufzugehen

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Laubach (tb). Erfahrungen mit Investoren, die leer stehende Häuser in der Altstadt erwarben und in »Billigheimer-Manier« sanierten, waren der Anlass: 2016 stellte Laubachs Stadtparlament 500 000 Euro für Ankäufe bereit. Im Sinne eines aktiven Leerstandsmanagements bzw. der Stadtentwicklung sollte der Magistrat fortan ein Auge auf den Immobilienmarkt werfen.

Zwei Pilotobjekte in der Altstadt

Als Pilotprojekte erwarb die Stadt zwei stark sanierungsbedürftige, doch Entwicklungspotenzial bietende Anwesen. Für 140 000 Euro das »Hochzeitshaus« in der Grünemannsgasse. Seit anderthalb Jahren stehen Interessenten bereit, die es sanieren und selbst nutzen wollen. Komplizierte Fragen des Wegerechts wurden soeben geklärt. Und auch die letzte Hürde Grundstücksteilung könnte in Kürze genommen werden.

Am Mittwoch nun wurde auch für das zweite Objekt, die Untere Langgasse 12, ein Käufer gefunden. Nach zweijähriger Ausschreibung hatten sich gerade mal zwei Interessenten gemeldet. Zwei Bauunternehmer aus dem Gießener Nordkreis und aus Weilburg.

Nach Vorstellung beider Interessenten gab der hier entscheidungsbefugte Hauptausschuss dem Weilburger den Zuschlag. Sein Konzept einer baubiologischen Altbausanierung überzeugte die Mehrheit.

Die folgte somit SPD und nicht dem Magistrat. Der hatte sich wie der Ortsbeirat für den Mitbewerber ausgesprochen. Ein Argument war dabei, dass dieser nach der Sanierung - vieles in Eigenleistung, unterstützt von zwei, drei »Subs« - mit seiner Partnerin selbst einziehen wollte. Und zudem zwei Wohneinheiten im Vorderhaus und eventuell später drei weitere in oder anstelle der Scheune.

Die Eigennutzung spreche für Identifikation mit dem Objekt, meinte im Ausschuss FW-Fraktionschef Dr. Ulf Häbel. Mit reinen Renditeobjekten habe die Stadt ja bereits böse Überraschungen erlebt.

SPD: Ökologisches Bauen als Vorbild

Für die Option »Nordkreis« plädierte ebenso Siegbert Maikranz (CDU). Für ihn kann es nicht angehen, dass die Stadt einem Käufer Vorschriften zur Bauweise macht. Zudem liege hier das Gebot bei 32 500 statt 10 000 Euro. »Wir haben kein Geld zu verschenken.« Hans-Georg Frank (BfL) kritisierte, die Verwaltung hätte zunächst die Überwandlungsrechte klären müssen. So aber drohe dem neuen Eigner ein Scheitern der Stellplatzplanung.

Dass Eigennutzung keine Garantie für eine Sanierung im Sinne der Stadt biete, meinte Michael Köhler (Grüne). Der Weilburger überzeuge ihn durch ein nachhaltiges Konzept. Die Entscheidung der Stadt aus 2016, diesen Weg zu gehen, sei richtig gewesen, bilanzierte Björn Erik Ruppel (CDU). Für den Vorsitzenden der IKEK-AG »Innenstadtentwicklung« war das nachhaltige Konzept das bessere. Auf dieses entfielen am Ende fünf Jastimmen von SPD (2), Grünen, CDU und FW, bei viermal Nein von FBLL, FW (2) und CDU, die BfL enthielt sich.

Also durfte die SPD in der letzten HFBA-Sitzung der Legislatur noch ein Erfolgserlebnis verbuchen. Die Pläne des Weilburgers, so hatte Hartmut Roeschen den Antrag der Genossen begründet, zeigten einen »deutlich höheren Anspruch an liebevolle Renovierung«. Dank einer Sanierung mit traditionellen, ökologischen Baustoffen dürfe man auf ein vorbildhaftes »Leuchtturmprojekt« hoffen.

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