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Ralf Jäkel Forstamtsleiter

Der Holzmarkt ist schwierig

  • Rüdiger Soßdorf
    VonRüdiger Soßdorf
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Waldbesitzer profitieren derzeit kaum von der wachsenden Nachfrage - auch wenn der Holzpreis steigt. Grund ist der hohe Anteil an Schadholz, der auf dem Markt ist. Sägewerke und Handel zählen hingegen zu den »Gewinnern«. Stimmt das so? Ja. Aber es ist nur die halbe Wahrheit. Das Thema ist vielschichtiger.

In Biebertal wird dieser Tage wieder der Forstwirtschaftsplan von der Kommunalpolitik beraten - voraussichtlich mit sorgenvollen Mienen. In Wettenberg hatte die CDU zur Waldbegehung eingeladen - und bald 70 Interessierte kamen. In Rabenau wurde vergangene Woche erst im Bau- und Umweltausschuss der niedrige Holzpreis beklagt: Rund 44 Euro wurden zuletzt je Kubikmeter erlöst. Vor zwei, drei Jahren war es noch gut das Doppelte.

Holz ist Thema bei den Menschen: Weil einerseits der Preis in die Höhe geht, wie jeder merkt, der nur ein paar Latten im Baumarkt kaufen will. Das trifft zugleich auch die boomende Baubranche. Auf der anderen Seite sind da aber die Waldbesitzer, die beklagen, dass von den gestiegenen Marktpreisen bei ihnen nichts ankommt. Ganz im Gegenteil, denn sie haben steigende Kosten, um die Schäden durch Stürme, Borkenkäfer und Trockenheit zu beseitigen.

Christian Raupach, der geschäftsführende Direktor des hessischen Waldbesitzerverbandes, der private und kommunale Eigentümer vertritt, spricht von einem »gespaltenen Markt«. Der Rohholzpreis sei seit 2015 kontinuierlich gesunken. »Tiefpunkt war Oktober 2020.« Und das trotz der ungebrochenen, ja gewachsenen Nachfrage nach dem Rohstoff. Die Ursache sieht Raupach in den Folgen der Waldschäden, die Hitze, Stürme und Borkenkäfer verschuldet haben: »Das Schadholz ist die Ursache dafür, dass die Preise so gedrückt wurden.« Denn es sind Unmengen Holz auf den Markt gekommen, sagt Raupach.

Das bestätigt auch Ralf Jäkel, der kommissarische Leiter des Forstamts Wettenberg. Das Amt ist verantwortlich für den größeren Teil der Kommunen und eben den Staatswald im Kreis Gießen. Fichtenrundholz wurde Ende 2020 teils zu Preisen gehandelt, die jeder Beschreibung spotten: Der Kubikmeter lag an schlechten Tagen bei 25 Euro. Ehedem galten 70 bis 80 Euro als normal.

»Wir ernten ohnehin fast nur die angefaulten Äpfel«, skizziert der Forstmann den großen Einschlag, der notwendig ist, um wenigstens überhaupt noch was für das Holz zu bekommen. Denn es einfach im Wald zu lassen, das gehe nicht. Es dauere 20 bis 30 Jahre, bis sich die Natur von alleine verjüngt, nachdem das kaputte Holz umgefallen ist. Zudem sind Aspekte wie Wegesicherung und Arbeitssicherheit für die Forstwirte zu bedenken.

Was jetzt wieder steigt, das ist der Preis für frische, gesunde Fichte. Denn das seit zwei oder drei Jahren kaputte Holz will niemand mehr wirklich haben.

Der Hintergrund der komplexen Entwicklung ist globaler Natur: Durch die trockenen Jahre sind zig Millionen Festmeter Holz aus aller Herren Länder auf den Weltmarkt gekommen. Sägewerke haben Überkapazitäten gefahren, um möglichst viel Holz zu verwerten. Der Markt nahm es auf. Aber eben nicht hier. Sondern beispielsweise in den USA. Denn auch in Kanada waren Tausende Hektar Wald der Trockenheit zum Opfer gefallen. Dort wurde der Einschlag von Frischholz reduziert. Zugleich arbeiteten die USA unter Trump mit Zöllen. Der Holzhunger der USA beim Ausfall der kanadischen Importe ließ die Sägewerke hierzulande viel in die USA verkaufen.

Aber Jäkel weist zugleich darauf hin, dass es jetzt Fördermittel für das Beseitigen der Schäden respektive für die Wiederaufforstung sowie zur Wildschadensverhütung gibt. Wiederbewaldung wird da ebenso gefördert wie der Erhalt des Waldes an sich. Erstmals gibt es eine »Nachhaltigkeitsprämie« von 100 Euro je Hektar.

Das ist ordentliches Geld. Aber Subventionierung hin, Förderung her: »Die Gemeinden müssen sich darauf einstellen, dass sie in den kommenden Jahren mehr in den Wald reinstecken müssen, als sie herausholen«, blickt Forstamtsleiter Jäkel nach vorn. Die Zeiten, in denen mit Wald Gewinn gemacht oder wenigstens die »schwarze Null« erwirtschaftet wurde, sind wohl erst einmal vorbei. Wobei Waldbesitzer auch auf Wege sinnen, andere Einnahmequellen zu erschließen, um das zu kompensieren. Staufenberg wird, so der dortige Bürgermeister Peter Gefeller, einen Teil der Erlöse, die die geplanten Windräder im Stadtwald einspielen, wieder in den Wald zurückgeben. FOTO: PAD

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