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Wo eben noch graues Pflaster und Wachbeton auf Schulhöfen dominieren, soll es mehr Grün geben. Konkret auf diesem Pausenhof an der CBES in Lollar wird dort, wo jetzt noch Garagen stehen (Hintergrund) ein Soccercourt angelegt. Freiraumplaner Steffen Hasenpflug hat die Ideen dazu.

Spielraum für Schülerr

Der Pausenhof-Macher

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Was will ein Kind? Vor allem, wenn es 45 oder gar 90 Minuten lang stillgesessen hat? Sich bewegen! Steffen Hasenpflug ist Außenanlagenplaner. Er hilft, den idealen Pausenhof an Schulen zu schaffen.

Gießen (so). Hier kommt der Soccer-Court hin«, sagt Steffen Hasenpflug beim Ortstermin auf dem Schulhof der Clemens-Brentano-Schule in Lollar. »Und genau da wird es Kletterstangen und den Spieleparcours geben«. Der Außenanlagenplaner freut sich schon jetzt auf die Fertigstellung im Juni. Und sagt: »Der Schulhof wird ein ganz anderes Gesicht bekommen«,

Seit Januar ist der Ingenieur beim Landkreis Gießen. Und hat reichlich zu tun. Denn zwei Drittel der Pausenhöfe an den 53 Schulen im Landkreis Gießen sind vor gut zwei Jahren in einem Gutachten als »nicht bewegungsfreundlich« eingestuft worden.

Aktive Pausen

Dabei ist eine aktive Pausengestaltung wichtig: Fußballspielen. Schaukeln, Basketbälle auf den Korb werfen, Seilhüpfen oder sich an einer Kletterwand ausprobieren. Vor allem aber: sich austoben und verausgaben können. Rein physisch, zum Ausgleich nach der intellektuiellen Beanspruchung. Völlig normal.

Doch dafür braucht es Raum, der dazu einlädt. Hinzu kommt: Schule hat sich geändert. Mit dem Pakt für den Nachmittag« bleibt eine viel größere Zahl an Schülern über das Unterrichtsende hinaus dort. Schule hat sich vom Lern- zum Lebensraum gewandelt.

Klettern, Schaukeln, Ballspielen

Der 45-Jährige Hasenpflug kommt aus dem Garten- und Landschaftsbau; weiß also, wie gute Spielplätze auszusehen haben. Dabei sind die Ansprüche unterschiedlich: Grundschüler haben andere Wünsche und Vorstellungen als etwa Jugendliche. Und auch da zeigt sich mit Blick auf die Gesamtschulen: Elfjährige im fünften Schuljahr ticken anders als die Oberstufenschüler. Grundschulen fragen oft nach Klettergerüsten und Schaukeln, sagt der Fachmann. Hinzu kommt der Anspruch: Weg von Asphalt und Beton, hin zu mehr Grün: So gibt es die Idee, auf bislang monoton grünen Rasenflächen an Schulen Blühwiesen anzulegen, um Bienen und anderen Insekten Lebensraum und Nahrung zu bieten. Auch das Thema Schulgarten rückt wieder mehr in den Fokus.

Klar ist, dass nicht überall gleichzeitig losgelegt werden kann: In Langgöns etwa, wo eine Sanierung an der Grundschule abgeschlossen wird, da bietet es sich an, die Außenanlagen gleich mitzumachen. In Heuchelheim sind zwei der vier Schulgebäude grundhaft überholt worden. Dort war Hasenpflug erst zu Wochenbeginn. Dort ist der Schulhof nach wie vor nicht barrierefrei. Das ist eine Herausforderung. Doch er hat da schon Ideen. An der Gesamtschule Hungen wird an einem Calisthenics-Park gearbeitet, der zum einen der aktiven Pausengestaltung dient, zum anderen aber auch im Sportunterricht einbezogen wird.

Schüler werden eingebunden

Spannend dabei: Den Schulen und Steffen Hasenpflug ist es wichtig, möglichst viele einzubinden. Noch einmal das Beispiel Lollar: Der Soccer-Court wird in Kooperation mit der Stadt geschaffen. Auf einer Fläche von 24 mal 15 Metern entsteht ein hochwertiger Platz für Fußball und Basketball gleich neben dem Beachvolleyball-Feld. Unweit davon wird ein kleiner Spielparcours unter anderem mit Reckstangen angelegt.

Die Schüler haben ihre Ideen eingebracht. Gemeinsam mit Studenten und Fachleuten haben sie im Vorfeld Überlegungen angestellt, wie für sie der ideale Schulhof aussieht. Dann wurden Modelle gebaut und am Konzept gefeilt. Höhepunkt der partizipativen Gestaltung: Im Juni werden die Schüler rund eine Woche lang gemeinsam mit den Fachleuten die neue Anlage aufbauen - und hoffentlich abschließend mit einem Fest einweihen. Das soll zum einen das Wir-Gefühl stärken, zum anderen zeigt die Erfahrung: Was von Jugendlichen selbst geschaffen ist, das leidet weniger unter Vandalismus.

53 Schulen im Kreis

»Wir hatten schon länger den Verdacht, dass unsere Pausenhöfe nicht so dolle sind«, hatte Schuldezernentin Christiane Schmahl bereits vor zwei Jahren dargelegt, als im Rahmen einer Studie zu den Sportstätten im Kreis die Schulhöfe mit in den Blick genommen wurden. Früher hat der Landkreis Büros beauftragt, um sich das Knowhow für Neugestaltungen zu holen. Die Idee dann: Einen eigenen Freiflächenplaner zu beschäftigen, der individuell passende Konzepte nachhaltig entwickelt und weiß, wie es geht, Pausenhöfe besser und attraktiver zu machen.

»Wenn wir kindgerechte, zu Fantasie und Bewegung anregende Räume schaffen wollen, dann brauchen wir einen Experten, der die Veränderungen auf den Schulgeländen plant und fachlich begleitet«, hatte Schmahl bei der Vorstellung des neuen Mitarbeiters gesagt.

Hasenpflugs Stelle ist neu geschaffen worden, ist also on top gekommen. Der Kreis hat 53 Schulen in seiner Trägerschaft, davon 39 Grundschulen. Allein diese Zahlen zeigen, dass Hasenpflug die Arbeit nicht ausgehen wird.

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